Benachteiligt: Frauen in der Teilzeitfalle

Teilzeitarbeit mag zwar in manchen Lebenslagen für Frauen die richtige Wahl sein. Doch diese Arbeitsform bringt auf Dauer keine eigenständige Absicherung.

Hierzulande ist und bleibt Teilzeit ein weibliches Phänomen. Mehr als jede zweite berufstätige Frau in Tirol arbeitet Teilzeit! Tendenz steigend (siehe Fakten unten).

Hinweis

Das Wichtigste zu Mehrarbeit, Überstundenarbeit und Entlohnung sowie zu Zeitausgleich finden Sie in der AK Broschüre „Teilzeitarbeit“, kostenlos anzufordern unter 0800/22 55 22 – 1432


Während Teilzeitarbeit in einigen Lebenssituationen die richtige Wahl sein kann, ist sie nicht immer freiwillig. Frauen müssen oft dazu verdienen, weil jeder Euro zählt, angesichts niedriger Löhne und hoher Lebenshaltungs- und Wohnkosten.

Andererseits können sie Familie und Beruf nur mit Teilzeitbeschäftigung bewältigen, weil es an Betreuungseinrichtungen samt geeigneter Öffnungszeiten mangelt, vor allem im ländlichen Raum. Aber Teilzeitarbeit hat massive Auswirkungen nicht nur auf Karriere- und Berufschancen. Teilzeitarbeit bietet außerdem nicht das Einkommensniveau einer Vollzeitarbeit. Ganz abgesehen davon, dass finanzielle Selbständigkeit nur mit einer einzelnen Teilzeitarbeit angesichts des Preisniveaus in Tirol so gut wie unmöglich ist. Aber vor allem heißt halber Lohn zugespitzt gesagt auch halbe Pension. Eine Tatsache, die Frauen im Alter schmerzlich zu spüren bekommen können.

Das gilt rechtlich. Nichts desto trotz bleibt vielen nur diese Arbeitsform, um etwas dazu zu verdienen. Da heißt es auf jeden Fall, alle rechtlichen Bestimmungen zu kennen.

  • Teilzeitarbeit liegt vor, wenn die vereinbarte Wochenarbeitszeit die gesetzliche (40 Wochenstunden) oder eine kollektivvertraglich verkürzte Normalarbeitszeit (z. B. im Handel 38,5 Stunden) unterschreitet. Ausmaß, Lage und Änderung dieser Arbeitszeit sind zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vereinbaren.

  • Teilzeitbeschäftigte sind zur Mehrarbeit nur dann verpflichtet, wenn keine berücksichtigungswürdigen Interessen der Mehrarbeit entgegenstehen (z. B. Kinderbetreuungspflichten). Bei teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmern ist bei der Berechnung der Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) die regelmäßig geleistete Mehrarbeit zu berücksichtigen. Keine Einrechnung der Mehrarbeit in Sonderzahlungen erfolgt, wenn für die Mehrarbeit Zeitausgleich vereinbart wurde.

  • Teilzeitbeschäftigte dürfen wegen der Teilzeitarbeit gegenüber vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern nicht benachteiligt werden.

Die Hälfte arbeitet atypisch

Daten & Fakten. 84.300 Frauen in Tirol arbeiten Teilzeit - mehr als jede zweite Berufstätige! Vollzeitbeschäftigte Tirolerinnen gibt es lediglich 73.400.

Für alle unselbständig Beschäftigten in Tirol betrug die Teilzeitquote im Jahr 2016 30,7 %. Insgesamt gingen etwa 100.000 Beschäftigte einer Teilzeitarbeit nach. Der weit überwiegende Teil davon – etwa 84.300 Personen – waren Frauen.

Die Teilzeitquote der Frauen machte 53,5 % aus, während die der Männer lediglich 9,3 % betrug. In absoluten Zahlen: In Vollzeit arbeiten 152.200 Männer, in Teilzeit hingegen nur 15.700 – zweifellos ein gravierender Unterschied. 65 Prozent der gesamten Tiroler Beschäftigungszunahme seit 2011 gehen auf das Konto weiblicher Teilzeitarbeit.

Ähnliche Arbeitszeiten. Ein detaillierterer Blick in die Daten relativiert diese Zahlen. Denn die tatsächlich geleisteten wöchentlichen Arbeitsstunden von Männern und Frauen, weichen nicht so sehr voneinander ab, wie das die höchst unterschiedliche Teilzeitquote suggerieren könnte.

MÄNNER. Tiroler Männer leisteten laut Mikrozensus im Jahr 2016 durchschnittlich 34,2 Arbeitsstunden pro Woche. Männer mit einer Vollzeittätigkeit kamen auf 36 Stunden, Männer mit Teilzeitarbeit auf 17,1 Stunden.

FRAUEN. Die Frauen in Tirol leisteten im Durchschnitt 25,7 Arbeitsstunden pro Woche – nur rund ein Viertel weniger (8,5 Stunden) als die Männer. Bei Vollzeitarbeit kamen die Frauen auf 35 tatsächlich geleistete Arbeitsstunden und lagen damit beinahe gleichauf mit den Männern. Bei Teilzeitarbeit lagen die Frauen mit 17,7 Stunden, sogar etwas über der Stundenleistung der Männer.

Lohn. In der Zusammenschau bedeutet dies, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen – die Männereinkommen übertrafen diejenigen der Frauen um 56 % – zwar zum Teil durch den Faktor Arbeitszeit erklärt werden können, dies als vollständige Erklärung jedoch sicher nicht aus reicht.

Ganz offensichtlich bestimmen die unterschiedlichen beruflichen Positionen von Männern und Frauen und die Verteilung über die verschiedenen Branchen mindestens ebenso wesentlich über die Einkommenschancen. Noch ein wichtiger Faktor: Mehrarbeit in der Teilzeit wird ungerecht und niedriger entlohnt als Überstunden in der Vollzeit.

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