Heimische Produkte in Deutschland billiger
Ein Preis-Check der AK Tirol ergab: In Österreich hergestellte Produkte werden im angrenzenden Bayern billiger verkauft als in Österreich selbst.
Die AK Tirol vergleicht regelmäßig grenzübergreifend die Preise von ausgewählten Markenlebensmitteln. Trotz des identischen Produktangebotes in Österreich und in Deutschland bestehen teils erhebliche Preisunterschiede zulasten der österreichischen Konsument:innen. AK Präsident Erwin Zangerl kritisiert diese Praxis und fordert mehr Preistransparenz entlang der Lieferkette, vom Produzenten bis hin zum Endverbraucher. „Wir müssen sicherstellen, dass nirgendwo in der Lieferkette unfair hohe Preise verlangt werden. Der Österreich-Aufschlag ist eigentlich ein klarer Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. Dass der Wettbewerb in Österreich bei Energie und Lebensmitteln viel zu gering ist, verschärft die Lage zusätzlich. Vor allem für Tirol ist das ein großes Problem, da hier noch ein ‚Tirol-Aufschlag‘ dazukommt“, so Zangerl.
Wie kann es sein, dass idente Produkte, darunter sogar österreichische „Klassiker“ wie Almdudler oder Red Bull in Deutschland immer noch um vieles billiger erhältlich sind, als in Tirol? Bereits im August 2025 hat die AK Tirol mit einem Preis-Check diese Unverhältnismäßigkeit aufgedeckt, neun Monate später dasselbe Bild:
Das bestätigt ein aktueller Test der AK Konsumentenschützer:innen, die Anfang Mai die Preise für einen Warenkorb mit 54 Artikeln bei drei österreichischen und zwei deutschen Anbietern erhoben haben: Viele idente Artikel waren in Österreich wesentlich teurer als in Deutschland.
Durchschnittlich kostete der Warenkorb bei den österreichischen Anbietern
243,99 Euro und bei den deutschen Anbietern 194,49 Euro. Bei den österreichischen Anbietern muss somit im Schnitt um 25,45 % mehr bezahlt werden, als bei deutschen Lebensmittelgeschäften.
Wie bereits in den Vorjahren kommt man in Summe immer noch billiger, wenn man in Deutschland jeweils die teuersten Markenartikel um insgesamt 201,36 Euro kauft, als wenn man die günstigsten Produkte bei den österreichischen Anbietern um insgesamt 233,04 Euro kaufen würde.
Ausgehend von den durchschnittlichen Warenpreisen waren insgesamt 43 der 54 erhobenen Artikel in Österreich teurer als in Deutschland.
Folgende Produkte waren sowohl bei den deutschen, als auch bei den österreichischen Anbietern um denselben Preis erhältlich:
DARBO Naturrein Rosenmarillen (450 g)
MILKA Alpenmilch (90 g)
LANDLLIEBE Grieß Pudding traditionell oder mit feiner Vanille (150 g)
BARILLA Piccolini Mini Penne Rigate (500 g)
BARILLA Spaghetti Nr. 5 (500 g)
Lediglich 6 der verglichenen 54 Produkte waren bei den österreichischen Anbietern im Durchschnitt billiger als bei den deutschen Anbietern:
STARBUCKS Caramel Macchiato (220 ml)
MERCI Finest Selection Große od. Helle Vielfalt (250 g)
RAMA, Unilever Cremefine zum Kochen; 15 % Fett (250 ml)
RAMA, Unilever Cremefine zum Aufschlagen; 19 % Fett (250 ml)
DE CECCO Fusilli (500 g)
WASA Vollkornbrot (260 g)
Bei den angegebenen Preisen handelt es sich um Inklusivpreise, das heißt, dass der entsprechende Umsatzsteuersatz in den österreichischen und deutschen Produkten enthalten ist. Die Umsatzsteuersätze sind in Österreich und Deutschland annähernd gleich.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass innerhalb des europäischen Binnenmarktes Preise für identische Produkte bei vergleichbaren Rahmenbedingungen zu Lasten der österreichischen Verbraucher:innen derart auseinanderklaffen. Die konkreten Ursachen für die teils hohen Preisunterschiede müssen endlich offengelegt und Ungleichbehandlungen beseitigt werden. Es besteht nach wie vor dringender Handlungsbedarf, sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene!
Bisher erklärte der österreichische Handel die höheren Preise von Lebensmitteln in Österreich im Gegensatz zu Deutschland mit höheren Lohnkosten (obwohl die AK Tirol dies bereits widerlegt hat), größerer Filialdichte und höheren Transportkosten aufgrund alpiner Strukturen. „Doch es gibt kein logisches Argument für derart hohe Preisunterschiede“, kritisiert AK Präsident Erwin Zangerl. Er fordert die Wiederaufnahme der Arbeit der Paritätischen Kommission für Preis- und Lohnfragen, die seit 1998 nicht mehr zusammengetreten ist. „Die Kommission hat über Jahrzehnte für stabile Verhältnisse und einen Ausgleich gesorgt, der Wettbewerbs- und Preisausschuss soll reaktivert werden, denn die Konsument:innen und auch der Staat brauchen mehr Einblicke in die Preisgestaltung.“
Alle Details der Erhebung finden Sie in der Download-Datei.
Die Erhebung wurde von 4. Mai bis 5. Mai 2026 durchgeführt. Die Preise wurden in Österreich online bei INTERSPAR, BILLA und MPREIS und in Deutschland online bei Globus und REWE erhoben.
Die Erhebung erfolgte auf Basis gänzlich identer Produkte. Der Warenkorb umfasste 54 Artikel von Getränken bis Teigwaren. Alle Preise wurden ohne Berücksichtigung von Mitglieds- und Kundenkarten erhoben, auch Mengenrabatte wurden nicht miteinbezogen. Es wurde der Preis zu Grunde gelegt, den ein Konsument für ein Produkt an dem Tag der Erhebung bezahlen hätte müssen. Aktionspreise wurden berücksichtigt.
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