Studier­en­de mit Werk- oder freiem Dienst­ver­trag

Viele Studierende jobben auf Honorarbasis (freier Dienstvertrag, Werkvertrag). Aus steuerlicher Sicht erzielen sie damit betriebliche Einkünfte.

Im Steuerrecht gibt es übrigens keinen Unterschied zwischen freiem Dienst­ver­trag und Werkvertrag. Zu versteuern ist immer der Gewinn (Einnahmen ab­züglich Ausgaben). Falls auf Grund der Höhe des Einkommens Steuerpflicht ent­steht, das ist ab einem Jahreseinkommen von 11.000 Euro der Fall, muss selbständig eine Einkommensteuererklärung (Formular E 1, Beilage E 1a oder E 1a-K) abgegeben werden. Der Arbeitgeber zieht überhaupt nie Steuer ab, die Studierenden sind selber für die Einkommensteuer und allenfalls für die Um­satz­steuer verantwortlich.

Belege während des Jahres sammeln

Da nur der Gewinn zu versteuern ist, sollten Belege für Ausgaben schon währ­end des Jahres gesammelt werden, um dem Finanzamt bei Nachfrage Aus­gab­en auch beweisen zu können. Auch bei betrieblicher Tätigkeit sind sämtliche Auf­wendungen, die mit dem Studium in Zusammenhang stehen als Be­triebs­aus­gabe absetzbar - sofern das Studium eine Fortbildung, Ausbildung oder Umschulung darstellt. Ebenso alle weiteren Ausgaben, die mit der betrieblichen Tätig­keit in Zusammenhang stehen. Auch die Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sind absetzbar, daher Fahrkarten sammeln oder ein Fahrt­en­buch führen.

Betriebsausgaben pauschal geltend machen

Für Studierende mit betrieblichen Einkünften gibt es die Möglichkeit, die Be­triebs­aus­gab­en pauschal geltend zu machen. Wenn daher jemand keine nennens­werten Betriebsausgaben hat, kann ein bestimmter Prozentsatz von den Einnahmen pauschal (also ohne Nachweis) steuermindernd geltend gemacht werden. Es gibt 2 verschiedene Möglichkeiten, pauschale Betriebsausgaben abzusetzen:

Basispauschalierung

Bei der Basispauschalierung können 6% bzw. 12% der Einnahmen abgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Einnahmen aus dem Vorjahr nicht mehr als 220.000 € betragen haben. Zusätzlich zum Pauschale sind jedoch bestimmte Ausgaben wie z.B. Sozialversicherungsbeiträge, Waren und Fremdlöhne abschreibbar. 

Pauschale Betriebsausgaben für KleinunternehmerInnen (ab 2020)

Ab dem Veranlagungsjahr 2020 gibt es eine weitere Möglichkeit, Betriebsausgaben pauschal geltend zu machen. Voraussetzung dafür ist, dass Sie umsatzsteuerrechtlich KleinunternehmerIn sind. Das bedeutet, dass Ihr Umsatz nicht mehr als 35.000 € im Jahr betragen darf. Näheres zur KleinunternehmerInnen-Regelung finden Sie unter diesem Link

Liegt Ihr Umsatz unter 35.000 € und verzichten Sie freiwillige auf die Umsatzsteuerbefreiung für KleinunternehmerInnen, können Sie trotzdem diese pauschalen Betriebsausgaben geltend machen. Die Pauschalierung für KleinunternehmerInnen beträgt 20 % der Einnahmen aus Dienstleistungsunternehmen bzw. 45 % bei Handels- und Produktionsunternehmen. Neben dieser Pauschale können nur Sozialversicherungsbeiträge abgesetzt werden.  

Nähere Informationen zu den pauschalen Betriebsausgaben finden Sie in unserem Artikel zur Gewinnermittlung.

Gewinnfreibetrag

13% des laufenden Gewinnes können steuermindernd geltend gemacht werden. Bis zu einem Gewinn von 30.000 € können die 13%, also maximal 3.900 € ohne irgendwelche Voraussetzungen geltend gemacht werden. Beträgt der Gewinn über 30.000 € kann noch zusätzlich der investitionsbedingte Frei­be­trag geltend gemacht werden. Dafür muss aber tatsächlich investiert werden.

Nähere Informationen zu den pauschalen Betriebsausgaben finden Sie in unserem Artikel zur Gewinnermittlung. 

Umsatzsteuerpflicht erst ab folgendem Umsatz

Umsatzsteuerpflicht entsteht erst ab einem Jahresumsatz von mehr als 35.000 € (bis 2019 30.000 €) netto. Darunter gilt die sogenannte Kleinunternehmerregelung. Das be­deut­et, dass auf den Honorarnoten keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden darf, keine Vorsteuern geltend gemacht werden dürfen, aber dafür auch keine Um­satz­steu­er an das Finanzamt abgeführt werden muss. Wenn aber jemand trotz­dem umsatzsteuerpflichtig sein möchte, kann er gegenüber dem Finanz­amt einen „Regelbesteuerungsantrag“ stellen.

Nähere Infos zur Umsatzsteuer finden Sie hier. 

Sozialversicherungsrecht

Hier spielt die Unterscheidung zwischen freiem Dienstvertrag und Werkvertrag eine große Rolle. Beim freien Dienstvertrag muss der Dienstgeber beim Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze die Sozialversicherungsbeiträge (17,62%) einbehalten und an die Österreichische Gesundheits­kasse (ÖGK) abführen. Freie DienstnehmerInnen müssen sich daher nicht selber um ihre Sozialversicherungspflicht kümmern. Ge­ring­füg­ig beschäftigte freie DienstnehmerInnen sind nur un­fall­ver­sich­ert, können sich aber auch freiwillig selbst versichern. Beim Werk­­vertrag (egal ob mit oder ohne Gewerbeschein) müssen sich Studier­en­de immer selber um die Versicherungspflicht kümmern. An­sprech­partn­er ist bei Werkverträgen die Sozial­ver­sich­er­ungs­an­stalt der Selbständigen (SVS). Interessensvertretung für Selbständige mit Gewerbeberechtigung ist die Wirtschaftskammer, für sogenannte „Neue Selbständige“ ohne Gewerbeberechtigung gibt es unter anderem eine Beratungsmöglichkeit beim ÖGB unter dem Namen „Flexpower“.

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