29 % der Schüler erhalten Nachhilfe, Kosten stagnieren auf hohem Niveau
Nachhilfekosten stagnieren auf hohem Niveau
29 % der Tiroler Schüler:innen erhielten Nachhilfe! Hauptgründe sind zunehmender Notendruck und Aufnahmekriterien für andere Schulformen
Die aktuellen Ergebnisse des Nachhilfe-Monitorings 2026 für Tirol zeigen einen weiterhin hohen Bedarf bei Tiroler Schüler:innen. Nachhilfe ist für viele Familien zur Normalität geworden und ersetzt in vielen Fällen die individuelle Förderung, die Kinder in der Schule brauchen würden.
29 % aller Tiroler Schüler:innen (+ 4 % im Vergleich zum Vorjahr) haben im laufenden Schuljahr oder in den letzten Sommerferien eine Form von Nachhilfe (bezahlt/unbezahlt /Schulische Gratisnachhilfe) in Anspruch genommen.
Bezahlte Nachhilfe oder Lernhilfe wurde von 16 % (+ 2 %) der Schüler:innen genutzt, 10 % griffen auf private Nachhilfe zurück und 8 % konnten kostenlose schulische Lernhilfeangebote nutzen.
2 Prozent, also ca. 1.000 Tiroler Schüler:innen, hatten keine Nachhilfe, äußern aber den Bedarf an einer bezahlten Nachhilfe.
Berücksichtigt man also auch jene, die Nachhilfe benötigt hätten, aber keine erhalten haben, liegt der Gesamtbedarf bei 31 % aller Schüler:innen – das entspricht rund 27.000 Kindern und Jugendlichen in Tirol. Auch hier sieht man eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr: 2025 betrug die Hochrechnung des Gesamtbedarfs noch 29 %, was 24.000 Kindern entsprach.
Eltern zahlten im Schnitt 670 Euro
Für Nachhilfe sind in Tirol während dieses Schuljahres und in den letzten Sommerferien bei betroffenen Schüler:innen im Schnitt rund 670 Euro angefallen (2025: 660 Euro, österreichweit: 720 Euro)
Insgesamt haben Tiroler Eltern ca. 9,3 Millionen Euro für Nachhilfe ausgegeben (2025: 7,7 Mio Euro, 2026 bundesweit 143,8 Mio Euro).
Die etwas gestiegenen Gesamtkosten sind bei nur unwesentlich höheren Durchschnittskosten (10 Euro Differenz zum Vorjahr) aus dem etwas höheren Anteil an bezahlter Nachhilfe (von 14 % auf 16 %) erklärbar.
Punktuell statt regelmäßig
Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass Nachhilfe mittlerweile seltener als Dauerbegleitung, sondern häufiger anlassbezogen, in kritischen Situationen genommen wird.
Mehr als die Hälfte der Tiroler Schülerinnen und Schüler (51 %) nimmt Nachhilfe vor allem vor Schularbeiten und Tests und „nur“ 36 % regelmäßig während des Schuljahres.
Wie auch in den Vorjahren ist Mathematik immer noch der Spitzenreiter unter den Nachhilfe-Fächern (63 %, -2 %). Knapp drei von zehn Schüler:innen, und damit deutlich weniger als letztes Jahr, hatten eine Nachhilfe in Deutsch nötig (29 %, - 15%). Externe Lernunterstützung in einer der Fremdsprachen bekam ein Fünftel der Tiroler Schüler:innen (20 %, +1 %).
Im Vergleich der Nachhilfefächer fällt auf, dass die Nachhilfe für Fremdsprachen am teuersten eingestuft wird (im Schnitt mit ca. 960 Euro), wohingegen diese bei Mathematik-Nachhilfe (ca. 670 Euro) und Deutsch-Nachhilfe geringer ausfällt (ca. 600 Euro).
Der Trend: individuelle Förderung und schulische Unterstützung
Bei 52 % aller befragten Tiroler Schüler:innen geht es bei der Inanspruchnahme der Nachhilfe vor allem darum, entweder eine Note im Zeugnis zu verbessern oder die Aufnahmevoraussetzungen für eine andere/höhere Schulform zu erfüllen (12 %).
Bei drei von zehn (28 %) Schüler:innen wird externe Nachhilfe genommen, um eine Nachprüfung oder eine negative Note im Zeugnis zu vermeiden. Bedenklich ist, dass Eltern von jedem sechsten Kind (16 %) angeben, sie organisieren Nachhilfe für ihre Kinder, weil sie den Stoff im Unterricht schlicht und einfach nicht verstanden haben (16 %).
19 % der Volksschul-Kinder erhalten Nachhilfe
Nach wie vor ausgeprägt ist auch der konstant hohe Anteil an Kindern, die bereits externe Nachhilfe in der Volksschule erhalten (19 %, -2% im Vergleich zum Jahr 2025).
Laut Studienergebnissen nehmen 11 % der Schüler:innen in der 3. Schulstufe sowie 16 % der Schüler:innen in der 4. Schulstufe Nachhilfe in Anspruch, um die Aufnahme in ein Tiroler Gymnasium zu schaffen.
Nachhilfe scheint also das zu bieten, was im Klassenzimmer leider oft fehlt oder zu kurz kommt: individuelle Zuwendung, das Lernen in Kleingruppen, Lernen im eigenen Tempo und ein gezieltes Eingehen auf den Förder- und Lernbedarf der einzelnen Kinder.
Und Nachhilfe scheint auch bemerkenswert gut zu funktionieren: Laut Angaben der befragten Tiroler Eltern führte in rund sieben von zehn Fällen (73 %) der Nachhilfeunterricht schon zum gewünschten Schulerfolg.
Für 71 % sind Eltern weiterhin wichtige Stütze
Etwas mehr als ein Drittel (36 %) der Tiroler Schüler:innen nutzt die Möglichkeit des kostenlosen Förderunterrichts an der Schule, wobei dies bei Mittelschüler:innen mit 55 % besonders häufig der Fall ist. 16 % aller Schüler:innen gaben jedoch an, dass es de facto keinen Förderunterricht an der Schule gibt.
Nicht verwunderlich ist somit, dass fast drei Viertel der Kinder (71 %) zumindest hin und wieder zu Hause von den Eltern beim Lernen, Hausaufgaben machen und Üben unterstützt werden müssen, einem Fünftel der Kinder (20 %) helfen die Eltern praktisch täglich. Eltern von 40 % der Schüler:innen fühlen sich fachlich mehr oder weniger überfordert und 79 % der Eltern geben an, zeitlich dadurch spürbar belastet zu sein.
„Offenkundig entscheidet also nicht das Können der Kinder über ihren Weg, sondern die Zeit, das Wissen und die finanziellen Mittel der Eltern“, kritisiert AK Präsident Erwin Zangerl.
AK Forderungen
Die Arbeiterkammer begrüßt alle bildungspolitischen Schritte, die in den letzten Jahren gesetzt wurden, wie zum Beispiel den Ausbau der Ganztagesschulen, die Aufstockung der Flexibilisierung der Deutschförderung und die Einführung des Chancenbonus für die am stärksten geforderten Schulstandorte.
AK Präsident Zangerl: „Kinder sollen Lernstoff in der Schule verstehen, üben und festigen können – unabhängig davon, ob ihre Eltern private Nachhilfe finanzieren können.“ Es braucht daher nach wie vor
- eine Personaloffensive, damit mit ausreichend Lehrenden ein zeitgemäßes Unterrichten möglich ist,
- Schulen, in denen mehr Zeit zum Üben bleibt und Eltern damit vom Lernen zuhause und von teurer Nachhilfe entlastet werden,
- ein Entlastungspaket für armutsgefährdete Familien und Alleinerziehende sowie spezifische Unterstützungsangebote wie Ferien- und Lerncamps. Auch eine Anhebung und Ausweitung der Schüler:innenbeihilfe ist unerlässlich.
AK Initiative: Sommerschule Plus und kostenlose AK Lernbegleitung
Die AK Tirol geht hier schon seit Jahren mit gutem Beispiel voran und ermöglicht ganzjährig kostenlose Lernangebote für die Arbeitnehmerfamilien. Dazu werden von der AK Tirol auch heuer ingesamt 700.000 Euro investiert.
Die kostenlose AK Lernbegleitung wird das ganze Schuljahr über begleitend zum Unterricht am BFI Tirol angeboten, und in den Sommerferien können Lernangebote im Rahmen der Sommerschule Plus von AK und Land Tirol kostenlos genutzt werden. Das Land Tirol unterstützt die Workshops im Rahmen der Sommerschule Plus heuer mit 500.000 Euro.
zur Erhebung
Die bundesweit durchgeführte, repräsentative Studie wurde von dem Meinungsforschungsinstitut IFES durchgeführt und liefert einen umfassenden Überblick über die Situation im Schuljahr 2025/26.
Erhebungszeitraum: Mitte März bis Mitte Mai 2026
Grundgesamtheit: Haushalte mit Schulkindern (ausgenommen Berufsschulen, Akademien, Schulen im Gesundheitswesen)
Telefonische und online Interviews (CATI und CAWI)
Stichprobe Tirol: 599 Schüler:innen in 402 Haushalten
Stichprobe bundesweit: 4.691 Schulkinder in 3.208 Haushalten
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