Die Hände eines Mannes halten einen Ball in Form der Erde in großen grünen Blättern schützend fest.
In Österreich erreichen wir 2024 bereits am 7. April den Punkt, an dem wir mehr Ressourcen verbrauchen, als nachwachsen können. © Canva
05.04.2024

Welterschöpfungstag - wir leben auf Pump

Der Weltüberlastungstag ist ein symbolischer Tag im Jahr, der sowohl für die Erde global als auch für die einzelnen Staaten berechnet wird. Konkret wird damit jener Tag festgehalten, an welchem die Menschen der Erde bzw. des einzelnen Staates mehr natürliche Ressourcen verbraucht haben, als innerhalb eines Jahres nachwachsen würden. So entziehen wir den Weltmeeren etwa mehr Fisch, als natürlich nachkommt. Selbiges gilt für andere Rohstoffe oder auch Kohlendioxid (CO2) – wo wir mehr ausstoßen, als auf natürliche Weise eingespeichert werden kann.

Wie berechnet sich der Weltüberlastungstag?

Basis für die Berechnung des Weltüberlastungstags ist die Biokapazität der Erde, das ist jene Fähigkeit des Planeten, die vom Menschen verbrauchten Ressourcen zu erneuern bzw. ausgestoßene Schadstoffe, wie etwa Treibhausgase (Kohlendioxid, Methan, etc.) abzubauen. Die Biokapazität wird als „globaler“ Hektar angegeben. Aktuell stünden jedem bzw. jeder Erdenbürger:in etwa 1,5 bis 1,7 globale Hektar zu. Dem gegenüber steht der ökologische Fußabdruck, also der konkrete Ressourcenverbrauch der Menschen. Da die einzelnen Ressourcenverbräuche schwer zu vergleichen sind, werden auch diese in Flächen umgerechnet. So wird zum Beispiel beim Thema Fleischkonsum der Bedarf in für die Produktion benötigte Ackerfläche umgerechnet oder jene Fläche errechnet, die benötigt werden würde, um die ausgestoßene Menge an Kohlendioxid aufzunehmen. Die errechneten Flächen werden addiert und das Ergebnis ist der Verbrauch an globalen Hektaren. Mit den gewonnenen Daten kann man die Anzahl an benötigten Erden für den persönlichen Ressourcenverbrauch oder den Weltüberlastungstag berechnen. Österreich verbraucht im Schnitt 6,1 globale Hektar im Bereich des ökologischen Fußabdrucks. Nimmt man die Biokapazität mit 1,6 an, so ist die Rechnung wie folgt:

Erdenverbrauch:                             6,1 / 1,6 = 3,8 Erden

Ein Großteil des ökologischen Fußabdrucks ist dabei auf den Kohlendioxidausstoß zurückzuführen. Laut Berechnungen entfallen knapp 60 % des gesamten Fußabdrucks auf diesen Faktor.

Das deutsche Umweltbundesamt verweist zwar auf gewisse methodische Mängel in der Berechnung, erachtet aber den Welterschöpfungstag als wichtiges Hilfsmittel um ein Gesamtbild in Bezug auf einen nachhaltigen Lebensstil zu erhalten.

Eine Tabelle, die den Welterschöpfungstag global von 1971 - 2022 zeigt.
Alle Weltenbürger:innen würden gemeinsam knapp zwei Erden benötigen, um den Ressourcenverbrauch zu decken. © data.footprintnetwork.org

Der Welterschöpfungstag kommt immer früher

Berechnet man den Welterschöpfungstag für Österreich, so fand dieser 2023 bereits am 6. April statt, 2024 ist es der 7. April. 2019 beispielsweise lag der Tag noch am 09. April. Würden alle so leben wie Frau und Herr Österreicher:in bräuchten wir somit knapp 4 Erden um den Bedarf an Ressourcen decken zu können. Ganz nach dem Motto „schlimmer geht immer“ begeht das Emirat Katar seinen Welterschöpfungstag bereits am 10. Februar.

Eine Grafik zeigt die Länder, die ihre Ressourcen bereits vor Ablauf des Jahres verbrauchen.
Das Emirat Katar erreichte seinen Welterschöpfungstag 2023 bereits am 10. Februar. © data.footprintnetwork.org


Was sind die Folgen des hohen ressourcenverbrauchs?

Bildlich gesprochen häuft die Weltbevölkerung „Schulden“ an, die auf Kosten künftiger Generationen und auf Kosten der Umwelt gehen. Die Bevölkerung weist somit ein Minus am „Girokonto“ der Erde auf. Unser Planet ist aber ein – zumindest aktuell noch – geduldiger Kreditgeber, aber irgendwann wird die Geduld zu Ende sein. Der konkrete Zeitpunkt ist kaum vorhersagbar, sicher ist nur, dass ein Leben auf dem Planeten dann schwierig oder gar unmöglich sein wird.

Der Weltüberlastungstag zeigt neben den ökologischen Folgen für die Erde auch sehr deutlich die weltweite Ungleichheit auf. So sind es vor allem die armen Länder, die keinen Welterschöpfungstag aufweisen, wohingegen fast alle reichen Länder des globalen Nordens mehr als eine Erde benötigen würden, um ihren Ressourcenhunger stillen zu können.

Nicht außer Acht gelassen werden darf zudem, dass sich die Biokapazität der Erde von Jahr zu Jahr ändert. Je mehr Ressourcen der Erde entzogen werden und je mehr produktive Fläche verloren geht, desto geringer ist auch die Biokapazität und in der Folge steigt der Bedarf an „Erden“. Insbesondere die Klima- und Biodiversitätskrise haben einen stark negativen Einfluss auf die Biokapazität und verschärfen somit die Problematik.

Was kann man selbst tun?

Einen der wichtigsten Hebel in Bezug auf diese Entwicklungen ist der Konsum. Je weniger konsumiert wird, desto geringer ist der Ressourcenbedarf. Dabei geht es aber nicht nur um ein „etwas weniger“, sondern auch um ein allgemeines Umdenken. Insbesondere die persönliche Mobilität und der individuelle Fleischkonsum sind Ansätze, die sehr schnell eine Reduktion des ökologischen Fußabdrucks bewirken. So muss darauf nicht gänzlich verzichtet werden, aber wer vermehrt auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigt, mit dem Rad fährt, zu Fuß geht oder bewusst weniger Fleisch konsumiert und beim Fleischkauf auf Bio und regionale Produktion achtet, kann einen wichtigen Beitrag leisten.

Was meint die Arbeiterkammer dazu?

Neben der persönlichen Ebene bedarf es aber vor allem Regeln für Unternehmen und Staaten, um den Ressourcenverbrauch einzudämmen. So forderte die AK Tirol beispielsweise erst kürzlich die EU auf, bei ihrer angedachten Verordnung zum Umgang mit kritischen Ressourcen in Bezug auf den grünen und digitalen Wandel auch das Thema Ressourcenreduktion aktiv anzugehen:

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