Wald
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14.4.2022

Serie Teil 8: Wärme aus Holz - nah und fern als Alternative

Wärmeerzeugung aus Holz zählt zu den zukunftsorientierten Heizalternativen. Holz verbrennt CO2-neutral: Es setzt nur so viel Kohlenstoff frei, wie der Baum aufgenommen hat. Aber als langsam nachwachsender Rohstoff ist es nicht unbegrenzt verfügbar.

Serie der Tiroler Arbeiterzeitung: Die andere Seite der Energiewende, Teil 8

Fast jede vierte Wohnung wird mittlerweile österreich-weit mit Nah- oder Fernwärme versorgt; in mehrgeschossigen Häusern mit mehr als 20 Wohnungen trifft dies sogar auf jede zweite Wohnung zu. Auch das Interesse an Pelletheizungen ist groß. Und weil hier die Verbrennung von Holz die Wärme-energie liefert und nicht Strom (wie bei Wärmepumpen), sind beide Heizsysteme auch für Zentralheizungen mit Heizkörpern gut geeignet, die eine hohe Vorlauftemperatur benötigen.

Nah- und Fernwärme

Unter Fernwärme versteht man die zentrale Versorgung von Gebäuden mit Warmwasser und Heizwärme über Liegenschaftsgrenzen hinweg. Von Nahwärme spricht man, wenn die Wärmeversorgung in einem räumlich kleinen Gebiet erfolgt. In beiden Varianten wird heißes Wasser über Rohrleitungsnetze von Versorgern mittels Pump- und Wärmeübergabestationen an die einzelnen Verbraucher geliefert. Das erhitzte Wasser gibt über Wärmetauscher die Wärme an die angeschlossenen Haushalte zum Heizen sowie zur Erwärmung von Brauchwasser ab. Das abgekühlte Wasser fließt wieder zum Heizwerk zurück, wo es erneut aufgeheizt wird. In Tirol erfolgt die zentrale Erwärmung des Wassers primär in Biomasse-Heizwerken. Zum Teil wird aber auch industrielle Abwärme in das Fernwärmenetz eingespeist und Verbrauchsspitzen werden durch Gasverbrennung abgefedert. (Auch Heizwerke mit rein fossilen Energieträgern sowie Müllverbrennungsanlagen können Fernwärmenetze betreiben, das ist in Tirol nicht der Fall.

Vorteile sind u. a. eine bessere CO2-Bilanz (außer bei fossilen Heizwerken) sowie der Raumgewinn, weil die Technik im Vergleich zu Öltanks oder Pelletlager nicht viel Platz benötigt. Rauchfangkehrerkos-ten entfallen und die Wartung ist deutlich einfacher und erfolgt direkt durch den Anbieter.

Nachteile sind z. B. Wärmeverluste aufgrund langer Transportwege und die nicht flächendeckende Verfügbarkeit.
Außerdem werden Verträge teils sehr intransparent und mit einer langen Laufzeit gestaltet, was einen Wechsel des Heizsystems erschwert. Zudem haben die Versorger in der Region meist Monopolstatus und bestimmen so die Preise. Die Anschlusskosten an ein Fernwärmenetz variieren je nach Anbieter teils erheblich. Manche übernehmen die Grabungsarbeiten bis zur Hausmauer oder bis ins Haus zur Übergabestation, andere wiederum verrechnen diese Kosten.

Und was ist mit Pellets?

Eine andere umweltschonende Alternative auf Holzverbrennungsbasis ist die Pelletheizung. Dabei werden moderne Heizungsanlagen mit Holzpresslingen (einem Abfallprodukt der Holzindustrie) betrieben. Eine Pelletheizung besteht aus Lagerraum, Fördertechnik, Kessel und meist einem Pufferspeicher. Über eine Förderstrecke gelangen die Holzstücke vom Lager zum Kessel, wo sie entzündet werden.
Bei hohem Wirkungsgrad und CO2-Neutralität sprechen gegen eine Pelletheizung jedoch der hohe Platzbedarf, die Abgabe von Feinstaub bei der Verbrennung und dass die Preisentwicklung bei Pellets schwer abschätzbar ist. Die Anschaffungskosten fallen in der Regel deutlich höher aus als etwa bei Ölheizungen.
Je nach Pelletheizung wird mit Anschaffungskosten von durchschnittlich rund 26.000 Euro (ohne Förderung) zu rechnen sein.

FÖRDERUNGEN

Obwohl im Idealfall bei der Anschaffung einer Pelletheizung (durchschnittlicher Preis 26.000 €) knapp 54 % aus Förderungen zu lukrieren wären, sind noch ca. 12.000 € an anfallenden Kosten selbst zu tragen.
Der Bund fördert Pelletheizungen nur, wenn ein Anschluss an ein nachhaltiges Fernwärmenetz nicht möglich ist. Gäbe es dieses und man entscheidet sich dennoch dagegen, muss man auf bis zu 7.500 € an Bundesförderungen verzichten. Die Landesförderungen betragen im Rahmen der Wohnhaussanierung 25 % der förderbaren Kosten

Für den Fernwärme-Anschluss gibt es vom Land 30 % der förderfähigen Investitionen und die „Raus aus Öl und Gas“-Bundesförderung (max. 7.500 €), die sich um 2.000 € in Erdgas-versorgten Ortskernen erhöhen kann. Letztere ist mit max. 50 % der Kosten begrenzt. Im Idealfall können bei Anschlusskos­ten bis 19.000 € (im Ortskern) bis zu 80 % Förderungen erreicht werden.

Fragen Sie auch nach Förderungen Ihrer Gemeinde.

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