27.3.2015

AK, ÖGB, KAB Tirol und Diözese Innsbruck: Wird nicht für Wohnungen gesorgt, ist dies ein Verstoß gegen die Menschenrechte

Weil sich viele Tiroler das Wohnen trotz Arbeit und/oder Beihilfen kaum noch leisten können und keine Verbesserungen in Sicht sind, stellen AK Tirol, ÖGB Tirol, KAB Tirol und Diözese Innsbruck den Josefstag am 19. März 2015 unter das Thema Wohnen als Grundrecht. In ihrer gemeinsamen Resolution nehmen sie die politisch Verantwortlichen in die Pflicht. Gleichzeitig präsentiert die AK Tirol eine neue Studie, die aufzeigt, dass die Mieten im geförderten Wohnbau um 15 %, also zwei Monatsmieten sinken könnten, wenn auf Bau-Kostentreiber verzichtet wird!

Der Josefstag am 19. März ist für Tirols Arbeitnehmerfamilien ein besonderer Tag: Denn an diesem Tag wird der Heilige Josef als Schutzpatron der Arbeiter und als Tiroler Landespatron gefeiert. Die AK Tirol nimmt diesen Tag in einer breiten Allianz mit ÖGB Tirol, KAB Tirol und Diözese Innsbruck traditionell zum Anlass, um ihn unter ein brennendes Thema zu stellen und mit einer gemeinsamen Resolution Verbesserungen bei den politisch Verantwortlichen einzufordern.

Welche riesige Belastung das teure Wohnen für viele Tiroler Arbeitnehmerfamilien darstellt, zeigten und zeigen unter anderem auch die Ansuchen an den AK Unterstützungsfonds, mit denen Betroffene um finanzielle Hilfe baten. Deshalb haben AK Tirol, ÖGB Tirol, KAB Tirol und Diözese Innsbruck den heurigen Josefstag unter das Thema „Wohnen, ein Grundrecht – immer noch zu wenig beachtet“ gestellt und dazu gemeinsam eine Resolution verfasst.

Die wichtigsten Eckpunkte der Resolution zum Josefstag

  • Wohnen ist ein fundamentales Menschenrecht.
  • Wird die Versorgung der Menschen mit Wohnungen vernachlässigt, das Wohnen immer weniger „leistbar“ und unsicherer, dann ist das ein Verstoß gegen die Menschenrechte.
  • Es ist undelegierbare Aufgabe der politischen Entscheidungsträger aller Gebiets-körperschaften, sinnvolle Rahmenbedingungen für „Leistbares Wohnen“ zu schaffen.
  • Die Ausgaben für das Wohnen (Miete) inkl. Betriebskosten sollten ein Drittel des Einkommens nicht überschreiten.
  • Beim Wohnen in Eigenheimen wird auf die immer größer werdende Belastung zukünftiger Generationen hingewiesen.

AK Studie "Leistbares Wohnen in Tirol"

Die politisch Verantwortlichen werden nicht nur aufgefordert, Maßnahmen zu setzen, die den Wohnraum endlich leistbar machen. Die AK Tirol präsentiert aus Anlass des Josefstags auch gleich noch die neue Studie „Leistbares Wohnen in Tirol - Möglichkeiten einer Kostensenkung im Wohnbau unter besonderer Berücksichtigung der gemeinnützigen Wohnbauträger in Tirol“, in der aufgezeigt wird, wie dies einfach und schnell realisiert werden kann. Studienautor Luis Leiter, der langjährige technische Geschäftsführer der Neuen Heimat Tirol, belegt darin, dass die Mieten im gemeinnützigen Wohnbau um rund 15 %, also um knapp zwei Monatsmieten pro Jahr gesenkt werden können, sobald Baukosten-Treiber eingespart werden.

Laut Studie liegt Tirol bei den Baukosten im Bundesländervergleich an 4. Stelle, noch teurer wird nur in Niederösterreich, Vorarlberg und Salzburg gebaut. Mit durchschnittlich 50 % haben aber die Baukosten im geförderten Wohnbau den größten Anteil an der Miete. Die Grundkosten schlagen sich mit ca. 10 % nieder, die restlichen 40 % verursachen die Bewirtschaftungskosten inklusive der gesamten Mehrwertsteuer.

Kostentreiber am Bau

Einsparungspotenzial findet sich also ganz klar bei den Baukosten. Laut Studie könnte um 10 bis 15 % günstiger gebaut werden – ohne spürbare Qualitätseinbußen, wenn alle Beteiligten die Kostentreiber auf das Notwendige reduzieren. Zu diesen zählen

  • Vorgaben durch die Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik,
  • Tiroler Bauordnung,
  • technische Bauvorschriften,
  • mehr als 20.000 Normen,
  • Wohnbauförderung,
  • Raumordnung,
  • Architektur und nicht zuletzt auch
  • Gemeinden, etwa mit kaum nachvollziehbaren Stellplatzvorschreibungen.

Wie gewaltig sich letztere auf die Miete auswirken, demonstriert eine Kalkulation für ein aktuelles Bauvorhaben: So bewirkt eine Stellplatzvorschreibung im Verhältnis 1:1,75 statt 1:1 (Wohnung:Stellplatz) bereits eine um 10 % höhere Monatsmiete.
Auch die Eurocodes für die Statik seien erwähnt: So verteuert allein der dort „vorgeschriebene“ höhere Stahlverbrauch die Baukosten um 2 %.

Hinzu kommen noch die Änderungen im Tiroler Wohnbauförderungsgesetz: Bei der Beschlussfassung 1991 im Tiroler Landtag wurde mit 65 % Direktkrediten gefördert, heute nur noch mit weniger als 40 %. Stattdessen wurde der zeitlich befristete Annuitäten-Zuschuss eingeführt, der 2013 leider noch heruntergefahren wurde, was die Mieten in Zukunft wieder sprunghaft ansteigen lässt. Andererseits geriet das Modell „Besonderer Mietwohnbau“ vollkommen in Vergessenheit.

Fazit: Was es für leistbare Wohnungen braucht

  • Eine wirkliche Bauoffensive, nicht nur 20 Millionen Euro mehr,
  • eine moderate Stützung der Betriebs-/ Heizkosten zumindest bei niedrigen Einkommen,
  • Grundstücks-Initiativen
  • und eine Reduzierung der Kostentreiber auf das Mindestausmaß.

Neben einem leistbaren geförderten Wohnbau braucht es in Tirol auch weiterhin den Eigentumswohnbau in den unterschiedlichen Varianten. Auch dabei ist es – mit Ausnahme des Luxussegments – sinnvoll, auf Sparpotential zu achten.

Anhang
Zusammenfassung der Studie „Leistbares Wohnen in Tirol - Möglichkeiten einer Kostensenkung im Wohnbau unter besonderer Berücksichtigung der gemeinnützigen Wohnbauträger in Tirol“ von Luis Leiter im Auftrag der AK Tirol mit Analysen, Forderungen und Vorschlägen für Maßnahmen

Resolution von AK Tirol, ÖGB Tirol, KAB Tirol und Diözese Innsbruck zum Josefstag 2015