Mann sitzt am Boden © lassedesignen/stock.adobe.com
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12.11.2019

Preise steigen stärker als Einkommen: Spekulanten lassen Mieten explodieren

Bis zu 45 % des Nettoeinkommens müssen für das Wohnen aufgebracht werden. Vor allem Junge und Familien können sich das kaum noch leisten. Die AK fordert von der Politik ehrliche Verbesserungsmaßnahmen. AK Präsident Erwin Zangerl: „Wohnen war in Vorwahlzeiten das Thema Nummer eins: Die Politik überschlägt sich mit Vorschlägen zur Verbesserung  der Lage. Wenn es aber um die konkreten Umsetzungsschritte geht, dann schieben sich Bund, Länder, Städte und Gemeinden je nach Interessenslage und nach parteipolitischer Farbe die Schuld zu. Und es geschieht wieder zu wenig“.

Inflationsindex bestätigt Preisexplosion

Wie besorgniserregend die Situation geworden ist, zeigt sich am monatlichen Inflationsindex. Zum Preistreiber Nummer eins haben sich die Miet- und Wohnungspreise entwickelt, die geradezu explodieren. Dramatisch an dieser Entwicklung ist, dass Tirols Wohnpreise viel stärker steigen als die Familien-Einkommen. Ein Blick auf den Großraum Innsbruck und Innsbruck-Land zeigt diese gefährliche Dynamik. Es wird zwar an allen Ecken und Enden neu gebaut, saniert und erweitert. Gewaltige Wohnlandschaften werden in Rekordtempo errichtet, doch unter diesen zahlreichen Neubauten wird ein Großteil privat errichtet und auch privat verwertet. Hier diktiert die Nachfrage den Preis und nicht die Bedürftigkeit. So verwundert es kaum, dass Wohnraum zum beliebten Spekulationsobjekt in- und ausländischer Investoren geworden ist. Die Renditen sind enorm, die Politik gebietet diesem Treiben kaum Einhalt.

Flucht ins Betongeld

Diese Flucht ins Betongeld hat in vielen Ländern bereits zu dramatischen Situationen geführt. In Regionen, in denen der soziale Wohnbau unterdurchschnittlich entwickelt ist, sind die Wohnungspreise noch stärker explodiert. So beträgt die private Durchschnittsmiete in London bereits 1.800 Euro! Da ist Wien mit 640 Euro Durchschnittsmiete noch geradezu günstig. „Das Leben in Tirol ist teuer, die Einkommen niedrig. Umso wichtiger, dass das Grundrecht Wohnen billiger wird. Und wir wären auf dem richtigen Weg dazu“, ist AK Präsident Erwin Zangerl überzeugt. „Das Land hätte die richtigen Weichen gestellt. Die Parteien und vor allem Teile der Wirtschaft und der Bauern müssen sich aber jetzt auch dazu bekennen. Viele Vorschläge der AK und der Sozialpartner hat das Land in diesem Paket übernommen: u.a. Zweckbindung der Wohnbauförderung, Forcierung des sozialen Wohnbaus, Einführung von Vorbehaltsflächen, Zweitwohnsitzabgabe, Befristung von Baulandneuwidmungen auf zehn Jahre...

Zangerl: „Wir brauchen in Tirol mehr soziale Wohn- und weniger Spekulanten-Bauten, sonst galoppieren die Preise weiter davon. Vom Bund verlangen wir dringend ein neues Mietrecht mit wirksamen Mietzinsobergrenzen und klar definierten und begrenzten Zu- und Abschlägen. Die Befristungen stellen ein weiteres Problem dar, weil sie die Mieten sprunghaft verteuern. Sie gehören abgeschafft, außer bei Eigenbedarf. Bei den Maklergebühren sollte derjenige die Provision bezahlen, der die Leistung bestellt hat. Das dafür nötige Gesetz wird seit Jahren verschleppt. Einige Besitzstandswahrer behindern eine längst überfällige Reform. Zu guter Letzt braucht es im Großraum Innsbruck den von uns geforderten Studenten-Campus.“

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