Pfleger im Krankenhaus © Valerii/stock.adobe.com
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14.9.2021

Pflege.Handeln.Jetzt! - AK Analyse zeigt, was rasch geändert werden muss!

Mit ihrer Analyse der Pflegesituation legt die AK Tirol einen Katalog an Handlungsempfehlungen vor, die eine Pflegekrise verhindern sollen. Befragt wurden dazu auch jene, die das System aufrecht erhalten: die Beschäftigten.

Wer könnte besser Bescheid wissen, wo es bei den Pflege- und Betreuungsberufen krankt, als die Betroffenen selbst? Die Idee hinter der AK Analyse zum Thema „Pflege und Betreuung 20.30“ ist simpel, aber effektiv und aussagekräftig: Zahlreiche Gespräche mit Beschäftigten der Gesundheitsbranche bilden ein tragfähiges Gerüst und zeigen, was bei Pflege und Betreuung funktioniert und wo es dringende Verbesserungen geben muss.

Das Positive gleich vorweg: Es gibt für alle Befragten gute Gründe, um in der Pflege zu arbeiten. Der Beruf wird als vielseitig, sinnstiftend und zukunftssicher gesehen, auch die Arbeit mit Menschen wird geschätzt. Nichtsdestotrotz ist es anstrengend für Körper und Psyche, die Arbeitsbedingungen sind entscheidend. Denn wenn diese nicht entsprechen, kommt es zu hoher Fluktuation, Abwanderung in andere Berufe und zu Problemen bei der Rekrutierung von Personal.

Dass die Belastung enorm ist, zeigt sich auch darin, dass jeder Zweite (!) es für unwahrscheinlich hält, den Beruf aus gesundheitlichen Gründen mit 60 bzw. 65 noch auszuüben. Jeder Zweite hat sich deshalb schon mit dem Gedanken beschäftigt, dem Pflegesektor den Rücken zu kehren bzw. denkt aktuell daran, auch verstärkt durch die Auswirkungen der Covid-Pandemie.

Unterschiede

Da der professionelle Pflegebereich nicht homogen ist (Pflege im Krankenhaus, im Heim oder mobil), lässt sich die Situation nicht über einen Kamm scheren. Auch wenn eine Gesamtlösung so nicht möglich ist, ist das Grundproblem dasselbe: Bis 2030 wird sich österreichweit ein Bedarf von mindestens 76.000 zusätzlichen Pflege- und Betreuungspersonen ergeben, für Tirol rechnet man mit 7.000 zusätzlichen Fachkräften. Höchste Zeit also, um eine Basis zu schaffen, von der ausgehend dem Pflegeengpass entgegengewirkt werden kann. Denn das Personalproblem führt zu Überlastung und Frustration, egal in welchem Bereich, und wirkt sich auf die Patienten aus. Immer mehr Tätigkeiten für gleichviel bzw. sogar weniger Personal: „Das Problem ist zwar nicht neu, muss jetzt aber endlich gelöst werden“, stellt auch AK Präsident Erwin Zangerl klar. Vom Personalschlüssel über den Verdienst bis hin zur Ausbildungssituation reicht deshalb auch die Analyse der AK, die in zahlreiche konkrete Handlungsaufforderungen mündet, wie etwa zum Thema Zeit- und Personalschlüssel (mehr dazu s. u.).

OFFEN GESAGT

„Das Problem von zuwenig Personal im Pflegebereich ist nicht neu, muss aber jetzt endlich gelöst werden.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

„Wir dürfen an Pflegeberufen Interessierten nicht schon durch die Ausbildung den Weg schwer machen.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

zur kampagne

Mit der Initiative „Pflege.Handeln.Jetzt!“ macht die AK Tirol derzeit in Printmedien und sozialen Medien auf die drängenden Probleme beim Thema Pflege aufmerksam. Sie soll nicht nur Probleme aufzeigen, sondern die Entscheidungsträger zum Handeln auffordern. Gleichzeitig werden zahlreiche Expertinnen und Experten ihre Wünsche an die Politik öffentlich formulieren.
Die Analyse samt Handlungsempfehlungen zu „Pflege.Handeln.Jetzt!“ gibts unten als Download.

 

Ausbildung

Gerade dem Ausbildungsbereich wird in Zukunft große Bedeutung zukommen. „Mit einem Taschengeld als Verdienst während der Ausbildung wird das nicht mehr gehen. Alle Ausbildungen im Pflegebereich werden ordentlich entlohnt werden müssen“, sagt dazu AK Präsident Erwin Zangerl.

Bei der vielfach forcierten Pflegelehre brauche es klare Ausbildungsrichtlinien und eine entsprechende Lehrlingsentschädigung, wie etwa in den technischen Lehrberufen. In diesem Zuge müssen auch die Taschengelder bei der Ausbildung zur Pflegeassistenz oder Pflegefachassistenz fallen und gegen eine entsprechende Ausbildungsentlohnung ersetzt werden.

„Begrüßenswert wäre in diesem Fall die Bezahlung eines Gehaltes, wie dies etwa im Rahmen der Polizei-Ausbildung der Fall ist“, so AK Präsident Zangerl, der sich auch dafür ausspricht, Praktika endlich zu vergüten. Unabhängig davon, ob die Lehre gemacht wird oder die Ausbildung an einer Krankenpflegeschule erfolgt, muss die Durchgängigkeit im Ausbildungssystem gewährleistet sein, sodass man auch im Rahmen einer verkürzten Ausbildung den Bachelor zum gehobenen Dienst in der Gesundheits- und Krankenpflege absolvieren kann. Wie in anderen Lehrberufen fordert die AK auch bei der Pflegelehre konkrete Ausbildungspläne sowie Ausbildungsbetreuer, die den Auszubildenden zur Seite stehen.

„Es muss auch klar sein, dass Lehrlinge, Praktikanten oder andere Personen, die sich in Ausbildung befinden, nicht als Kompensation für fehlendes Personal herhalten dürfen“, so Zangerl.

Weiße Flecken

Zwar prämiert die AK Tirol über die „Zukunftsaktie Pflege“ den Abschluss einer Pflegeaussbildung, trotzdem stellten sich gerade bei Um- und Quereinsteigern die Frage, wie die Ausbildung zu finanzieren ist. Denn die Förderlandschaft weist diesbezüglich einige weiße Flecken auf. Im Falle der einjährigen Vollzeit-Ausbildung zur Pflegeassistenz eignet sich die Bildungskarenz, falls man diese mit dem aktuellen Dienstgeber vereinbaren kann. Für die zweijährige Ausbildung zur Pflegefachassistenz kann bei Erfüllung aller Voraussetzungen das AMS-Fachkräftestipendium ein Lösungsansatz sein, um die Lebenshaltungskosten während der Zeit der Ausbildung finanzieren zu können. Die Situation ist jedoch schwierig, gerade beim Diplom-Studium. Hier ist es für engagierte Personen über 35 durch den Wegfall des Fachkräftestipendiums nicht mehr möglich, den Beruf zu wechseln.„Die Fördermaßnahmen müssen in allen Bereichen angepasst werden, wir dürfen Interessierten nicht schon mit der Ausbildung den Weg verbauen. Ausbildungskosten bzw. Studiengebühren sollen überhaupt fallen“, so Zangerl.

Hier gibts die Analyse zum Durchblättern: https://flipbook.ak.at/view/335211225/

ak forderung: Personalschlüssel neu gestalten!


  • Die geltenden Mindest-Personalschlüssel sind nicht auf heutigem Stand und entsprechen nicht der geforderten Qualität. Aus diesem Grund bedarf es einer Berücksichtigung von Fehlzeiten, Weiterbildungen, Spezialisierungen und Praktikumsbegleitung im Dienstplan.
  • Dokumentationsaufgaben müssen verschlankt werden
  • Eine Festlegung des Personalschlüssels unter Berücksichtigung der entsprechenden Ausbildung sowie der Nachtdienste per Erlass oder Verordnung in Tirol wird gefordert.
  • Die Personalberechnung im Langzeitbereich muss nach tatsächlichem Pflegebedarf und nicht nach Pflegestufen erfolgen, die Pflegequalität muss erhalten bleiben; die Kategorisierung sagt zuwenig über den notwendigen und erbrachten Aufwand aus.
  • Eine bundesweit einheitliche Personalbedarfsberechnung für den Langzeitbereich ist dringend anzudenken, wobei Mitarbeiter anderer Gesundheitsberufe sowie die Pflegedienstleistung im Mindestpersonalschlüssel keine Berücksichtigung finden sollen.

Kontakt

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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

E-Mail: presse@ak-tirol.com

Telefon: +43 800 22 55 22 1300
(Kostenlose Hotline )

Fax: +43 512 5340 1290

OFFEN GESAGT

„Das Problem von zuwenig Personal im Pflegebereich ist nicht neu, muss aber jetzt endlich gelöst werden.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

„Wir dürfen an Pflegeberufen Interessierten nicht schon durch die Ausbildung den Weg schwer machen.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

zur kampagne

Mit der Initiative „Pflege.Handeln.Jetzt!“ macht die AK Tirol derzeit in Printmedien und sozialen Medien auf die drängenden Probleme beim Thema Pflege aufmerksam. Sie soll nicht nur Probleme aufzeigen, sondern die Entscheidungsträger zum Handeln auffordern. Gleichzeitig werden zahlreiche Expertinnen und Experten ihre Wünsche an die Politik öffentlich formulieren.
Die Analyse samt Handlungsempfehlungen zu „Pflege.Handeln.Jetzt!“ gibts unten als Download.