AK Präsident Erwin Zangerl
© AK Tirol/Friedle
18.9.2026

Zangerl zu steigenden Heizölpreisen: "Heizen darf nicht zum Luxus werden!"

Mit Beginn der kühleren Jahreszeit geraten viele Tiroler Haushalte bei den Heizkosten zunehmend unter Druck. Wie eine Nachfrage bei Heizölanbietern ergab, ist auch die Situation bei Heizöl dramatisch, viele könnten die Öltank-Rechnung nicht mehr bezahlen, so der Tenor. Was verständlich ist, da sich aktuelle Marktpreise bereits in Richtung zwei Euro pro Liter bewegen. Waren im Juni des Jahres noch 131 Euro pro 100 Liter zu begleichen, so sind es Mitte September bereits 190 Euro, Tendenz steigend. Für einen Haushalt, der seinen 3.000-Liter-Tank füllen muss, bedeutet das Kosten von ca. 5.700 Euro. Für viele Familien, Pensionist:innen und Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen ist das eine enorme finanzielle Belastung. Die Dimension zeigt sich im Jahresvergleich besonders deutlich: Heizöl in Tirol ist aktuell um 
19 % teurer als vor einem Monat, im Vergleich zum Vorjahr ist das Preisniveau laut fastenergy.at allerdings um 71 % gestiegen.

 „Wenn eine einzige Tankfüllung mehrere tausend Euro kostet, ist eine Grenze erreicht, wo viele, noch dazu angesichts der hohen Lebenshaltungskosten, nicht mehr mitkönnen. Wohnen und Heizen sind Grundbedürfnisse. Die Menschen können ihren Energieverbrauch nicht beliebig reduzieren und viele haben gar nicht die Mittel oder Möglichkeit, ihre Heizungsanlage zu tauschen“, betont AK Tirol Präsident Erwin Zangerl, zumal die hohen bzw. volatilen Preise etwa bei Gas oder Pellets keine Entlastung versprechen.

Heizkosten: AK Tirol fordert Maßnahmenpaket

Aus Sicht der AK Tirol braucht es jetzt rasch wirksame Maßnahmen, die sowohl unmittelbar entlasten als auch die Preisbildung transparenter machen:

Die AK Tirol hat bereits im Frühjahr gefordert, die CO2-Belastung auf fossile Energieträger grundlegend zu überdenken, vor allem angesichts der derzeitigen globalen Situation. „Die CO2-Steuer bringt im ganzen EU-Raum weit weniger, als angepriesen und ist Ausdruck einer kurzsichtigen Klimapolitik. Sie verteuert die Kosten für die Haushalte, stellt ein Problem für Menschen ohne realistische Alternative dar und belastet Unternehmen und Standort und damit wieder die arbeitende Bevölkerung. Sie schafft zusätzlich einen Preisdruck und ist seit der Abschaffung der zielgerichteten Unterstützung („Klimabonuns“) auch sozial ungerecht. Der europäische Klimaweg gehört grundsätzlich überdacht. Was wir aber auf jeden Fall sofort brauchen, ist eine Zweckwidmung der Einnahmen aus der CO2-Steuer, um damit energiearme Haushalte zu entlasten“, so Zangerl. In Österreich betragen die spezifischen Verbrauchsteuern und Abgaben auf einen Liter Heizöl extraleicht im Jahr 2026 insgesamt 9,8 Cent Mineralölsteuer sowie rund 14,9 Cent nationale CO2-Bepreisung (netto bei 55 Euro pro Tonne CO2). „Vor allem in den Bereich der CO2-Steuer muss jetzt Bewegung kommen, ansonsten können Betroffene nur mehr hoffen, dass ein äußerst milder Winter kommt. Und dies im 21. Jahrhundert hoffen zu müssen, ist schon Tragik genug“, kritisiert Zangerl. 

Auch die hohen Raffineriemargen und die enormen Gewinne der Raffinerien sieht Zangerl als Möglichkeit, dämpfend auf den Heizölpreis einzuwirken. So fordert die AK Tirol, Instrumente zur Begrenzung außergewöhnlicher Preisaufschläge auch auf Heizöl anzuwenden, sprich, die Übergewinne zur Senkung der Heizkosten zweckzuwidmen. Auch müssten sinkende internationale Beschaffungskosten rasch und nachvollziehbar bei den Konsument:innen ankommen. Außergewöhnliche Margen dürfen nicht dazu führen, dass Entlastungen am Weltmarkt auf dem Weg zu den Haushalten verloren gehen.

Solange die Preise auf außergewöhnlich hohem Niveau liegen, braucht es zusätzlich eine treffsichere Unterstützung für einkommensschwache Haushalte. Eine solche Hilfe sollte unbürokratisch ausgestaltet sein und jene erreichen, für die die Heizölrechnung existenzielle Schwierigkeiten bedeutet.

„Entlastungen müssen ankommen!“

„Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren eine Teuerungswelle nach der anderen bewältigen müssen. Lebensmittel, Wohnen und Energie verschlingen einen immer größeren Teil des verfügbaren Einkommens. Wer jetzt seinen Heizöltank füllen muss, kann diese Ausgabe nicht einfach aufschieben, zudem stehen viele vor dem Problem, dass die Teuerung ihre Einkommenserhöhungen der letzten Jahe einfach weggefressen hat“, stellt Zangerl klar. Denn eine von der AK Tirol in Auftrag gegebene Untersuchung zu den Teuerungsjahren 2022 bis 2025 zeigt, dass die Tiroler Arbeitnehmer:innen im Durchschnitt rund zwei Drittel ihrer Einkommenserhöhungen unmittelbar für gestiegene Preise aufwenden mussten.

Zangerl: „Es braucht deshalb eine Kombination aus kurzfristiger Entlastung und konsequenter Kontrolle des Marktes. Steuern und Abgaben müssen in Hochpreisphasen sozial zweckgebunden werden, Preisaufschläge müssen transparent sein und ungerechtfertigte Margen gehören abgestellt.“

offen gesagt

"Die Heizölpreise werden zur Belastungsprobe. Was wir auf jeden Fall sofort brauchen, ist eine Zweckwidmung der Einnahmen aus der CO2-Steuer, um damit energiearme Haushalte zu entlasten."

Erwin Zangerl,
AK Präsident

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