AK Präsident Erwin Zangerl
© AK Tirol/Berger
27.2.2025

AK Präsident Zangerl: "Die AK ist die größte Solidargemeinschaft Tirols!"

Nach den bisher turbulenten Regierungsverhandlungen zieht AK Präsident Erwin Zangerl im Interview mit der Tiroler Arbeiterzeitung (TAZ) Zwischenbilanz und spricht über die Folgen, die eine Aushöhlung von Sozialpartnerschaft und 
Kammersystem auf die Beschäftigten haben würde, und wie sie vom Schutz der Arbeiterkammer profitieren.


TAZ: Herr Präsident, eine schwarz-rot-pinke Regierung steht in den Startlöchern, während Regierungsverhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP gescheitert sind. Wie beurteilen Sie die letzten bundespolitischen Entwicklungen?
Zangerl: Es sind turbulente Zeiten, aber das ist das Wesen der Demokratie. Egal welche Regierung, wir werden auch diese nach ihren Inhalten und ihren Plänen beurteilen und welchen Stellenwert sie den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern beimisst. Allerdings muss man rückblickend sagen, dass eine blau-schwarze Koalition für die Beschäftigten in Österreich massive Nachteile gebracht hätte. Mir ist schon klar, dass vor allem Teile von Industrie und Wirtschaft über das Scheitern von Blau-Schwarz entsetzt sind, die Frage ist jedoch, warum? Wer würde denn von einer Beschneidung der Arbeiter- aber auch Wirtschaftskammern profitieren, wie sie angedacht war? Doch nicht die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sie wären die großen Leidtragenden. Es ist wichtig, dass die Menschen verstehen, wie eine Sozialpartnerschaft funktioniert und welche Konsequenzen eine Kürzung der Mittel hätte. Auch eine Austrittsmöglichkeit für Mitglieder der Wirtschaftskammer hätte gravierende Folgen. Das bewährte System der Kollektivverträge würde nämlich zusammenbrechen und dem Lohndumping wären Tür und Tor geöffnet. Wir hätten eine Wirtschaft, die ausschließlich dem Kapital verpflichtet wäre. Und wenn dann auch noch die AK als größte Interessenvertretung zurechtgestutzt würde, gäbe es keine Möglichkeit mehr, den Beschäftigten zu helfen. Und die haben jetzt schon enorme Unterstützung notwendig, wie allein die aktuellen Beratungszahlen der AK Tirol beweisen.  


OFFEN gesagt

„Die AK ist kein
profitgetriebener 
Konzern. Wir bauen uns auch keine Denkmäler oder goldene
Beratungstempel!“


Erwin Zangerl,
AK Präsident

Welche Pläne hätte es unter einer blau-schwarzen Regierung für die Zukunft der AK gegeben?
Zangerl: Das geht von der Kürzung der Solidarbeiträge über eine Abschaffung der Beiträge bis hin zu einer völligen Auflösung der Mitgliedschaft. Egal welches Szenario Sie wählen, jedes hätte immense Folgen für Österreich. Denn dadurch würden nicht nur die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschnitten bzw. vollends abgeschafft, auch der Wirtschaftsstandort wäre gefährdet sowie der soziale Friede und letzten Endes unser demokratisches System. Man braucht nur über die Grenzen Österreichs hinausblicken. Dann sieht man, welche Probleme die Beschäftigten dort haben, wo es weder das bewährte System der Sozialpartnerschaft gibt noch eine AK.

Das heißt auch eine Kürzung der AK Beiträge hätte fatale Folgen?
Zangerl: Um es klar zu sagen – es geht diesen Kreisen, die so etwas fordern, nicht um die Entlas-tung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, das zu behaupten, ist lächerlich. Wenn sie sich monatlich im Durchschnitt 10 Euro an Solidarbeitrag ersparen, wird das Geld auf den Konten unserer Mitglieder nicht mehr werden. Im Gegenteil: Gäbe es den Solidarbeitrag und die Unterstützung durch die AK nicht, dann verlieren die Beschäftigten enorm viel Geld. 2024 haben wir in Tirol 61,7 Millionen Euro für unsere Mitglieder erkämpft, Geld, das sonst weg gewesen wäre. Mit 10 Euro können Sie sich keinen Rechtsbeistand im Ernstfall leis-ten, für 10 Euro wird Sie auch niemand im Konsumentenschutz, Wohn- und Mietrecht, Sozialrecht oder in Steuer- und Arbeitsrechtsfragen umfassend und kompetent beraten, um nur einige Beispiele zu nennen. Mittlerweile sind wir ja keine Arbeitskammer mehr, sondern eine Lebenskammer, die in allen Fragen hilft, von der Geburt eines Kindes bis hin zur Pensionierung. Das ist ein System, das funktioniert und das in den Augen einiger weg muss, weil es eben zu gut funktioniert und weil es einem Systemumbau des Staates im Weg steht.

Also sind die Angriffe auf die AK in erster Linie politisch motiviert?
Zangerl: Es gibt sonst keinen Grund. Die vielen Mitglieder der AK sind ja eine enorme politische Kraft, die Wahlen entscheidet. Deshalb sollte man sich nicht blenden lassen: Man versucht die Menschen mit falschen Versprechungen und reinem Populismus zu beeinflussen: Fakt ist aber – der kleine Mann ist in der Politik meist nur dann wichtig, wenn es ums Wählen geht. Da wird viel versprochen und der Gegenspieler auch gerne verleumdet. Doch entgegen einiger unqualifizierter Aussagen ist die Arbeiterkammer  kein profitgetriebener Konzern, wir bauen uns auch keine Denkmäler oder goldene Beratungstempel, jeder Euro an Beiträgen wird sorgsam und transparent verwaltet, immer im Sinne unserer Mitglieder (siehe dazu Seite 8). Wir sind die größte Solidargemeinschaft Tirols, in der sich die Beschäftigten gegenseitig unterstützen.

In welcher Form?
Zangerl: Nur ein Beispiel: Es gibt zahlreiche Mitglieder, die aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Beitrag leisten müssen, etwa weil sie auf Arbeitssuche sind oder unter der Geringfügigkeitsgrenze verdienen. Auch Eltern in Karenz oder Lehrlinge zählen dazu. Sollen wir diese Menschen nun ausschließen und ihnen keinen Schutz und keine Hilfe gewähren? Sicher nicht. Natürlich gibt es einige, die die AK nicht brauchen, aber die letzten fünf Jahre mit Pandemie, Teuerung und Energiekrise haben gezeigt, dass es immer weniger werden. Niemand weiß, was die Zukunft bringt und deshalb ist es beruhigend zu wissen, dass es da eine Anlaufstelle gibt, die immer da ist, wenn der Hut brennt. Kompetent, unbürokratisch und eben kostenlos bzw. gedeckt durch einen solidarischen Beitrag. 

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