AK Tirol, Friedle
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21.10.2026

AK Präsident Erwin Zangerl: Arbeiten muss sich in Tirol wieder lohnen!

Hohe Energie- und Spritpreise, explodierende Wohnkosten: Für viele Beschäftigte in Tirol wird das Leben immer schwieriger. AK Präsident Erwin Zangerl im Interview mit der Tiroler Arbeiterzeitung (TAZ) über den sogenannten Tirol-Aufschlag und die Frage, warum trotz harter Arbeit immer weniger Geld übrig bleibt.

TAZ: Herr Präsident, Tirol gilt als wohlhabendes Bundesland. Trotzdem klagen immer mehr Beschäftigte, dass sie sich das Leben kaum noch leisten können. Wo liegen die Probleme?

Zangerl: Wir haben in Tirol eine gefährliche Schieflage. Die Lebenshaltungskosten gehören zu den höchsten Österreichs, während die Einkommen vergleichsweise niedrig sind. Viele Menschen arbeiten Vollzeit und müssen trotzdem jeden Euro zweimal umdrehen. Das kann nicht unser Anspruch an ein in Wirklichkeit wirtschaftlich erfolgreiches Bundesland sein.

TAZ: Besonders die Energiepreise belasten die Haushalte. Warum kommt die Entlastung nicht bei den Menschen an?
Zangerl: Weil die Politik zu langsam reagiert und die Preisbildung oft undurchsichtig bleibt. Wenn Heizen für viele zur finanziellen Existenzfrage wird, stimmt etwas grundsätzlich nicht. Wir brauchen transparente Energiepreise, wirksame Kontrollen und gezielte Entlastungen. Es darf nicht sein, dass Unternehmen hohe Gewinne erzielen, während Beschäftigte ihre Heizkosten kaum bezahlen können.

TAZ: Auch beim Tanken ist Tirol besonders teuer. Werden Autofahrer systematisch benachteiligt?
Zangerl: Genau diese Frage soll jetzt endlich beantwortet werden. Unsere Erhebungen zeigen deutliche Preisunterschiede zwischen Tirol und anderen Bundesländern, aber auch innerhalb von Tirol, was ebenso absurd ist. Gerade Pendler sind ja auf das Auto angewiesen. Wer täglich zur Arbeit fahren muss, kann nicht einfach auf das Tanken verzichten. Die angekündigten Untersuchungen müssen deshalb zu Konsequenzen führen.

TAZ: Sie sprechen regelmäßig vom „Tirol-Aufschlag“. Ist das nicht einfach ein Schlagwort?
Zangerl: Nein, dahinter steckt ein reales Problem: In Tirol zahlen die Menschen mehr als anderswo. Gleichzeitig bleiben die Löhne zurück. Wir verlangen auch keine Sonderbehandlung, sondern faire Preise und nachvollziehbare Erklärungen für die Preisunterschiede.

TAZ: Eine AK Studie zeigt, dass ein Großteil der Lohnerhöhungen von der Teuerung aufgefressen wurde. Haben die Arbeitnehmer:innen den Kampf um ihre Kaufkraft verloren?
Zangerl: Verloren ist dieser Kampf nicht. Aber wir müssen verhindern, dass Beschäftigte dauerhaft die Rechnung für fehlende oder falsche Entscheidungen des Bundes bezahlen. Lohnerhöhungen müssen tatsächlich zu mehr Kaufkraft führen. Hier muss die Politik eingreifen, um das sicherzustellen.

TAZ: Kritiker werfen der Arbeiterkammer vor, Probleme zwar anzusprechen, aber zu wenig zu verändern. Ist dieser Vorwurf berechtigt?
Zangerl: Wir zeigen die Missstände nicht nur auf, sondern erarbeiten für jedes Problem auch konkrete Lösungsvorschläge. Die politischen Entscheidungen darüber treffen allerdings andere. Oft werden gar keine Entscheidungen getroffen und allzu oft sind sie leider nicht in unserem Sinne. Wir sehen aber im Moment bei der Diskussion um die Spritpreise, dass hier aufgrund unserer Kritik und unserer Erhebungen endlich Bewegung in die Sache kommt. Das gleiche gilt etwa auch für den Österreich-Aufschlag: Auch hier mussten wir erst dicke Bretter bohren, bis sich die Bundesregierung zum Handeln entschlossen hat. Ich würde mir auch viel schneller Ergebnisse erwarten. Wir werden jedenfalls weiterhin Druck machen, denn die Menschen erwarten zu Recht Lösungen statt Ankündigungen. Bei den Strompreisen in Tirol hat unser Einsatz ja sehr gut funktioniert.

TAZ: Was müsste sich jetzt am dringendsten ändern?
Zangerl: Wir brauchen leistbares Wohnen, faire Energie- und Spritpreise, höhere Kaufkraft und gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Entscheidend ist, dass sich Arbeit wieder lohnt. Wer jeden Tag arbeitet, muss von seinem Einkommen ordentlich leben und eine Zukunft aufbauen können. Das ist keine überzogene Forderung, sondern eine Frage der Gerechtigkeit.

Offen gesagt

„Wir verlangen keine Sonderbehandlung, sondern faire Preise und nachvollziehbare Erklärungen für die Preisunterschiede!“


Erwin Zangerl,
AK Präsident

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