6.7.2017
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Wirtschaftskammer ruft zum Klassenkampf: Für bestimmte Unternehmer soll nur noch eine „Grundversorgung“ angeboten werden

Für Kopfschütteln sorgte der Auftritt des neuen Wirtschaftskammer-Vizepräsidenten Manfred Pletzer. Gemeinsam mit Kammerpräsident Jürgen Bodenseer wurden Pläne präsentiert, die nicht nur zum Nachteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind, sondern auch die eigene Klientel spalten: Geht es nach den Vorstellungen von Bodenseer und Pletzer, soll es in Zukunft bei den Unternehmern eine „Mehrklassengesellschaft“ geben. Wer nicht nach den Vorstellungen der Tiroler Führungsspitze handelt, gehört als „alter Zopf abgeschnitten“, der Mindestlohn ist ihr ohne Abtausch ein Dorn im Auge. Die „Trumpmania“ hat damit auch die Tiroler Wirtschaft erreicht – sicher nicht zu ihrem Vorteil. AK Präsident Zangerl bietet deshalb den Unternehmern in der „unteren Klasse“ die Hilfe der Arbeiterkammer an.      

Die Liste der Klagen ist lang, die WK-Präsident Jürgen Bodenseer mit Neo-Vize Manfred Pletzer präsentierte: Österreich ist unternehmerfeindlich, der Mindestlohn sei bei weitem nicht so dringend notwendig wie flexiblere Arbeitszeiten, die Sozialpartner unfähig und überhaupt – wer gegen die Ansichten der Wirtschaftskammer ist, ist ein alter Zopf, der abgeschnitten gehört. Was die Führungsspitze unter neuen Zöpfen zu verstehen scheint, ist schnell erklärt und lässt aufhorchen. So soll ein Mehrklassensystem in der Kammer entstehen, bei dem jene, die sich höhere Beiträge leisten können, quasi „vollkasko-wirtschaftskammerversichert“ sind, während der große andere Teil mit einer Grundversorgung auskommen muss, natürlich mit der Möglichkeit einer Aufzahlung für bessere Leistung. „Es ist schon eine interessante Entwicklung, die tief blicken lässt, wenn die Wirtschaftskammer trennt, statt vereint. Denn das heißt einfach übersetzt, wer viel Geld hat, erhält viel Service, der Rest fällt in die Grundversorgung. Ich biete aber jedem Unternehmer, der in die Grundsicherung fällt und sich das Service der Wirtschaftskammer nicht mehr leisten kann, die Hilfe und Beratungstätigkeit der AK an, denn bei uns zählen alle Mitglieder gleich viel“, so AK Präsident Erwin Zangerl.

Für Zangerl ist auch die Darstellung unverständlich, dass die Flexibilisierung der Arbeitszeit scheinbar dringender benötigt wird als der Mindestlohn und dass die Einigung darauf kein gutes Zeugnis für die Sozialpartnerschaft sei. Zangerl: „Wir haben für tausende Beschäftigte eine Verbesserung ihrer Situation erreicht, wie schon zuvor für Millionen Österreicher bei der Lohnsteuerreform. Was daran kein gutes Zeugnis für die Sozialpartnerschaft sein soll, wird wohl ein Rätsel bleiben. Der Wirtschaft geht es um mehr Aufträge, was völlig in Ordnung ist. Allerdings will man dafür weder mehr Leute anstellen, noch Überstunden zahlen, sondern will die Mitarbeiter einfach länger arbeiten lassen ohne Überlegungen, wie etwa Kinderbetreuung oder Vereinsleben funktionieren sollen“, erklärt Zangerl. Einzig mit der Forderung von Pletzer und Bodenseer nach einer einheitlichen Stelle für alle Förderungen nach dem Vorbild Bayern geht Zangerl konform. „Das ist etwas, was wir uns schon lange wünschen: Eine zentrale Förderstelle aber auch gleichzeitig die Durchleuchtung der Förderungen, die ja aus Steuermitteln kommen. Denn so ließe sich nachvollziehen, wo wieviel Geld hinfließt, ob es sinnvoll verwendet wird oder nur den ‚Vollkasko-Mitgliedern‘ zu Gute kommt. Damit könnte die Wirtschaftskammer einen wichtigen Beitrag leisten, um einen der vielen ‚alten Zöpfe‘ in ihrem Umfeld abzuschneiden“, so Zangerl.

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