AK Präsident Erwin Zangerl © AK Tirol/Friedle
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22.7.2020

AK Zangerl: "Swarovski setzt auf Gewinnmaximierung auf dem Rücken der Beschäftigten und der Steuerzahler"

Gewinne maximieren, unternehmerisches Risiko auf die Steuerzahler abwälzen und dann einfach die Reißleine ziehen und in Etappen 1.800 der 4.800 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Stammsitz in Wattens vor die Tür setzen: Obwohl die Alarmglocken im Hinblick auf bevorstehende Kündigungen schon im Frühjahr schrillten, als sich Markus Langes-Swarovski aus der Geschäftsführung zurückzog, sorgt die Hiobsbotschaft aus der Zentrale des Kristallriesen für Bestürzung.

Von wegen sozial verträglich

„Es geht hier um viele betroffene Tiroler Arbeitnehmerfamilien, um viele Beschäftigte, die – zum Teil schon seit der Lehrzeit – dem Unternehmen die Treue gehalten haben. Viele sind über 50 Jahre alt, haben nur noch wenige Jahre bis zur Pension“, ist AK Präsident Erwin Zangerl fassungslos über die Vorgangsweise. „Was daran sozial verträglich sein soll, wie Konzern-Chef und Familienmitglied Robert Buchbauer sagt, muss er mir erst einmal erklären. Früher stand der Name Swarovski für soziales Engagement gegenüber den Mitarbeitern, doch davon kann nun keine Rede mehr sein. Stattdessen wird die Produktion weiter in Billiglohn-Länder ausgelagert – und offensichtlich ganz darauf vergessen, wie viel Land Tirol und die Steuerzahler in der Vergangenheit für Swarovski getan haben.“

Verlagerung nach Serbien, Vietnam, Thailand und Indien

In Wattens sind derzeit 4.800 Beschäftigte, von denen bis 2021/22 insgesamt 1.800 ihre Arbeit verlieren werden, 1.200 von ihnen noch heuer.
Weltweit arbeiten für das Swarovski-„Produktionsnetzwerk“ 34.000 Menschen, 26.000 davon im Bereich Kristall. Auch an Standorten in Serbien, Vietnam, Thailand und Indien. Zangerl: „Das zeigt, wie sich Swarovski die Globalisierung zunutze macht, wenn der Konzern in Billiglohn-Ländern produziert – und damit womöglich selbst den Preisverfall ankurbelt, der jetzt laut Unternehmensführung mitverantwortlich sein soll für diesen massiven Einschnitt. Damit wird immer mehr Wertschöpfung an Standorte im Ausland verlagert und in der Folge die Infrastruktur in Wattens immer weniger genutzt und damit Zug um Zug ineffizienter. Ein Schelm wer Böses denkt.“

„Zentrum der Macht“ in der Schweiz

Nicht mehr in Wattens, aber doch etwas näher soll künftig der Großteil der Bereiche Marketing, Sales und Kommunikation angesiedelt werden: Und zwar in Männedorf am Zürichsee in der Schweiz, wo auch Konzernchef Buchbauer herstammt. „Lohnkosten werden hier vermutlich aber keine gespart!“, so AK Präsident Zangerl.

„Unterm Strich klingt das alles so gar nicht danach, als wäre die Corona-Krise der Auslöser, sondern vielmehr wie von langer Hand geplant“, sagt der AK Präsident. Schließlich wurde der Stellenabbau noch vor Corona angekündigt. Dann – als im Rahmen des Corona-Kurzarbeitsmodells Millionen flossen, waren Kündigungen plötzlich kein Thema mehr, um jetzt mit den Menschen, die hofften, ihren Arbeitsplatz doch behalten zu dürfen, kurzen Prozess zu machen.

„Das ist jedoch ganz und gar nicht im Sinn des Corona-Kurzarbeitsmodells. Dieses sollte sicherstellen, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben, dafür nehmen der Staat – und damit die Steuerzahler – viel Geld in die Hand“, kritisiert AK Präsident Erwin Zangerl die Vorgangsweise. „Jetzt aber muss der Steuerzahler für die nächste Arbeitsstiftung noch einmal tief in die Kasse greifen, während Schwerreiche einzig danach trachten, ihr Vermögen weiter zu mehren.“

Nach Angaben der Wirtschaftswoche aus dem Jahr 2018 werden jährlich geschätzte 100 Millionen Euro an die Gesellschafter ausbezahlt. Jetzt plant der Konzern eine Umwandlung in eine AG und schließt den Börsen-Gang nicht aus.

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