AK Präsident Erwin Zangerl © AK Tirol/Hetfleisch
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13.4.2022

AK Präsident Zangerl: "Die AK als Schutzhaus ist unverzichtbar!"

Die AK Bilanz 2021 zeigt, dass die Krise noch nicht vorbei ist, im Gegenteil: Die ständig steigenden Preise und Lebenshaltungskosten werden eine zusätzlich Verschärfung bringen...„Dort, wo wir uns als AK einbringen können, werden wir das tun. Die Politik muss aber handeln!“, fordert AK Präsident Erwin Zangerl im Gespräch mit der Tiroler Arbeiterzeitung (TAZ).

TAZ: Herr Präsident, die Tiroler Arbeiterkammer hat für 2021 wieder eine ausgezeichnete Bilanz gelegt, auch die Vertrauenswerte sind so gut wie nie. Ein Zeichen für Sie, dass die AK eine zentrale Rolle im Leben der Beschäftigten spielt?
Erwin Zangerl: Ich sehe die Bilanz mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite zeigt sie natürlich, dass die AK Tirol als Schutzhaus für über 350.000 Beschäftigte in Tirol unverzichtbar ist, zum anderen sehen wir aber, dass sich enorm viele Menschen in einem dauernden Krisenmodus befinden. Und das trifft nicht nur die, die vor Corona schon Probleme hatten, das betrifft immer mehr auch jene, die im Verhältnis gut verdient hatten. Die zahlreichen Krisen arbeiten sich also immer weiter in den sogenannten Mittelstand vor, und das bereitet mir zusätzlich Sorgen.

Woran lässt sich das festmachen?
Etwa an den Anfragen in den Bereichen Wohnen oder Wirtschaft, in dieses Ressort fallen zum Beispiel Fragen zu Energiekosten. Kurz gesagt können sich viele weder Wohnen noch Heizen kaum leisten, da sprechen wir aber von Grundrechten. Und ich teile leider die Ansicht, dass das dicke Ende erst noch kommt. Die steigenden Energiepreise aufgrund des Ukraine-Kriegs werden das Leben insgesamt enorm verteuern. Die wirklichen Preissteigerungen sind noch gar nicht angekommen, das wird auch den Bereich der Lebensmittel bzw. Waren des täglichen Bedarfs betreffen. Und es trifft vor allem die, die ohnehin schon wenig haben. Noch mehr Haushalte rutschen in die Energiearmut – eigentlich ein Unwort in unserer Zeit – aber leider traurige Realität.

Wie sieht diesbezüglich die Situation in Tirol aus?
Nicht besonders rosig. Tirol hat ja ohnehin bereits die höchsten Lebenshaltungskosten Österreichs bei den gleichzeitig niedrigsten Löhnen. In Summe haben wir derzeit an die 120.000 Personen, die als arm gelten oder die armutsgefährdet sind, darunter viele Kinder und Jugendliche und solche, die trotz Vollzeitarbeit zu wenig verdienen, um sich das Leben leisten zu können. Das ist ein Bild, das nach außen hin natürlich nicht gern gezeigt wird. Doch auch hier spielt die AK eine wichtige Rolle. Wir helfen und vernetzen über unseren Josefikreis alle relevanten Institutionen, um Betroffenen zu helfen. Die Situation wird sich aber verschärfen, das muss uns klar sein.

Welche Rolle kann hier die AK spielen?
Wir bringen unsere Fachexpertisen und unser juristisches Know-how ein. Immerhin haben wir 2021 über 46 Millionen Euro für unsere Mitglieder zurückholen können, von arbeitsrechtlichen Fällen bis hin zu den Steuerspartagen. Wir helfen, wo wir können, aber wir sind leider nicht der Gesetzgeber. Aber wir nutzen auch unsere politische Verantwortung und üben Druck aus, das sieht man etwa bei unserer im Vorjahr gestarteten Kampagne „Pflege.Handeln.Jetzt!“. Pflege ist ja ebenso ein Krisenthema, bei dem sich die politisch Verantwortlichen endlich bewegen, sprich bessere Rahmenbedingungen schaffen müssen. Hier sagen die Betroffenen endlich öffentlich ihre Meinung und gehen auf die Straße. Das ist ein schlechtes Zeichen für die Politik, denn die Zahl der Menschen, die sich im Stich gelassen fühlen, wird immer größer. Was, wenn alle, die unter der oben angesprochenen Energiearmut leiden, irgendwann auf die Straße gehen werden? Wir müssen rasch Lösungen für diese Probleme finden, über die Partei-grenzen hinweg. Und wir dürfen nicht eine Gruppe gegen die andere ausspielen, dazu ist die Lage zu ernst, ich werde auch nicht müde, davor zu warnen. Dort, wo wir uns als AK einbringen können, da bringen wir uns ein und legen Strategien und Handlungsempfehlungen vor. Die Politik muss das allerdings umsetzen, und hier bleiben viele gute Vorschläge leider auf der Strecke, auch wenn ich derzeit im Land ein verstärktes Bemühen erkenne, uns in die Entscheidungen einzubinden.

offen gesagt

„Die steigenden Preise
betreffen vor allem die, die ohnehin schon wenig haben!“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

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