Radrennen © Stefan Schurr/stock.adobe.com
© Stefan Schurr/stock.adobe.com

Verspätung wegen Rad-WM:  Das gilt arbeitsrechtlich

Von 22. bis 30. September steht Tirol ganz im Zeichen der Rad-WM. Was Sportbegeisterte und Touristiker freut, bedeutet für tausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Umwege und Wartezeiten. Dies gilt auch für die Zeit der Aufbauarbeiten, die bereits starteten, und für den Abbau bis inklusive 2. Oktober. Die AK Arbeitsrechts-Experten erklären, was Beschäftigte beachten sollten.

Gesperrte Straßenzüge, verwaiste Bushaltestellen u. v. m.: Während der Rad-WM 2018 müssen sich die Menschen in Tirol auf viele Änderungen einstellen. Einige gelten nicht nur für die jeweiligen Bewerbe, die zwischen 22. und 30. September stattfinden, sondern bereits seit einigen Tagen bzw. bis 2. Oktober.

Kontakt

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

E-Mail: presse@ak-tirol.com

Telefon: +43 800 22 55 22 1300
(Kostenlose Hotline )

Fax: +43 512 5340 1290

kontakt

Bei Fragen helfen die Arbeitsrechtsexperten der AK Tirol unter Tel. 0800/22 55 22 – 1414.

Die AK Experten erklären, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in dieser Zeit berücksichtigen sollten:

Unvorhersehbarer Stau oder angekündigte Straßensperre?

Die Verkehrsbehinderungen, die während der Rad-WM eintreten werden, gelten rechtlich betrachtet als so genannte „Verkehrsstörungen“. Landet man zum Beispiel in einem unvorhersehbaren Stau, dann muss der dadurch verspätete Arbeitsbeginn auf die Dienstzeit angerechnet werden.

Die Straßensperren bei der Rad-WM werden aber vorher angekündigt. In diesem Fall muss der Arbeitnehmer alles Zumutbare unternehmen, um trotz der Straßensperren rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Daher zum Beispiel: Vorher Ausweichrouten suchen und früher von zu Hause wegfahren, auf den Zug umsteigen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Auch ein paar Kilometer Fußweg sind einem gesunden Arbeitnehmer zuzumuten.

Was ist „zumutbar“?

Was als „zumutbar“ gilt, hängt letztlich immer vom konkreten Einzelfall ab. Denn es kann sein, dass man Kinder, die den Schulweg nicht allein zurücklegen können, in die Schule bringen oder wieder abholen muss oder nahe Angehörige zu pflegen hat. Hier kann es auch passieren, dass der Rückweg zur Arbeit zur Gänze abgeschnitten ist.

Ist es daher nicht möglich oder nicht zumutbar, mit der Arbeit rechtzeitig zu beginnen, oder muss man wegen notwendiger Angehörigenbetreuung früher von der Arbeit nach Hause, dann ist die ausgefallene Arbeitszeit wegen eines wichtigen persönlichen Verhinderungsgrundes auf die Dienstzeit anzurechnen.

Was gilt bei Gleitzeit?

Bei Gleitzeit kommt es darauf an, ob die Dienstverhinderungszeit in die so genannte „fiktive Arbeitszeit“ fällt. Denn jede Gleitzeitvereinbarung muss eine „fiktive Arbeitszeit“ enthalten. Diese legt fest, wie man arbeiten müsste, falls es keine Gleitzeit gäbe.
Zum Beispiel: Man kann bei der Gleitzeit um 7 Uhr mit der Arbeit beginnen und längstens bis 19 Uhr arbeiten. Die festgelegte „fiktive Normalarbeitszeit“ beträgt beispielsweise 8 Uhr bis 12 Uhr und 12:30 Uhr bis 16:30 Uhr. Üblicherweise kommt man um 7.30 Uhr zur Arbeit. Dienstverhinderungen bis 8 Uhr oder nach 16:30 Uhr fallen in die Freizeit, auch wenn man sonst früher zu arbeiten beginnt. Dienstverhinderungen ab 8 Uhr und bis 16:30 Uhr gelten als Arbeitszeit.

Dienstwege während der Arbeitszeit

Dienstwege während der Arbeitszeit, die sich durch die Straßensperren verlängern oder gar ausfallen, stellen jedenfalls bezahlte Arbeitszeit dar.

Arbeitgeber sofort informieren

Teilen Sie dem Arbeitgeber sofort oder rechtzeitig vorher mit, falls Sie nicht pünktlich zur Arbeit erscheinen können.

Betriebsschließung

Falls der gesamte Betrieb (früher) zusperren sollte, muss grundsätzlich die ausgefallene Zeit ebenfalls voll auf die Arbeitszeit angerechnet werden. Der jeweils anzuwendende Kollektivvertrag kann allerdings Schwankungsbreiten vorsehen. Urlaub darf für diese Zeit jedenfalls nicht herangezogen werden.