AK Präsident Erwin Zangerl © AK Tirol
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18.5.2022

AK fordert Inflationsausgleichspaket! Zangerl: „Sonst droht soziale Krise!“

Seit Jahren sind die hohen Lebenshaltungskosten gerade für Menschen mit niedrigem Einkommen kaum leistbar, gerade auch in Tirol. Doch die aktuelle Teuerungswelle sorgt dafür, dass durchschnittliche Haushalte mit Mehrkosten von rund 1.400 Euro pro Jahr rechnen müssen! Hier braucht es rasch ein Bündel an Maßnahmen. „Wir brauchen jetzt rasch Entlastungen, sonst droht nach der Corona- und Ukrainekrise auch die soziale Krise“, so AK Präsident Erwin Zangerl.

Die meisten Österreicherinnen und Österreicher können sich die aktuellen Preissteigerungen nicht mehr leisten. Bereits jetzt muss ein durchschnittlicher Haushalt mit Mehrkosten von 1.400 Euro pro Jahr rechnen. Das bedeutet für viele einen ganzen Netto-Monatslohn.

„Wir brauchen für die Menschen dringend eine Entlastung vom Inflationsdruck“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. „Deshalb haben wir ein Inflations-Ausgleichs-Paket vorgelegt. Dieses muss sofort umgesetzt werden und aus einem wirklich effektiven, treffsicheren und sofort spürbaren Maßnahmenbündel bestehen.“ (Mehr zum AK Maßnahmenpaket finden Sie unten.)

Haushalte mit niedrigen Einkommen sind der dramatischen Teuerungsdynamik im besonderen Maße ausgesetzt. Sie geben – gezwungenermaßen – einen größeren Anteil ihres Einkommens für lebensnotwendige Güter aus. Diese unterliegen gleichzeitig dem stärksten Inflationsdruck. Aber auch die breite Mitte der Gesellschaft sieht sich einer finanziellen Belastung mit noch ungewissem massiveren Ausmaß gegenüber, sofern nicht ein entschlossenes und schnelles Gegensteuern erfolgt.

Gleichzeitig gibt es schon seit längerem in Österreich, besonders in Tirol, besorgniserregende Preisentwicklungen im Bereich des Wohnens. Angesichts des derzeitigen Teuerungsumfelds droht das Grundbedürfnis „Wohnen“ endgültig nicht mehr leistbar zu sein.

Deshalb sollten jetzt endlich deutliche und weitreichende Maßnahmen gesetzt werden. Die Arbeiterkammer Tirol hat in den letzten Jahren immer wieder konstruktive Vorschläge erarbeitet, zuletzt im Diskussionspapier „Teuerung.Handeln.Jetzt: Stopp der Teuerungswelle“ (2022), das dem Land Tirol übergeben wurde.

AK Facts

Tirol ist den Auswirkungen der Teuerung im hohen Maß ausgesetzt. Denn hier treffen ohnehin schon hohe Lebenshaltungskosten auf niedrige Einkommen. Im Jahr 2020 lag das mittlere Einkommen in Tirol bei 27.810 Euro brutto im Jahr – das entspricht einem monatlichen Nettoeinkommen von knapp 1.530 Euro. Damit lag Tirol an letzter Stelle im Vergleich der Bundesländer – mit einem Rückstand von fast 6 % oder knapp 1.700 Euro brutto auf den österreichischen Schnitt. Vor allem die Fraueneinkommen rutschten in Tirol ab und lagen um mehr als 11 % oder fast 2.600 Euro brutto im Jahr unter dem weiblichen Einkommensschnitt in Österreich.

Teuerung: Kein Ende in Sicht
Die Verbraucherpreise erreichen immer höhere Spitzenwerte und entgegen den ersten Prognosen Anfang dieses Jahres, in denen mit einem Nachlassen der Inflation gerechnet wurde, ist ein Ende der Preisexplosion nicht in Sicht. Ein baldiges Ende der Teuerungsdynamik ist dabei in keiner Weise zu erwarten. Im April 2022 lag die Teuerungsrate laut Statistik Austria schon bei 7,2 %, dem höchsten Wert seit mehr als 40 Jahren.

Die Teuerung verfestigt sich: Energie und Nahrungsmittel
Weit überdurchschnittliche Preissteigerungen gab es im Bereich der Energie: Diesel stieg um 56,4 % im Jahresvergleich, Gas (Arbeitspreis) um 75,8 % und Heizöl um 100,4 %. Hauptpreistreiber gegenüber dem Vormonat sind laut Statistik Austria aber mittlerweile die Nahrungsmittelpreise. Allen stark von Inflation betroffenen Güterkategorien gemeinsam ist, dass die Menschen kaum Alternativen dazu haben.

Deutlich zu sehen ist, wie sich die Preissteigerungen nun aus dem Energiebereich hinaus über mehr Produktkategorien verbreitern. Das ist v. a. an den Steigerungen im Nahrungsmittelbereich ersichtlich. Denn Haupttreiber der Inflation gegenüber dem Vormonat März 2022 sind mittlerweile die Nahrungsmittelpreise und nicht mehr die Energiepreise.

Stärkste Preistreiber

Verkehr: + 17,7 % (März: + 15,9 %)
Treibstoffe: + 49,1 % (März: + 50,7 %)

Wohnung, Wasser, Energie: + 9,4 %
 (März + 9,2 %)
Gas: + 68,7 % (März: 64,3 %)
Strom: + 8,5 % (März: + 10,6 %)
Feste Brennstoffe: + 25,7 %
Heizöl: + 100,4 % (März: + 118,5 %)

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke: + 8,4 % (März: 5,8 %)
Nahrungsmittel: + 8,2 % (März: 5,8 %)
Fleisch: + 10,7 % (März: 4,1 %)
Brot, Getreideerzeugnisse: + 8,2 %
Gemüse: + 10,1 %
Kaffee: + 11,4 %

 

Maßnahmenpaket der AK, gerichtet an die Bundesregierung

  • alle sozialen Transferleistungen, wie zum Beispiel die Mindestsicherung, die Ausgleichszulage, das Kinderbetreuungsgeld, die Familienbeihilfe, sind sofort um den Inflationswert zu erhöhen;
  • die Kalte Progression ist sofort, dauerhaft und vollständig – somit unter Berücksichtigung der aktuellen Inflationsentwicklung – abzuschaffen;
  • eine zeitlich befristete Halbierung der Umsatzsteuer auf Treibstoffe und sonstige Energie von derzeit 20 % auf 10 % ist zu beschließen;
  • die Umsatzsteuer auf Grundnahrungsmittel und Arzneimittel ist sofort und auch dauerhaft abzuschaffen, da jeder Mensch die gleichen Grundnahrungs- und Arzneimittel benötigt und daher mit dieser Steuer überhaupt kein Lenkungseffekt erreicht werden kann;
  • einen Mietenstopp und nicht eine Erhöhung der Richtwertmieten ist zu beschließen;
  • alle steuerlichen Freibeträge, wie zum Beispiel Kilometergeld, Tages- und Nächtigungsgelder, Schmutz-, Erschwernis- und Gefahrenzulage sind um den Inflationswert zu erhöhen;
  • die Obergrenzen für alle steuerlichen Absetzbeträge sind um den Inflationswert zu erhöhen sowie
    eine noch darüber hinaus gehende deutliche Anhebung des Alleinverdiener:innenabsetzbetrags zur Entlastung der besonders armutsgefährdeten Gruppe alleinerziehender Eltern ist zu beschließen.

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