31.7.2017
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AK Zangerl: Es geht um Qualität und ausreichende Bezahlung der Arbeit

„Die Ergebnisse der IHS-Studie „Working Poor in Tirol“ müssen ein Weckruf für alle sein“, sagt AK Präsident Erwin Zangerl. „Seit Jahren warnt die AK Tirol vor einem ungesunden Branchen-Mix und der rapiden Zunahme an Teilzeitarbeit in unserem Land. Die Qualität der Arbeit in Tirol muss ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Die Studie zeigt ebenfalls klar: Ohne staatliches Eingreifen wäre die Armut viel stärker verbreitet und Tirol hat ein wirtschaftliches Strukturproblem. Arm trotz Arbeit: jeder und jede Zwanzigste in Tirol entkommt trotz Erwerbsarbeit nicht der Armut.“

Zangerl: „Die Beschäftigung in Tirol darf daher nicht nur auf der Ebene der Zahlen gesehen werden. Es muss auch die Qualität der Arbeit stimmen. Tirol muss aufpassen, die schleichende Prekarisierung der Tiroler Arbeitswelt nicht zu verschlafen und früh genug gegenzusteuern.“

Nur nach ihrem Bruttoeinkommen und ohne Sozialtransfers betrachtet, wäre fast jeder und jede Fünfte in Tirol von Armut gefährdet. Erst die Kostenersparnis durch das Zusammenleben in gemeinsamen Haushalten und vor allem die staatlichen Sozialtransfers drücken die Armutsgefährdungsquote dramatisch auf knapp 5 %. „Wer undifferenziert das soziale Netz in Österreich in ein schlechtes Licht rückt, öffnet der Armutsgefährdung Tür und Tor! Erst gerechte Sozialtransfers schützen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Armut. Der Markt allein schafft keinen Ausgleich“, warnt AK Präsident Erwin Zangerl.

Steht die Arbeitsmarktentwicklung in Tirol auf tönernen Füßen? Zwar hat Tirol einen recht stabilen Kern an gut entlohnter Beschäftigung, aber der Schwerpunkt des Arbeitsmarkts in Tirol verschiebt sich mehr und mehr Richtung Teilzeit und Dienstleistungen. In diesen Bereichen gibt es leider viel niedrig entlohnte Tätigkeiten. Mehr als 40 % der Beschäftigungsverhältnisse, die ein Working-Poor-Einkommen haben, konzentrieren sich z.B. auf Handel und Gastgewerbe. Es stellt sich die Frage: schafft die Tiroler Wirtschaft ausreichend Jobs, um den Menschen im teuren Tirol ein Auskommen zu ermöglichen? „Tirol braucht qualitativ hochwertige Arbeitsplätze. Es kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein, immer mehr Arbeitsplätze zu schaffen, deren Verdienst so gering ist, dass die Menschen erst durch staatliche Transfers über die Armutsschwelle gelangen können“, betont Zangerl. „Die Tiroler Wirtschafts- und Standortpolitik - vor allem die Standortagentur - sind angesichts der Studienergebnisse dringend gefordert, dieser fatalen Entwicklung noch stärker entgegen zu wirken. Alle Politikbereiche müssen mit dem Fokus Armutsbekämpfung zusammenwirken.“

Für manche Ursachen des Phänomens „Arm trotz Arbeit“ gibt es keine schnelle Lösungen: gesundheitliche Probleme, persönliche Schicksalsschläge und andere individuelle Faktoren spielen eine Rolle. Aber die Studienergebnisse zeigen, dass die Forderung nach einem Mindestlohn von 1.500 Euro absolut angemessen ist. Auch die Leistbarkeit und die breite Verfügbarkeit von Kinderbetreuung in Tirol muss unter dem Blickpunkt der Armutsbekämpfung gesehen werden.

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