AK Präsident Erwin Zangerl © AK Tirol/Berger
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14.9.2021

AK Präsident Zangerl: „Wir werden den Druck auf die Politik verstärken!“

Im Gespräch: Von Arbeitslosigkeit bis Klimawandel – die Liste der Probleme nimmt derzeit kein Ende. Für AK Präsident Erwin Zangerl Grund genug, den Druck auf die Entscheidungsträger zu verstärken, damit Lösungen endlich umgesetzt werden.

Herr Präsident, die Corona-Pandemie steuert auf einen neuen Höhepunkt zu, befürchten Sie einen weiteren Lockdown?
AK Präsident Erwin Zangerl: Einen Lockdown befürchte ich nicht, allerdings fürchte ich, dass durch die Maßnahmen, die man jetzt setzt, die Gesellschaft noch tiefer gespalten wird, als sie es ohnehin schon ist. Ich respektiere natürlich die Meinung jedes Einzelnen, der sich nicht impfen lassen will, und natürlich gilt auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit, allerdings wären wir zur Zeit wohl alle lieber in Dänemark, wo knapp 75 Prozent der Bevölkerung geimpft sind und die Corona-Beschränkungen aufgehoben werden.

offen gesagt

„Wir werden unsere Handlungsempfehlungen zur Pflege vorlegen, wir werden beim Thema Wohnen weiter dranbleiben und wir werden gegen die Kalte Progression antreten, wobei ich hoffe, dass hier viele mit uns ihre Stimme erheben."

Erwin Zangerl,
AK Präsident

In Nordrhein-Westfalen soll der Lohn gestrichen werden, wenn man ungeimpft ist und in Quarantäne muss. Ist das für Sie eine sinnvolle Maßnahme?
Zangerl: Das befeuert nur den rechten Rand, wobei ein solches Vorgehen in Österreich ohnehin nicht möglich ist. Sinnvoller wäre es, weiter aufzuklären und auf die Risiken hinzuweisen, die mit einer Corona-Infektion verbunden sind. Das ist kein Schnupfen, das hat bereits bei vielen Betroffenen zu langfris-tigen Schäden geführt und wird es auch weiterhin. Auch Kinder sind leider nicht vor Long-Covid gefeit. Derzeit bewegen wir uns aber dahin, dass die Impfskeptiker immer stärker unter Druck gesetzt werden. In wieweit das letztlich rechtlich alles konform ist, werden erst die Gerichte klären müssen.

Also eine Impfpflicht durch die Hintertür?
Zangerl: So sieht es aus. Es gibt leider in Österreich einen hohen Prozentsatz an Impfskeptikern, sodass uns dieses Thema noch lange beschäftigen wird, was mich nicht besonders freut. Denn es gäbe eine Unmenge an Problemen zu lösen, die schon ohne Corona schwer genug zu lösen sind.

Zum Beispiel?
Zangerl: Facharbeitermangel, Pflegekrise, Wohnkosten, Steuerbelastung, Arbeitslosigkeit, Klimawandel – die Liste ließe sich beliebig fortführen. Was, wenn wir gerade in Tirol keine Menschen mehr begeistern können, im Tourismus zu arbeiten, weil ihnen zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wurde bzw. wird? Was, wenn wir uns in der Pflege in die gleiche Richtung bewegen? Wie soll sich der Großteil der Menschen in diesem Land das Leben leisten, noch dazu, wo jetzt eine enorme Teuerungswelle auf uns zukommt, angefeuert durch eine CO2-Steuer und ein Steuersystem, das den Menschen quasi hinterrücks das Geld aus den Taschen zieht?

Sie beziehen sich dabei auf die Kalte Progression?
Zangerl: Mir wäre ganz recht, wenn sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu diesem Thema lautstark äußern würden,  und dass wir weniger über den Sinn der Impfung reden müssten. Denn das System „Kalte Progression“ ist leistungsfeindlich und ungerecht. Letztendlich wird es dadurch auch keine Steuererleichterung geben, sondern wir werden im Endeffekt mehr Steuern zahlen müssen. Die CO2-Steuer wird nur die Inflation anheizen und alles noch teurer machen. Und gleichzeitig nimmt man den Beschäftigten durch einen Steuertrick noch mehr Geld ab und belastet die einkommensschwachen Haushalte. Mir kann niemand erklären, dass das eine sinnvolle Klimapolitik ist. Ich kann jetzt schon prophezeien, dass das nicht funktionieren wird. Denn es gibt in der so wichtigen Klimapolitik nur Schlagworte und Überschriften. Ich kenne zum Beispiel kein einziges Konzept, das schlüssig erklärt, wo der Strom für die E-Mobilität herkommen soll, der ja noch dazu sauber sein sollte. Oder man will, dass sich in den nächsten zehn Jahren alle eine Photovoltaikanlage zulegen, ohne zu erklären, wieviel Energie man damit für den Hausgebrauch gewinnen kann. Diese Art der Klimapolitik werden wir deshalb auch in den kommenden Monaten genau unter die Lupe nehmen.

Also alles in allem ein „heißer“ Herbst?
Zangerl: Für uns als wichtigste Interessenvertretung der Beschäftigten auf jeden Fall. Wir werden unter anderem unsere Handlungsempfehlungen zur Pflege vorlegen, wir werden beim Thema Wohnen weiter dranbleiben und wir werden gegen die Kalte Progression antreten, wobei ich hoffe, dass hier viele mit uns ihre Stimme erheben.
Eines kann ich versprechen: Der Druck auf die Entscheidungsträger wird stärker werden.

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„Wir werden unsere Handlungsempfehlungen zur Pflege vorlegen, wir werden beim Thema Wohnen weiter dranbleiben und wir werden gegen die Kalte Progression antreten, wobei ich hoffe, dass hier viele mit uns ihre Stimme erheben."

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