29.6.2018
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AK Zangerl: Nein zum 12-Stunden-Arbeitstag, keine Benachteiligung der Arbeitnehmer-Familien

„Wenn die Regierung Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen ausschlägt, ist mein Platz am Samstag auf der Straße“, sagt AK Präsident Erwin Zangerl (AAB-FCG).

„Wir bleiben beim Nein zum 12-Stunden-Arbeitstag und zur 60-Stunden-Woche“, sagt der Tiroler AK Präsident und BAK Vizepräsident Erwin Zangerl (AAB-FCG), „und werden auf Bundesebene mit allen Mitteln gegen die Umsetzung dieses arbeitnehmerfeindlichen Gesetzes kämpfen. Wir werden im Rahmen der kommenden Betriebsversammlungen und bei der großen Kundgebung in Wien am Samstag, 30. Juni, den Tiroler Arbeitnehmer-Protest deponieren. Denn wenn die türkis-blaue Regierung jegliche Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen ausschlägt und nicht einmal den Dialog sucht, sehe auch ich mich erstmals gezwungen, auf die Straße zu gehen und gegen diese unglaubliche Ignoranz und Arroganz zu demonstrieren.“

Zangerl hält fest: Der von der Regierung im Nationalrat eingebrachte Initiativantrag zur Einführung eines generellen 12-Stunden-Tages bzw. einer 60-Stunden-Woche ist ein Frontalangriff auf die Gesundheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Freizeit und die Einkommen der Arbeitnehmer-Familien in einem radikalen Ausmaß. Der vor 100 Jahren von den Gewerkschaften hart erkämpfte 8-Stunden-Tag wird über Bord geworfen. Der generelle 12-Stunden-Tag, die regelmäßige 60-Stunden-Woche, werden zum gesellschaftlichen Maßstab erhoben. Aus Sicht des Arbeitsmarktes verschärft der geplante 12-Stunden-Tag die bestehende Verteilungsschieflage bei der Arbeitszeit. Damit wird die Chance vergeben, die hohe Arbeitslosigkeit durch eine gerechtere Verteilung des Arbeitsvolumens zu reduzieren und die durch die Digitalisierung entstandenen Produktivitätszuwächse durch eine Arbeitszeitverkürzung auch den Beschäftigten als fairen Anteil zukommen zu lassen. In keinem einzigen Punkt des 12-Stunden-Tag-Gesetzes gibt es eine Verbesserung für die Arbeitnehmer. Die kurze Woche (4-Tage-Woche) ist ein Märchen, die behauptete Freiwilligkeit ein Hohn. Die Vorteile der Flexibilisierung bekommen nur die Unternehmen, ein Ausgleich der negativen Konsequenzen für die Arbeitnehmer fällt aus.

Arbeit auf Abruf kommt. Statt „acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf, acht Stunden Erholung“ kommen 12 Stunden am Tag, 60 Stunden die Woche. Das wird bald die echte Realität der österreichischen Arbeitswelt. Das 12-Stunden-Tag-Gesetz bedeutet: Arbeiten bis zum Umfallen. Freizeit bleibt eine vage Phantasie aus Hochglanzkatalogen. Die Familie und die Kinder sieht man nur mehr am Foto am Schreibtisch oder auf der Werkbank. Die neue Losung: Mehr arbeiten fürs selbe Geld. Freiwilligkeit? Fehlanzeige! Selbstbestimmung und Autonomie für Arbeitnehmer? Fehlanzeige! Die Behauptungen der Regierung von freiwilliger Arbeitszeitgestaltung und der selbstbestimmten 4-Tage-Woche sind nichts als Märchen – im Entwurf findet sich das nicht! Anstatt uns an den wirtschaftlich erfolgreichen Vorzeigeländern zu orientieren, die den Arbeitnehmern kürzere Jahresarbeitszeiten (z. B. Schweden knapp 2 Wochen) und hohe Selbstbestimmung bieten, legt Österreich den Rückwärtsgang ein.

Verschärfung Arbeitszeitverteilung. Die Verteilung der Arbeitszeit in Österreich befindet sich bereits derzeit in einer massiven Schieflage: Auf der einen Seite stehen Überstunden-Marathons und gesundheitsgefährdender Stress für viele Arbeitnehmer auf der Tagesordnung. So haben die Vollzeitbeschäftigten in Österreich mit 41,3 Stunden die dritthöchste durchschnittliche Wochenarbeitszeit in der gesamten EU. 2017 wurden rund 250 Millionen Mehr- und Überstunden von den Arbeitnehmern geleistet. 45 Millionen davon wurden weder bezahlt noch gab es dafür Zeitausgleich! Gleichzeitig gibt es viele Menschen ohne Erwerbsarbeit, aber auch Teilzeitbeschäftigte, die (mehr) arbeiten wollen, dies aber unfreiwillig nicht realisieren können. Allein die 45 Millionen an unvergüteten Mehr- und Überstunden ergeben umgerechnet 26.000 Vollzeitarbeitsplätze!

Weniger Familie, Vereinsleben, Freizeit und Weiterbildung. Die partnerschaftliche Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit wird unter der neuen Regelung leiden und damit vor allem die Arbeitsmarktchancen von Müttern. Wer sich weiterbilden oder höher qualifizieren will, findet mit dem neuen Gesetz weniger planbare Zeit dafür.

Längere Arbeitszeit gefährdet die Gesundheit. Der Druck in der Arbeitswelt ist schon hoch genug. Lange Arbeitszeiten machen krank – psychisch und körperlich. Überlange Arbeitszeiten machen die Arbeitnehmer nicht produktiver, sondern nur kranker. Das Arbeitsunfallrisiko steigt deutlich, gesundheitsschädigende Arbeitsstoffe häufen sich stärker im Blut (z. B. Toxine). Bluthochdruck, Herzinfarktrisiko, Muskel- und Skeletterkrankungen und Magenbeschwerden nehmen zu. Das Burn-out-Risiko steigt. 

Lohnraub unter dem Deckmantel der „Flexibilisierung“. 1 Million Menschen, die Gleitzeit arbeiten, laufen Gefahr, um die Überstundenzuschläge für die 11. und 12. Stunde umzufallen. Menschen mit All-inclusive-Verträgen müssen für dasselbe Geld mehr arbeiten. Arbeitnehmer in Betrieben mit bestehenden Betriebsvereinbarungen zur 11. und 12. Stunde kommen unter Druck.

Das Ende des arbeitsfreien Sonntags. Außerdem soll dazu noch die Möglichkeit zur Ausnahme von der Wochenend- und Feiertagsruhe durch Betriebs- oder schriftliche Einzelvereinbarung eingeführt werden.

Verschlimmerung der Arbeitssituation im Tourismus. Im Tourismus soll die tägliche Ruhezeit von elf auf maximal acht Stunden für alle Betriebe mit geteilten Diensten verkürzt werden. In einer Branche, die permanent über Fachkräftemangel klagt, werden die Arbeitsbedingungen nochmals signifikant verschlechtert.

Zangerl: „Die Regierung ist gut beraten, von diesem Überfall auf die Arbeitnehmer-Familien abzusehen, und sollte stattdessen mit den Sozialpartnern in Dialog treten, um gemeinsam eine menschenwürdige Arbeitswelt der Zukunft zu gestalten, die den wirklichen Lebensrealitäten und Wünschen der Beschäftigten und ihrer Familien gerecht wird!“

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