AK Präsident Erwin Zangerl © AK Tirol/Friedle
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11.1.2021

AK Zangerl: Verbesserungen für Pflegepersonal dringend notwendig!

Auch wenn die Pflegereform für Jänner angekündigt ist, ist unklar, ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann. „Wieder Monate, in denen die Systemerhalterinnen bzw. -erhalter in der Pflege warten müssen, bis sie wissen, inwieweit ihre Leistungen anerkannt werden. Dabei braucht es rasch tiefgreifende Verbesserungen im Pflegesystem“, kritisiert AK Präsident Erwin Zangerl. Die AK Tirol legt dazu ein umfassendes Maßnahmenpaket vor und drängt auf Umsetzung. Im Mittelpunkt steht dabei das Personal.

Neben Struktur und Finanzen geht es im Pflegepaket vor allem um den Ausbau der Pflegeversorgung und um eine Verbesserung der Situation des Personals sowie der pflegenden Angehörigen. Für AK Präsident Erwin Zangerl muss es für das Personal sichtbare Verbesserungen geben, ebenso muss die Situation für pflegende Angehörige entschärft werden, etwa durch einheitliche Standards in der 24-Stunden-Betreuung oder durch ein Angebot stundenweiser Betreuung. Dazu legt die AK Tirol auch ein umfassendes Maßnahmenpaket vor.

Pflegepersonal

„Die Corona-Krise hat auch im Pflegebereich deutlich zum Vorschein gebracht, was vorher schon im Argen lag, deshalb sind die Rahmenbedingungen endlich zu verbessern“, fordert AK Präsident Zangerl. Fehlende finanzielle Anerkennung und zu wenig Personal seien ein großes Problem. Zur ohnehin physisch und psychisch belastenden Arbeit komme noch der Zeitdruck. „Wir brauchen mehr Personal, denn wir dürfen die Beschäftigten in diesen systemrelevanten Berufen nicht in das Burn-out treiben“, so Zangerl. Verbesserungsmaßnahmen seien dabei in allen Bereichen zu setzen. So ist etwa auch die Personalbedarfsberechnung uneinheitlich. „Hier bedarf es einer einheitlichen bedarfsorientierten Personalberechnung – in diese müssen Schwangerschaften, Schülerbegleitung usw. mit einkalkuliert werden“, sagt Tirols AK Präsident.
  
Ebenso gibt es aufgrund der unterschiedlichen Arbeitgeber verschiedene arbeitsrechtliche Grundlagen. Daraus ergeben sich auch unterschiedliche Wochenstunden. Zum Beispiel müssten Vertragsbedienstete in Tirol 40 Stunden arbeiten, der Sozialwirtschaft Österreich Kollektivvertrag sieht derzeit noch 38 Stunden und ab 2022 37 Stunden vor. Auch hier brauche es eine Vereinheitlichung, so Zangerl. 

Ausbildung & Verdienst

„Wir müssen unser Augenmerk bei der Ausbildung sowohl auf die Jugend richten, als auch auf ältere Personen, die etwa den Job wechseln wollen – Eignung natürlich vorausgesetzt“, stellt Zangerl klar. Für ihn ist auch die Durchfinanzierung der Ausbildung entscheidend, damit ein Umstieg überhaupt bzw. leichter möglich wird. Auch beim Verdienst sollen laut Zangerl die Hebel angesetzt werden.

„Derzeit erhalten etwa Pflegeassistenten und Pflegefachassistenten ein Taschengeld, in Tirol um die 180 Euro. Bei einer Ausbildung zum gehobenen Dienst muss sogar Studiengeld bezahlt werden. Die ebenfalls systemrelevante Berufsgruppe der Polizisten etwa erhält während der Ausbildung ein Gehalt. Ein solches Gehalt ist auch für die Pflegeausbildung zu gewährleisten – insbesondere mit Blick auf die angedachte Pflegelehre, wo eine angemessene Lehrlingsentschädigung zu bezahlen ist“, fordert Tirols AK Präsident. 

Pflegelehre

Gerade auf die geplante Pflegelehre solle genau geachtet werden. Auch in diesem Punkt hat die AK ein klares Maßnahmenpaket erarbeitet, das, neben einer angemessenen Abgeltung in Form der Lehrlingsentschädigung, die Qualität der Pflegelehre von Vornherein sichern soll: 

So ist sicherzustellen, dass Pflege-Lehrlinge nicht im Zuge von Betreuungstätigkeiten, wie etwa Kommunikation, Begleitung von Heimbewohnern usw. vor dem 17. Lebensjahr zu pflegerischen Handlungen herangezogen werden und dass eine optimale Ausbildungsbegleitung gegeben ist. „Schon gar nicht mit dem Argument des Personalmangels, denn dieser gehört behoben“, hält Zangerl fest. Dies solle durch die Arbeitnehmervertretungen überprüft werden. Ebenso ist sicherzustellen, dass Auszubildende nicht als Ersatz einer Pflegeperson oder von Beschäftigten in Sozialbetreuungsberufen zum Einsatz kommen. „Es darf auch zu keinem Qualitätsverlust in der theoretischen Ausbildung kommen, zumal der Umfang an medizinischem Wissen stetig steigt“, so Zangerl. Denn dies hätte auch Auswirkungen auf die Pflegemaßnahmen.

Nachdem mittlerweile die Standards für eine Aufnahme in den gehobenen Dienst erheblich sind, müsse auch bei der Aufnahme von Pflegelehrlingen auf deren Eignung, insbesondere mit Blick auf ihre soziale Kompetenz, geachtet werden.  

Zusätzliches Personal

Die teilweise prekäre Personalsituation führt auch dazu, dass Wert auf neue Mitarbeiter aus dem Ausland gelegt wird. Auch hier muss jedoch auf die Qualität der Ausbildung geachtet werden, bis hin zu ausreichenden Deutschkenntnissen. Kostenlose Deutschkurse und – auch finanzielle ­– Unterstützung beim Ablegen von Ausgleichsmaßnahmen wie theoretischen Prüfungen oder dem Absolvieren von Praktika sollen hier helfen.

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