Ak Präsident Erwin Zangerl © AK Tirol/Friedle
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7.10.2021

AK Präsident Zangerl: „Impfpflicht durch die Hintertür lehne ich ab!“

Im Gespräch. Das zuständige Ministerium arbeitet an einer Verordnung zur 3-G-Regel am Arbeitsplatz. AK Präsident Erwin Zangerl betont im Interview, dass es zwar Regelungen braucht, sollte die 3-G-Regel jedoch umgesetzt werden, dann nur unter bestimmten Voraussetzungen, um die Impfdiskussion nicht weiter zu verschärfen. 

Herr Präsident, die Impfquote in Österreich ist sehr gering, auch deshalb wird über eine Impfpflicht für verschiedene Berufsgruppen nachgedacht. Was halten Sie davon?

Zangerl: Ich glaube, mittlerweile ist dem Großteil der Bevölkerung klar, dass nur eine Impfung den Ausweg aus dieser Pandemie ermöglicht. Ich kenne niemanden, der sich nicht ein Ende der Beschränkungen wünscht. Wir stehen in Österreich aber wieder einmal vor dem Problem, dass die Bundesregierung keine Entscheidung treffen will. Lieber wird damit spekuliert, ob ich jemanden zum Impfen motivieren kann, indem ich ihm etwas schenke. Mit der Impfpflicht durch die Hintertür verkauft man die Menschen aber nur für dumm und spaltet die Gesellschaft. Während sich die Bundesregierung in den meisten Fällen nicht um die Expertise der Sozialpartner kümmert, will sie nun genau dieses Thema – Stichwort 3G am Arbeitsplatz – abschieben, obwohl bekannt ist, dass die Sozialpartner nicht der Gesetzgeber sind. In Deutschland streicht man gleich die Lohnauszahlung, wenn Ungeimpfte in Quarantäne müssen. Das wird uns in Österreich erspart bleiben, weil rechtlich nicht möglich, aber es zeigt, was noch kommen könnte, wenn wir keine klare Linie finden. Aber vielleicht sitzen wir in Österreich das ja aus. 

OFFEN GESAGT

„Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen gegen die Kalte Progression oder soziale Ungerechtigkeiten aussprechen statt gegen die Impfung.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

3G am Arbeitsplatz ist im Gespräch. Ist das in Ihrem Sinne?

Zangerl: Die 3-G-Regel am Arbeitsplatz wäre die gelindeste Form, um eine breit akzeptierte Klarheit am Arbeitsplatz zu schaffen, wenn aber 3G, dann nur unter bestimmten Bedingungen: Die Corona-Tests müssen gratis bleiben, ebenso braucht es wohnortnahe Testmöglichkeiten und die Gültigkeit der PCR-Tests muss zumindest auf fünf Tage verlängert werden. Alles andere wäre eine Impfpflicht durch die Hintertür und das lehne ich ab, ebenso wie eine 2-G-Regel am Arbeitsplatz.

Warum wird Ihrer Ansicht nach die Diskussion um das Impfen dermaßen emotional geführt?

Zangerl: Zum einen, weil eine Pandemie mit weltweit 50 Millionen Toten für uns eine absolut neue Erfahrung darstellt. Wir haben uns bisher nur am Rande mit Impfungen beschäftigt, es gab wenig Aufschrei, wenn wir bei Verletzungen gegen Wundstarrkrampf geimpft wurden oder bei Impfungen für Fernreisen. Das Thema wird natürlich auch instrumentalisiert und aufgrund des großen Einflusses sozialer Medien nicht mehr wertfrei dargestellt. Wer in den 1950er und 1960er Jahren etwa die Auswirkungen der Kinderlähmung und das Leid gesehen hat, war froh, als es eine Impfung gab, die davor schützte. Dieses Leid gibt es heute genauso, Corona und seine Folgen wie Long-Covid haben gravierende Auswirkungen auf das Leben tausender Menschen in Österreich. 

Andererseits stehen wir vor dem Problem der politischen Instrumentalisierung, wenn das Nicht-Impfen zu einem Freiheitsthema hochgespielt wird. Ich würde mir wünschen, dass sich Menschen in Österreich zu Parteien zusammenschließen und zu Wahlen antreten würden, weil sie gegen die Kalte Progression sind,  gegen die soziale Ungerechtigkeit oder die hohen Wohnkosten und nicht gegen eine Impfung.

Bräuchte es seitens der Politik eine klarere Linie?

Zangerl: Wir haben klare Regeln für Geimpfte und Genesene, es braucht auch klare Regeln für Ungeimpfte bzw. die Gruppe, die sich regelmäßig testen lassen muss. Es hat keinen Sinn, hier den Druck immer mehr zu erhöhen. Es braucht etwa dauerhaft Gratis-Tests und länger gültige PCR-Tests. Es muss aber klar sein, dass wir damit nur sehr langsam an die Verhältnisse etwa in Dänemark herankommen werden. Damit werden uns die Einschränkungen noch lange erhalten bleiben. Fakt ist aber auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können sich keinen weiteren Lockdown mehr leisten, im wahrsten Sinne des Wortes, das muss uns bewusst sein. Die AK fällt deshalb den Beschäftigten nicht in den Rücken, wie einige wenige glauben. Aber es muss klar sein, dass es auch beim Thema Corona Regeln geben muss, denn Corona als Dauerzustand kann niemand wirklich wollen.

Was sind die Alternativen?

Die immer noch zu geringe Impfquote sorgt weiterhin für Einschränkungen. Deshalb fordert AK Präsident Erwin Zangerl klare Regelungen. Wer nicht geimpft ist, braucht die Möglichkeit von Tests und  muss davon – auch zum Eigenschutz – Gebrauch machen. Schwierig wird es, wenn jemand jegliche Schutzmaßnahmen ablehnt. „Die AK setzt sich seit jeher für sichere Arbeitsplätze ein, dazu zählt auch, dass die Gesundheit der Beschäftigten nicht gefährdet sein darf. Jeder muss sich deshalb des Risikos bewusst sein, das er für sich und andere eingeht, wenn er sich nicht schützt“, so Zangerl.

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„Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen gegen die Kalte Progression oder soziale Ungerechtigkeiten aussprechen statt gegen die Impfung.“

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