30.4.2018

AK Präsident Erwin Zangerl zum 1. Mai: „Unsere Arbeitnehmer-Familien arbeiten, um zu leben - nicht umgekehrt!“

„Zum Tag der Arbeit stellt sich mehr denn je die Frage, wie es die Regierung mit den Arbeitnehmer-Familien, dem Wert der Arbeit und den Arbeitnehmer-Vertretungen hält,“ sagt AK Präsident Erwin Zangerl. „Das gilt auch für den von der Regierung geplanten gesetzlich verordneten 12-Stunden-Arbeitstag. Denn eines steht fest: Die Arbeitnehmer-Familien leben nicht, um zu arbeiten. Sondern sie arbeiten, um davon zu leben! Sorge bereitet aber auch, dass die Regierung den Dialog verweigert und stattdessen allzu einseitig parteipolitisch agiert und agitiert.“

„Unser Land hat sich stets ausgezeichnet durch den Dialog, durch Meinungsvielfalt und durch gegenseitige Akzeptanz und Toleranz. Diese Tugenden scheinen nichts mehr zu zählen. Sozialpartner und Experten werden auf die Seite geschoben, es wird parteipolitisch agiert und agitiert. Derzeit verweigert die Regierung den Dialog, statt Gemeinsamkeiten zu verhandeln. Ist das die neue Form des Regierens, die uns versprochen wurde?“, so Zangerl.

„Zu einem neuen Miteinander würde gehören, dass Teile der Politik, Wirtschaft und Industrie die Arbeitnehmer nicht zusätzlich verunsichern, indem unser Staat krankgejammert wird, Pensionskürzungen und Spar-Dogmen propagiert werden und auf die Sozialpartner nicht mehr gehört wird. Menschen sind kein Kostenfaktor. Es geht um gute Arbeit und gerechte Gehälter, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Statt Kürzungsdebatten braucht es eine Aufbruchsstimmung und weitere Maßnahmen zur Konjunkturbelebung“, so der Arbeiterkammer-Präsident.

Zangerl: „Vernünftige Argumente haben leider derzeit wenig Wirkung. Statt gesundem Hausverstand regieren Fake-News. Die angeblichen finanziellen Entlastungsmaßnahmen für die Arbeitnehmer durch eine Senkung der AK Beiträge sind der gleiche Taschenspielertrick wie der Anschlag der Regierung auf die AUVA, AMS oder Sozialversicherungen. Da geht es nicht um Verbesserungen oder Einsparungen! Da geht es um Macht und Einfluss auf die wesentlichsten Säulen unseres Sozialstaates. Hier drohen ein massiver Soziallabbau und eine Umverteilung von unten nach oben. Man ist ein paar Großindustriellen im Wort. Die Industrie hat Dinge bestellt, die Regierung muss Ergebnisse liefern. Was als Unterstützung im Wahlkampf geflossen ist, muss als Dividende zurückkommen.“

Zangerl weiter: „Das gilt auch für den von der Regierung geplanten gesetzlich verordneten 12-Stunden-Arbeitstag. Was können die Arbeitnehmer-Familien von einer Regierung erwarten, die so einen Unfug gesetzlich verordnen will? Wie einseitig wirtschaftshörig oder schlicht kurzsichtig ist denn das! Einfach die Arbeitszeit nach oben zu schrauben, ist angesichts der bevorstehenden Herausforderungen der Digitalisierung und des damit verbundenen enormen Produktivitätszuwachses keine Lösung. Nein, vielmehr würde das der Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Österreich schaden! Und es ist eine weitere Maßnahme für noch weniger Planbarkeit und noch weniger Flexibilität der eigenen Entwicklungsmöglichkeiten.

Ein Arbeitstag mit 12 Stunden, eine Arbeitswoche mit 60 Stunden schränken die Möglichkeit zur Weiterbildung ein und verschärfen den Fachkräftemangel. Ein 12-Stunden-Arbeitstag ist schlecht für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und schadet der Gesundheit der Menschen. Die schon bisher zwischen den Geschlechtern, aber auch den Beschäftigten insgesamt ungerechte Arbeitszeitverteilung würde durch eine Erhöhung der Arbeitszeithöchstgrenzen noch ungünstiger. Dass lange und überlange Arbeitszeiten krank machen, ist ebenso wissenschaftlich nachgewiesen, wie das stetige Abnehmen der Arbeitsproduktivität und die erhöhte Fehleranfälligkeit ohne ausreichende Erholungsphasen.

In Wirklichkeit geht es der Wirtschaft um die generelle Möglichkeit, Arbeit auf Abruf umzusetzen - und die Regierung will das verordnen! Da ist dann plötzlich keine Rede mehr vom Schutz der Familien und des kleinen Mannes oder gar von christlich-sozialer Gesinnung. Eine gesetzliche 12-Stunden-Regelung erhöht den Druck auf die Beschäftigten und zerstört die Familien- und Freizeit-Struktur in unserem Land.

Die Arbeitnehmer-Familien leben nicht, um zu arbeiten, sondern sie arbeiten, um davon zu leben. Das muss auch eine noch so wirtschaftsliberale Regierung endlich zur Kenntnis nehmen,“ so der Tiroler AK Präsident.