Geldscheine © M. Schuppich/stock.adobe.com
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1.7.2020

Lohnnebenkosten runter: massive Nachteile für alle!

Glaubt man den Vertretern der Wirtschaft, dann scheint die Senkung der Lohnnebenkosten ein Allheilmittel zu sein. Auch jetzt, in der Corona-Krise, soll es die Senkung richten. Dabei scheint vielen nicht klar zu sein, was überhaupt mit den Lohnnebenkosten finanziert wird und wer sie zahlt. Eine Analyse tut not…  

Ökonomen, Präsidenten, Wirtschaftsbosse – kaum einer gibt derzeit ein Statement ab, in dem es nicht um die Senkung der Lohnnebenkosten geht. Denn die Wirtschaft braucht Geld und einen ordentlichen „Wumms“.  Aber wohin würde dieser Schritt führen, und was ist es wirklich, das von den Vertretern der Wirtschaft nicht mehr bezahlt werden soll? Und wer soll dann die Entlastung zahlen? 

Um die Lohnnebenkosten ranken sich zahlreiche Mythen, nur wenige sprechen aber offen aus, dass eine Senkung fatale Folgen hätte. Warum ist eigentlich einfach zu erklären: Die Dienstgeberbeiträge zur Sozialversicherung für Arbeiter und Angestellte (= Lohnnebenkosten im engeren Sinn) beinhalten die Krankenversicherung (3,78 %), die Unfallversicherung (1,20 %), die Pensionsversicherung (12,55 %), die Arbeitslosenversicherung (3 %), den Wohnbau-förderungsbeitrag (0,5 %), den Zuschlag zum Insolvenz-Entgelt-Fonds (0,2 %), den Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (3,9 %) und  die Kommunalsteuer (3 %, siehe dazu auch Seite 2). Zu den Lohnnebenkosten im weiteren Sinn zählen auch Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Entgeltfortzahlungen bei Krankenstand, Arztbesuchen, Urlaub etc., gesetzliche Abfertigung und Zuschläge (z. B. bei Überstunden) und Zulagen.

Betrachtet man diese Fakten, wird schnell klar: Eine Senkung der Lohnnebenkosten gefährdet die Absicherung im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität und Alter ebenso wie die Familienbeihilfe. Weihnachts- und Urlaubsgeld werden weniger, ebenso die Abfertigungen, das Krankengeld und die Pension (lesen Sie dazu auch den Kommentar li.). Der ohnehin teils prekäre finanzielle Spielraum der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würde sich weiter verkleinern. Wer also den jetzt beschworenen „Wumms“ bei einer derartigen „Senkung“ mit voller Wucht spüren würde, wären die Beschäftigten und der Sozialstaat: Beiden würde ein großer Teil der finanziellen Grundlage entzogen.

OFFEN GESAGT

„Die Unternehmer sollen sagen, welchen Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung der Arbeiter und Angestellten sie nicht mehr zahlen wollen!“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

OFFEN GESAGT

„Eine Senkung der Lohnnebenkosten gefährdet die Absicherung im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität und Alter ebenso wie die Familienbeihilfe. Weihnachts- und Urlaubsgeld werden weniger, ebenso die Abfertigungen, das Krankengeld und die Pension.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

Lohnnebenkosten: Die Fakten

Die Lohnnebenkosten müssen runter!, so die reflexhafte Forderung mancher Wirtschaftsvertreter. Auch jetzt wieder, nach Ende des Corona-Lockdown. Was sind aber die Lohnnebenkos­ten? Und wäre es eine gute Idee, diese zu senken? Die Antwort ist schnell gegeben: Nein, denn es zeigt sich, sie sind alles andere als „neben“-sächlich!

Wahr ist: Die Arbeitskosten sind in Österreich im internationalen Vergleich relativ hoch. Das deshalb, weil Sozial- und Gesundheitsstandards zum Nutzen der Bevölkerung auf ein gutes Niveau gebracht wurden. Das hat sich auch bei Bewältigung der aktuellen Corona-Krise bislang sehr gut bewährt.

Mit den Lohnnebenkosten werden unter anderem Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung finanziert. Es findet sich auch ein Beitrag zum sogenannten Insolvenz-Entgelt-Fonds darin. Dieser sichert die Löhne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Falle der Insolvenz des Arbeitgebers. Und der Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds finanziert einen Teil der Familienbeihilfe, die von allen, also auch von den Unternehmerinnen und Unternehmern – einkommensunabhängig übrigens – bezogen werden kann. Kurz gesagt: Lohnnebenkosten finanzieren einen erheblichen Teil des sozialen Netzes in unserem Land. Hier Einschnitte zu fordern, heißt, wissentlich die soziale Sicherheit und Gesundheitsversorgung in Österreich zu schwächen! 

Fakt ist, dass diese scheinbar so lästigen Lohnnebenkosten unser soziales Netz absichern und dadurch einen weitgehenden Schutz im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Unfall garantieren. Im Übrigen auch die Pensionen.

 Darüber hinaus gab es bereits Senkungen in den letzten Jahren. Eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten würde letzten Endes nichts anderes heißen, als die soziale Absicherung in Österreich zu gefährden. Krisenzeiten wie diese zeigen, dass das keine gute Idee ist.

Lohnnebenkosten: Die Zahlen

Bei der Verrechnung von Löhnen und Gehältern wird vom Bruttobezug, inklusive der Entlohnung für Überstunden, Sachbezüge, Zuschläge und dergleichen, zunächst der Dienstnehmeranteil zur Sozialversicherung in Höhe von 18,12 % abgezogen. Darin enthalten sind die Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung sowie die AK Umlage und die Wohnbauförderung. Der Dienstgeberanteil zur Sozialversicherung beträgt 22,76 % vom Bruttolohn. Darin enthalten sind neben der Kranken-, Pensions-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung auch der Wohn­bauförderungsbeitrag, der Zuschlag nach dem Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz und der Beitrag zur betrieblichen Mitarbeitervorsorge (Abfertigung neu). Hinzu kommen ein Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds und die Kommunalsteuer von insgesamt 6,9 %. 

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„Die Unternehmer sollen sagen, welchen Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung der Arbeiter und Angestellten sie nicht mehr zahlen wollen!“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

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„Eine Senkung der Lohnnebenkosten gefährdet die Absicherung im Falle von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität und Alter ebenso wie die Familienbeihilfe. Weihnachts- und Urlaubsgeld werden weniger, ebenso die Abfertigungen, das Krankengeld und die Pension.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident