Mann fängt Eurozeichen © jozsitoeroe
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2.7.2019

Einkommen: Was die einzelnen Branchen zum Lohn beitragen

Dass die Einkommenssituation in Tirol österreichweit zu den schwächsten zählt, ist allgemein bekannt. Doch wie sieht eine Analyse aus, die die Gesamteinkommen betrachtet? Aus welchen Branchen der Tiroler Wirtschaft stammen eigentlich die Einkommen der Tirolerinnen und Tiroler? Von den Gehältern der Beschäftigten welcher Branchen wird die höchste Lohnsteuer gezahlt? Eine Analyse der AK Wirtschaftsexperten gibt darüber Auskunft.

Die Analyse der Einkommen konzentriert sich meistens auf die individuelle Ebene. Wie hoch ist das Einkommen pro Kopf? Interessant und aufschlussreich ist es aber auch, die Blickrichtung einmal umzudrehen und die Gesamteinkommen in Tirol zu betrachten. Aus welchen Branchen der Tiroler Wirtschaft stammen eigentlich die Einkommen der Tirolerinnen und Tiroler? Von den Löhnen und Gehältern der Beschäftigten welcher Branchen wird die meiste Steuer bezahlt? Beantwortet werden diese Fragen mit der Lohnsteuerstatistik der Statistik Austria aus dem Jahr 2017 – der derzeit aktuellsten Einkommensstatistik.

Übersicht über die Einkommen

Zunächst eine generelle Übersicht zu den Tiroler Einkommen: Die Tirolerinnen und Tiroler erzielten im Jahr 2017 ein Bruttoeinkommen von rund 11,7 Milliarden Euro. Auf die männlichen Beschäftigten entfiel davon eine Summe von 7,5 Milliarden Euro, also rund zwei Drittel. Die weiblichen Beschäftigten erzielten 4,2 Milliarden. Der Hauptgrund für dieses Ungleichgewicht war, dass Frauen in Tirol sehr viel häufiger in Teilzeit arbeiteten, als die Männer.

Ganzjährig Vollzeit zu arbeiten bedeutet, das ganze Jahr hindurch ohne saisonale oder sonstige Erwerbsunterbrechungen im Rahmen einer Vollzeitstelle erwerbstätig zu sein. Obwohl das auf weniger als die Hälfte – rund 46 % – der Tiroler Beschäftigten zutraf, war die ganzjährige Vollzeitarbeit für die Einkommenssituation in Tirol enorm wichtig. 75 % aller Bruttoeinkommen, 75 % der Sozialversicherungsbeiträge und 87 % der Lohnsteuer wurden von den ganzjährig Vollzeitbeschäftigen in Tirol erzielt bzw. geleistet. 

Einkommen nach Branche

Wenden wir uns der Frage nach der Herkunft der Einkommen nach Branchen zu. Die wichtigste Einzelbranche für die Einkommen in Tirol war im Jahr 2017 die Sachgüterproduktion, also Industrie und Gewerbe. 2,3 Milliarden Euro Bruttoeinkommen erzielten die Beschäftigten dieser Branche, das entspricht rund einem Fünftel des gesamten Tiroler Einkommens. Da der Großteil der Beschäftigten in der Produktion Männer waren, entfielen mit 1,8 Milliarden Euro mehr als drei Viertel der Einkommen auf die männlichen Beschäftigten.

Bruttoeinkommen 2017 © AK Tirol
Bruttoeinkommen 2017 © AK Tirol

Ein Viertel des Gesamteinkommens der Männer in Tirol stammt aus der Sachgüterproduktion. Aber nur 11 % der Tiroler Fraueneinkommen. Für die Einkommen der Frauen war die Beschäftigung im öffentlichen Bereich enorm wichtig. Man kann in diesem Zusammenhang von einem „öffentlichkeitsnahen Sektor“ sprechen: Dieser umfasst die folgenden drei Wirtschaftsabschnitt der offiziellen Statistik der Wirtschaftsaktivitäten (ÖNACE): die öffentliche Verwaltung (Abschnitt O), das Schul- und Erziehungswesen (Abschnitt P) und das Gesundheits- und Sozialwesen (Abschnitt Q). Zusammengenommen erhielten die Beschäftigten dieses öffentlichkeitsnahen Sektors rund 3 Milliarden Euro Bruttoeinkommen, 26 % des Tiroler Gesamteinkommens. Damit wäre der öffentliche Bereich sogar noch vor Industrie und Gewerbe die wichtigste Einkommensquelle der Tirolerinnen und Tiroler gewesen. 19 % der männlichen Einkommen entstammten dem öffentlichkeitsnahen Bereich. Bei den Frauen machte dieser aber 39 % der gesamten Einkommen aus! Das bedeutet, ohne die Beschäftigung im öffentlichen Bereich sähe die Einkommenssituation der Tirolerinnen viel schlechter aus.

Bruttoeinkommen nach Branchen in % © AK Tirol
Bruttoeinkommen nach Branchen in % © AK Tirol


Die Beschäftigten im Handel erzielten rund 1,6 Milliarden Euro Bruttoeinkommen, was einem Anteil von 13 % des gesamten Tiroler Einkommens entsprach und den Handel an der dritten Stelle im Branchenvergleich positionierte. An vierter Stelle mit einem Brancheneinkommen von 0,9 Milliarden Euro und einem Anteil von 8  % der Tiroler Einkommen ordnete sich der Bausektor ein. Auch in dieser Branche waren die Beschäftigten zum überwiegenden Teil Männer. 

Bruttoeinkommen nach Branchen 2017 © AK Tirol
Bruttoeinkommen nach Branchen, Männer-Frauen © AK Tirol

Tourismus: Nur 7 Prozent  

„Tourismus“ gibt es offiziell nicht als Branche, aber Kernbereiche davon werden mit dem Wirtschaftsabschnitt I, „Beherbergung und Gastronomie“ abgedeckt. Traditionell erhält diese Branche in Tirol viel Aufmerksamkeit. Dennoch, zum Gesamteinkommen der Tirolerinnen und Tiroler trugen Beherbergung und Gastronomie lediglich 7 % der Bruttoeinkommen bei. Dies lag zum einen an der weit verbreiteten Saisonarbeit, die natürlich Wochen und Monate ohne Erwerbseinkommen mit sich bringt (Transferleistungen wie Arbeitslosengeld werden in der Lohnsteuerstatistik nicht erfasst), und auch am vergleichsweise niedrigen Einkommensniveau in der Branche. Lokal, d. h. in den Regionen mit intensivem Fremdenverkehr, war die Bedeutung von Beherbergung und Gastronomie für die Gesamteinkommen natürlich größer.

Steuerleistung nach Branchen: Wer zahlt wieviel Lohnsteuer?

Wer zahlt wieviel Lohnsteuer?

Steuern gehören zu den weniger beliebten, aber notwendigen Tatsachen in einem modernen Staat, von dem die Bürgerinnen und Bürger wichtige Dienstleistungen erwarten. Die Lohnsteuer, welche die Beschäftigten abführen, ist die aufkommensstärkste Steuer in Österreich. In Tirol wurden im Jahr 2017 rund 1,5 Milliarden Euro an Lohnsteuer von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bezahlt. Die Lohnsteuerleistung der Beschäftigten einer Branche hängt dabei stark mit der Verteilung der Einkommen zusammen, da in Österreich das Einkommen progressiv besteuert wird. D. h. Personen mit hohem Einkommen zahlen verhältnismäßig mehr Lohnsteuer, als Personen mit niedrigem Einkommen. Sehr viele Teilzeit- oder Saisonarbeitende zahlen überhaupt keine Lohnsteuer, da sie unter der jährlichen Lohnsteuergrenze verdienen. Das bedeutet: Branchen mit hohen Anteilen solcher Arbeitsformen, tragen schlussendlich wenig zur Lohnsteuerleistung bei.

Lohnsteuer nach Branchen 2017 © AK Tirol
Lohnsteuer nach Branchen 2017 © AK Tirol

Die meiste Lohnsteuer wurde von den Beschäftigten von Industrie und Gewerbe abgeführt, insgesamt knapp 327 Millionen Euro im Jahr 2017. Der öffentlichkeitsnahe Bereich, der aus drei Wirtschaftsabschnitten gebildet wird — O (öffentliche Verwaltung), P (Erziehung und Unterricht) und Q (Gesundheits- und Sozialwesen) – lag mit einer Lohnsteuerleistung von 405 Millionen Euro sogar darüber. Zusammen bezahlten die Beschäftigten des öffentlichen Sektors und von Industrie und Gewerbe fast die Hälfte (48 %) der gesamten Tiroler Lohnsteuer.

Der Handel trug weitere rund 12 % (182 Millionen) bei. Die Saisonbranchen Bau und Beherbergung und Gastronomie lagen deutlich darunter. Der Bausektor lag mit einer Lohnsteuerleistung von rund 120 Millionen Euro bei  8 % der Tiroler Lohnsteuer. Der Wirtschaftsabschnitt Beherbergung und Gastronomie trug mit insgesamt 58 Millionen Euro knapp 4 % zur gesamten Tiroler Lohnsteuersumme bei. Die Beschäftigten der Tiroler Verkehrs- und Transportbetriebe (Wirtschaftsabschnitt H) kamen bei einem annähernd gleich hohen Bruttoeinkommen wie in Beherbergung und Gastronomie auf fast die doppelte Lohnsteuerleistung (102 Millionen Euro). Das zeigt deutlich, wie sehr die Verteilung der Einkommen auf die Lohnsteuerleistung in einer Branche wirkt.

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