26.11.2014

AK Präsident Erwin Zangerl: EU-Gelder für alle im ländlichen Raum in Tirol!

„Wir verwahren uns dagegen, den ländlichen Raum in Tirol mit dem bäuerlichen gleichzusetzen, wie dies einzelne Bauernfunktionäre und jetzt der Landwirtschaftsminister permanent behaupten“, stellt AK Präsident Erwin Zangerl fest. „Der größte Teil der Bevölkerung im ländlichen Raum sind Arbeitnehmer-Familien. Und für deren Wohl werden wir gemeinsam mit den Gemeinden Sorge tragen, damit wichtige Einrichtungen wie Kinderbetreuung oder Altenwohnheime in den Gemeinden gefördert und errichtet werden können. Das hat aber schon gar nichts mit Förderungen für Bauernhöfe zu tun, die sich laut Landwirtschaftsminister und Agrarlandesrat jetzt sogar noch auf Alten- oder Kinderbetreuung spezialisieren sollen. Hier stellt sich die Frage, was bäuerliche und was gewerbliche Tätigkeit ist. Bauernhöfe als Urlaubsquartiere, Traktoren mit Riesenanhängern, die von Fahrverboten ausgenommen sind, Transporteure, Buschenschanken als Konkurrenz zur Gastronomie, der Verkauf von Produkten, die weit über die eigene bäuerliche Erzeugung gehen. Irgendwo muss eine Grenze gezogen werden. Die aufgeblähten Landes-, Bundes- und EU-Förderungen für die Bauern müssen irgendwann einmal ausreichen, um ihr Überleben abzusichern. In Tirol sind dies pro Jahr 58 Millionen Euro aus Steuermitteln! Das stellt sich die Frage, wieviel von diesen Geldern tatsächlich bei den einzelnen Bauern ankommt, und was in diversen Verbänden und Vereinen versickert“, so der AK Präsident.

Fördertopf nicht nur für Landwirte

Zangerl: „Und noch etwas muss endlich deutlich gemacht werden. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren steht der milliardenschwere EU-Fördertopf zur Entwicklung des ländlichen Raumen nicht mehr ausschließlich für Landwirte zur Verfügung, wie fälschlich kolportiert wird. Er wird vielmehr seinem eigentlichen Namen gerechter und lässt einen Teil des Geldes auch jener ländlichen Bevölkerung zukommen, die keinen Bauernhof zu Hause hat. Das ist nämlich schon seit Jahrzehnten die Mehrheit im ländlichen Raum.“

offen gesagt

„Wir werden uns zukünftig auch dafür einsetzen, dass diese Fördersummen in den Gemeinden tatsächlich in jene Projekte zur Verbesserung der sozialen Dienstleistungen fließen, für die sie vorgesehen sind, und zwar für alle ländlichen Bevölkerungskreise.“

AK Präsident
Erwin Zangerl

Fördergeld richtig verteilen

Auf Betreiben der Arbeiterkammer Tirol konnte nunmehr erstmals auch in Österreich erreicht werden, dass für die nächsten sieben Jahre zumindest ein Teil der Fördergelder zur Entwicklung des ländlichen Raumes allen Bewohnern des ländlichen Raumes zu Gute kommt, und zwar für soziale Dienstleistungen. Darunter fallen Maßnahmen zur Schaffung, Verbesserung oder Ausdehnung von Kinderbetreuungseinrichtungen, für psychosoziale Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen und älteren Mitmenschen, aber auch für Investitionen zur Schaffung von mobilen Diensten sowie Hol-, Bring- und Servicediensten oder ambulanten Gesundheitsdienstleistungen und vieles mehr.

Inverstitionen in die Zukunft

Zangerl: „All dies sind Investitionen in die Zukunft des ländlichen Raumes, die dringend nötig sind, um den Lebensraum außerhalb der Ballungszentren lebenswert und zukunftsfähig zu gestalten. Jene knapp 11 Millionen Euro, die für Tirol seitens der EU hierfür explizit zur Verfügung gestellt werden, sind zwar nur ein Anfang, müssen aber durch nationale Mittel immerhin verdoppelt werden. Die AK konnte somit erstmals durchsetzen, dass EU-Förderungen für den ländlichen Raum nicht als reine Förderungen für die Landwirtschaft zu verstehen sind, wie dies die zuständigen Landwirtschaftsminister und Agrar-Landesräte noch immer gerne vermitteln.“