Frau vor Autobahn © RioPatuca_Images/adobe.stock.com
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Endlich handeln: AK Tirol fordert Offensive beim Lärmschutz!

Für Tirol mit seinen engen besiedelten Gebirgstälern sollen endlich niedrigere Lärmschwellenwerte festgelegt werden, wie sie die WHO-Guideline für den alpinen Raum vorsieht: Mit 50 statt bis zu 70 dB bei Tag und 40 statt bis zu 60 dB nachts. Lärmschutzmaßnahmen sollen nach dem Verursacherprinzip finanziert werden.

Von Kufstein bis zum Brenner, von Nikolsdorf bis zum Arlberg, vom Außerfern über den Reschen und durch das Oberinntal, Zillertal, Wipp- und Stubaital, Zirlerberg und Seefelder Plateau oder Achental: Überall in Tirol ist der Lärm Dauerthema. Denn der Verkehr nimmt seit Jahrzehnten zu und damit auch die Belastung samt negativer Auswirkungen wie Schlafstörungen, hoher Blutdruck, erhöhtes Herzinfarktrisiko und Belastungen fürs Gesundheitssystem.

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offen gesagt

„Wir fordern, dass die Systematik zum Ermitteln der Schwellenwerte deutlich überarbeitet wird, damit die Werte künftig auf tatsächlichen Messungen und nachvollziehbaren Daten beruhen statt auf Annahmen!“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

Zu hohe Schwellenwerte

Derzeit liegt der sogenannte Tag-Abend-Nachtlärmpegel für Straßenverkehr bei 60 dB, für Flugverkehr bei 65 und für Schienenverkehr bei 70 dB, der Nacht-Lärmpegel zwischen 22 und 6 Uhr beträgt um jeweils 10 dB weniger. Für Industrie und Gewerbe gelten 55 bzw. nachts 50 dB.

Damit liegen die österreichischen Schwellwerte über jenen anderer europäischer Länder. Dies, obwohl die Lärmbelastung für die Bevölkerung in Tirol durch die Berge als topografische Besonderheit weit größer ist als etwa in flachen Regionen. Laut einer aktuellen Zusammenfassung aus internationalen Übersichtsstudien der WHO für die Jahre 2000 bis 2014 sind vom Lärm sowohl der Dauersiedlungsraum betroffen, als auch Erholungs-, Tourismus- und Ruheräume.

Empfehlungen der WHO zielen – unabhängig von der Lärmquelle – auf einen viel niedrigeren Schwellenwert von 50 dB am Tag und 40 dB in der Nacht ab. (Inntal und Wipptal bleiben aufgrund der starken Beeinträchtigung außer Acht.)

Nachvollziehbare Daten

Zum Schutz der Menschen im Land unterstützt die AK Tirol seit März 2018 die Aktion „Lärmschutz-Offensive Tirol“. „Für die engen Gebirgstäler mit starker Hangbesiedelung und -bewirtschaftung braucht es dringend besondere Schutzmaßnahmen“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. „In einem ersten Schritt fordern wir, dass die Systematik zum Ermitteln der Schwellenwerte deutlich überarbeitet wird, damit die Werte künftig auf tatsächlichen Messungen und nachvollziehbaren Daten beruhen statt auf Annahmen!“

Diese „Annahmen“ sind auch Grund dafür, dass Lärmschutzmaßnahmen, wie Einhausungen, Lärmschutzwände, Tempolimits, lärmmindernde Straßenbeläge etc. bei weitem nicht die nötigen Reduktionen bringen. Denn derzeit werden für die „Berechnung“ gemessene Lärmpegel und angenommene Höchstgeschwindigkeiten und Verkehrsfrequenzen vermischt, und diese Werte stimmen nicht mit dem Lärm überein, der beim menschlichen Ohr ankommt.

Außerdem brachte die AK Tirol zu den „Umgebungslärm-Aktionsplänen 2018“ des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus im Juni fundierte Stellungnahmen ein. Auf Basis der Aktionspläne sollen künftig in jenen Gebieten Maßnahmen für die Bevölkerung gesetzt werden, in denen die festgelegten Schwellenwerte laufend überschritten werden, etwa mit dem Ausweisen von lärmberuhigten Gebieten.

AK Forderungen

Die Vollversammlung der AK Tirol fordert die zuständigen Ministerien und das Land Tirol auf, die WHO-Guidelines für den alpinen Raum mit 50 dB bei Tag und 40 dB bei Nacht als Lärmschwellenwerte festzulegen. Außerdem sollen Lärmschutzmaßnahmen für Betroffenen künftig auf Basis des „Durchführungsprotokolls Verkehr“ der Alpenkonvention nach dem Verursacherprinzip finanziert werden, also mit den Erlösen der ASFINAG aus Maut, Road-Pricing und Vignetten, aber auch aus den hohen Erlösen des Lkw-Tanktourismus und den hohen Steuereinnahmen aller Verkehrsmittel.