29.9.2016
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Zu niedere Mauttarife lassen Brenner-Transit steigen. AK fordert Maßnahmen, um eine weitere Zunahme zu verhindern!

Die Senkung der Sondermaut am Brenner zu Beginn des Jahres führte zu einem eklatanten Anstieg der LKW Fahrten. Um eine weitere Zunahme des Transitverkehrs durch Tirol zu verhindern, muss die dafür verantwortliche Eurovignetten-Richtlinie schnellstens geändert werden, fordert die AK. Weiters verlangt sie in allen Mitgliedsstaaten eine echte Kostenwahrheit im Verkehr und die Sicherstellung, dass der Brennerbasistunnel nach seiner Fertigstellung auch genutzt wird.

Derzeit führt die Kommission eine Konsultation zur Eurovignettenrichtlinie durch. Diese Richtlinie regelt die Mautgebühren, die Mitgliedstaaten auf ihrem Autobahnnetz einheben dürfen. Da hier vorgeschrieben ist, dass sich die Mautgebühren an der Errichtung, Erhalt und Betrieb der Straßen zu orientieren haben, bedeutet dies de facto eine Deckelung der maximalen Mauthöhen. Die Senkung der Sondermaut am Brenner zu Beginn des Jahres wurde von Seiten des zuständigen Bundesministeriums mit dieser Regelung begründet. Damit wird offensichtlich, wie wichtig es ist, diese Richtlinie zu ändern, um eine weitere Zunahme des Transitverkehrs durch Tirol zu verhindern! Denn die Gründe, warum der Brenner die meistgenutzte Transitstrecke über die Alpen ist und allein im ersten Halbjahr 8 % mehr LKW-Fahrten registriert wurden als im Vorjahr, liegt auf der Hand: Die Maut entlang des gesamten Korridors ist insgesamt zu niedrig. Die anderen alpenquerenden Korridore durch die Schweiz und Frankreich sind deutlich teurer mit dem Resultat, dass sich der Umweg über den Brenner lohnt. Da spielen höhere Personalkosten aufgrund der längeren Fahrt keine Rolle.

Unter der Lupe

Die Arbeiterkammer Tirol hat die Mauttarife in Österreich und den anderen Alpenstaaten genau untersucht. Das Ergebnis: Auch wenn die Maut durch Tirol relativ hoch ist, relativiert sie sich, da sowohl Italien und vor allem Deutschland weit weniger Maut auf ihren Autobahnabschnitten verlangen. Und da Frächter viel längere Teilstücke durch Deutschland und Italien zurücklegen als durch Tirol, fällt die Tiroler Maut insgesamt nicht wirklich ins Gewicht. So kostet der Kilometer durch Tirol etwa 62 Cent für einen fünfachsigen LKW der saubersten Schadstoffkategorie In Deutschland und Italien sind es aber unter 20 Cent – weniger als ein Drittel. Das Ergebnis ist, dass für die ca. 400 km lange Strecke München-Verona insgesamt eine Maut von etwa 117 Euro zu bezahlen ist (siehe Anhang 1).

Durch die Schweiz haben große LKW – abhängig vom Gewicht, Schadstoffklasse und dem Wechselkurs – jedenfalls über 70 Cent zu berappen. Für die Strecke Basel-Mailand, die ca. 350 km lang ist, ergibt sich eine Maut von etwa 233 Euro und damit fast das Doppelte im Vergleich zur Strecke Verona-München. Und das, obwohl diese Strecke kürzer ist. Noch extremer ist die Situation im Transit zwischen Italien und Frankreich: Mit dem Mont-Blanc-Tunnel und dem Frejus-Tunnel gibt es zwei relevante Korridore. Da hier allein zur Durchfahrt des Tunnels 317 Euro verlangt wird, sind beiden Routen automatisch um ein vielfaches teurer als jene über den Brenner.

Mautpolitk muss sich ändern

Aber auch die Maut in Österreich ist zu niedrig – trotz Sondermaut im Unterinntal und am Brenner ist die derzeitige Maut für LKW der saubersten Schadstoffklasse heute geringer als 2004. Zum Vergleich: Für diesen Zeitraum liegt die Inflation bei 28 %. Somit ist klar, dass sich Umwege über den Brenner sich nur deshalb lohnen, weil die Mauten in den verschiedenen Ländern so unterschiedlich sind. Die Arbeiterkammer Tirol fordert deshalb:

  • Staaten müssen die Maut als Instrument für eine vernünftige Verkehrspolitik zurückbekommen! Es darf nicht sein, dass Mitgliedstaaten ihre Mauten – wie im vergangenen Jahr die Sondermaut am Brenner – senken müssen, weil sie nicht europarechtskonform sein sollen!
  • Es braucht eine stärkere Kostenwahrheit im Verkehr in allen Mitgliedstaaten: Es kann nicht sein, dass auf weiten Teilen des europäischen Autobahnnetzes die Maut für LKW so niedrig ist, dass sich Umwege von mehreren hundert Kilometern für internationale Frächter lohnen

Die Bauarbeiten am BBT gehen weiter voran. Es muss deshalb endlich auf europäischer Ebene sichergestellt werden, dass der neue Tunnel nach Fertigstellung auch genutzt wird. Fahrverbote – wie zum Beispiel das sektorale Fahrverbot – oder die Anhebung der Maut galten bisher als EU-rechtswidrig. Ohne Änderung auf Europäischer Ebene wird der Tunnel ein Milliardengrab, der keine Entlastung für die transitgeplagte Tiroler Bevölkerung bringt. Denn welcher Frächter soll seine Güter durch den Tunnel schicken, wenn das Benutzen der Autobahn billiger ist?

LKW-Maut für die Strecke Verona-München © -, AK Tirol
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