Krankenschwester betreut einen Mann © Robert Kneschke/stock.adobe.com
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Pflegelehre: Falscher Weg?

Mit einer neuen Pflegelehre soll Nachwuchs ausgebildet werden. Für die AK Tirol ist dies aus mehreren Gründen undenkbar. Statt einer „Ökonomisierung“ dieses sensiblen Bereiches braucht es unter anderem bessere Arbeitsbedingungen und Unterstützung bei Umschulungen.

Der Personalmangel im Pflegebereich sorgt in Österreich seit Jahren für Diskussionen um eine Pflegelehre. Jetzt soll – allen massiven Kritiken zum Trotz – im Schuljahr 2021/22 eine Pflegelehre mit einem Abschluss als Pflegefachassistenz starten, um, so die Befürworter, die Jugendlichen nicht zu verlieren.

Doch es gibt viele wichtige Aspekte, die gegen eine solche Lehre sprechen.

Schulversuch

So wurde die Politik dem Ansatz, Jugendliche zu gewinnen, bereits gerecht: Mit einer „Pflege-Ferrari“ als Schulversuch, der im Herbst startet und der die theoretischen Inhalte einer Pflegeassistenzausbildung integriert. Die Praktika im Langzeit- und Akutbereich werden nach dem Schulabschluss absolviert.

Übrigens muss auch im Falle einer Einführung der Pflegelehre eine praktische Ausbildung im Akutbereich gewährleistet werden – im Sinne einer Gleichwertigkeit zu den bestehenden Pflegeberufen, denn nur damit kann der Bereich auch einmal gewechselt werden.

Der Personalmangel in der Altenpflege ist jedoch nicht nur fehlendem Nachwuchs geschuldet, sondern auch den hinlänglich bekannten schlechten Arbeitsbedingungen. Diese zu beheben, muss ein wesentliches Ziel sein!

„Der Mangel an diplomiertem Personal in Pflegeheimen führt bereits jetzt dazu, dass Auszubildende nur unzureichend angeleitet und begleitet werden können“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. „Wie soll man unter diesen Bedingungen auch noch einer Pflegelehre gerecht werden, bei der Lehrlinge ausreichend betreut werden müssen?“

Dies gilt auch für die angedachte Erwachsenenlehre. Sie ist umso mehr zu hinterfragen, als die Ausbildung zur Pflegefachassistenz mit zwei Jahren noch immer ein Jahr unter der einer Lehrausbildung liegt.

AK Forderung

„Anstatt eine Pflegelehre einführen zu wollen, sollten Umschulungen in einem Pflegeberuf für Erwachsene ausreichend finanziell unterstützt und Pflichtpraktika der Pflegeschüler und FH-Studenten angemessen entlohnt werden“, so Zangerl.

Soziale Kompetenz

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass der Pflegeberuf soziale Kompetenzen erfordert und nicht von jedem ausgeübt werden kann. Zum Schutz der anvertrauten Personen unterliegen Gesundheitsberufe einem strengen Berufsrecht mit Tätigkeitsvorbehalten und müssen geschützt werden. Zangerl: „Als Lehrberufe würden sie aber über die Wirtschaft organisiert und damit auch einer Ökonomisierung unterworfen. Das ist undenkbar für den sensiblen Bereich!“

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