6.4.2017
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Kinderbetreuung im Fokus: Studie zur LEADER-Region Kufstein zeigt Spannungsfeld, AK fordert Ausbau des Angebots für ganz Tirol

818 Haushalte mit 1.414 Kindern im Alter zwischen 3 und 10 Jahren beteiligten sich an der Erhebung, die vom Institut für Soziologie der Universität Innsbruck durchgeführt wurde. In der AK Kufstein wurden die Ergebnisse präsentiert und diskutiert.

Arbeit – Familie – Kinderbetreuung: Diesen Spagat zu bewältigen, bedeutet nicht nur für die meisten Familien eine große Herausforderung, sondern auch für die politisch Verantwortlichen, die die Rahmenbedingungen schaffen sollen.

Studie „Kinderbetreuung im Fokus“

 Im Rahmen eines EU-kofinanzierten LEADER-Projekts wurde nun die konkrete Situation in der Region Kufstein und Umgebung – Untere Schranne – Kaiserwinkl (KUUSK) erhoben: Dazu wurde das Innsbrucker Uni-Institut für Soziologie von AK Tirol und KUUSK-Regionalmanagement mit einer Studie beauftragt. Ihr Titel: „Kinderbetreuung im Fokus: Zum Verhältnis von Betreuungsangebot, Arbeitsmarkt und familiärer Praxis“. Die Ergebnisse wurden jetzt in der AK Kufstein von den Autoren Dr. Bernhard Weicht und Jutta Torggler  präsentiert.

AK Präsident Erwin Zangerl freute sich sehr, dass er neben vielen interessierten Zuhörern auch Bundesrätin Nicole Schreyer, Landesrätin Beate Palfrader, Landagsabgeordnete Dr. Bettina Ellinger, Kufsteins Bürgermeister und KUUSK-Obmann Martin Krumschnabel, AK Vorstand Werner Salzburger sowie weitere Repräsentanten der Vereinsgemeinden und des AMS zur Präsentation samt Diskussion begrüßen konnte.

Forschungsanliegen 

Wie organisieren Familien ihre Kinderbetreuung? Wie wird sie mit dem Arbeitsleben vereinbart? Welchen Einfluss haben Möglichkeiten der Kinderbetreuung? Und welche Engpässe treten auf? – Diese Fragen standen von März 2016 bis Februar 2017 im Zentrum der Erhebung, für die 818 Haushalte mit 1.414 Kindern im Alter zwischen 3 und 10 Jahren einen Fragebogen ausgefüllt haben.

Das Ergebnis in Kürze: Arbeitsmarkt, Kinderbetreuungsangebot, Familiensituation sowie Einstellungen und Meinungen bilden das Spannungsfeld, in dem sich die Familien wiederfinden und in dem sie die für sie individuell beste Lösung zu finden versuchen. Deshalb fällt die Entscheidung, von wem Kinder betreut werden sollen, auch individuell aus – je nach dem sozialen Kontext und den Möglichkeiten, die den Familien offen stehen.

Unterm Strich zeigt sich: Mütter übernehmen – außer vormittags – den ganzen Tag über die weitaus meisten Betreuungszeiten. Kinderbetreuungseinrichtungen spielen hingegen am Vormittag die weitaus größte Rolle.

Dies spiegelt sich auch bei der Erwerbstätigkeit wider: 22 % der befragten Frauen sind nicht berufstätig, 69 % sind unselbständig, 9 % selbständig berufstätig. Von jenen, die einer Beschäftigung nachgehen, arbeiten nur 10,7 % zwischen 31 und 40 Stunden pro Woche und 4,5 % mehr als 40 Stunden. 30,7 % der berufstätigen Frauen arbeiten 21 bis 30 Stunden, 40,3 % 11 bis 20 Stunden und 13,8 % weniger als 10 Stunden. Grund dafür ist aber nicht nur ein traditionelles Familienmodell, meist spielt auch eine Rolle, dass die Männer besser verdienen und es für sie immer noch problematisch sein kann, eine Karenz bei ihrem Arbeitgeber zu rechtfertigen.

Aber auch der Wiedereinstieg kann für die Mütter schwierig werden. Denn für viele bedeutet es einen hohen organisatorischen Aufwand, Arbeits- und Kinderbetreuungszeiten unter einen Hut zu bringen.

„Der Wunsch der Mütter, möglichst lange bei ihren Kindern zu bleiben, ist absolut legitim und zu begrüßen“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. „Trotzdem darf die Realität nicht ausgeklammert werden: Es ist Fakt, dass viele Partnerschaften nicht mehr ein Leben lang halten. Doch genau an diesem Modell orientieren sich viele Politiker.“ Die Folge: Frauen geraten immer stärker unter Druck. Viele müssen zum Familieneinkommen beitragen, damit das Budget fürs Leben reicht. Von rund 80.000 Müttern in Tirol versuchen mehr als 56 %, den Anforderungen in Familie und Beruf gerecht zu werden. Daraus resultiert aber auch, dass viele von Altersarmut bedroht sind, weil sich niedrige Einkommen aus Teilzeitarbeit natürlich auf die spätere Pension auswirken.


AK Forderungen für Familien 

Die Politik muss dafür sorgen, dass unsere Familien eine Zukunft haben. Die AK Tirol hat die Landesregierung aufgefordert, das Angebot an qualitativ hochwertigen, ganztägigen und ganzjährigen Kinderbetreuungseinrichtungen gerade auch für unter Dreijährige zügig auszubauen. Außerdem soll ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für die 2- bis 6-Jährigen verankert werden.

Dazu muss aus Sicht der AK Tirol die Finanzierung fair geregelt werden: Gemeinden, die mehr Plätze schaffen, sollen auch mehr Geld erhalten. Deshalb soll das im Regierungsprogramm vorgesehene Pilotprojekt für den aufgabenorientierten Finanzausgleich im Bereich Kinderbetreuung als erster Schritt umgesetzt werden. Die AK Studie „Aufgabenorientierter Finanzausgleich am Beispiel der Elementarbildung“ bietet dazu eine fundierte Grundlage.

Das bringt gleich mehrere Vorteile: Der konsequente Ausbau der Kinderbetreuung schafft nicht nur bessere Bedingungen für die Familien und die Erwerbstätigkeit der Eltern, sondern auch tausende zusätzliche Arbeitsplätze in den Betreuungseinrichtungen, das belebt Konsum und Konjunktur.

 

Studiensplitter

  • 80 % der Befragten gaben an, dass Kinder bis zu 3 Jahren in der eigenen Familie am besten betreut sind, weitere 17 % gaben „eher ja“ an.
    Ähnlich hohe Werte gab es auf die Frage, ob die Mutter die wichtigste Bezugsperson für ein Kind ist: 67 % antworteten mit „ja“, 26 % mit „eher ja“ in Bezug auf bis zu 3-jährige Kinder.
    Diese Werte sinken dann je nach Altersgruppe.
  • Bei älteren Kindern glauben hingegen mehr Eltern, dass der Besuch einer Kinderbetreuungsstätte wichtig für die Entwicklung des Kindes ist.

Unterschiede wurden auch je nach Wohnort festgestellt – zumal Eltern in der Stadt Kufstein ein wesentlich größeres Angebot vorfinden als in ländlicheren Regionen, aber auch nach dem Bildungsgrad.

Studie zur LEADER-Region Kufstein © -, -
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