11.10.2016

Nadina Strobl wurden vom Landesgericht Innsbruck 567.000 Euro zugesprochen

Zermürbende Jahre liegen hinter der Familie Strobl aus Kufstein. Als wäre die Tragödie um ihre Tochter Nadina nicht schon schlimm genug, die seit einer Leistenbruch-Operation schwer behindert ist, mussten die Eltern auch noch gegen die TILAK GmbH (nunmehr: Tirol Kliniken GmbH) um zustehende Ansprüche kämpfen. Sie wurden vertröstet und mit Ausreden und lückenhaften Gutachten abgespeist. Ab 2010 hatten sie mit der AK Tirol dann endlich einen schlagkräftigen Partner zur Seite: „Wir haben der Familie Rechtsschutz gewährt und den Arzthaftungsexperten RA Dr. Thomas Juen beauftragt, Nadinas Ansprüche durchzusetzen“, erklärt AK Präsident Erwin Zangerl. Jetzt sprach das Innsbrucker Landesgericht weitere 567.000 Euro plus Zinsen zu – zusätzlich zu den seitens der Tirol Kliniken bereits bezahlten 120.000 Euro. Außerdem haften die Tirol Kliniken für alle weiteren Schäden aus dem folgenschweren Eingriff vom 4. Jänner 2008.

Dabei sah es für die Familie nach dem folgenschweren Eingriff an der Klinik Innsbruck im Jahre 2008 sehr düster aus. Die Schiedsstelle in Arzthaftpflichtfragen bei der Ärztekammer für Tirol verließ sich auf ein unrichtiges Aktengutachten und verneinte eine Haftung der Tilak. Die ärztliche Direktion der Tilak sprach von einem „schicksalhaftem Verlauf“.

AK Rechtsschutz

 „Anfang 2010 wurden wir auf die Notlage der Familie Strobl aufmerksam und haben ihr Rechtsschutz gewährt“, berichtet AK Präsident Erwin Zangerl. „Damit konnte die AK den Eltern nicht nur die Last, sondern auch das finanzielle Risiko eines Zivilstreits gegen einen übermächtigen Gegner abnehmen“, ist AK Präsident Erwin Zangerl erleichtert. „Umso mehr freut uns dieses tolle Ergebnis.“

„Der Versicherer der Tilak, der seinerzeit nicht einmal vom Vorfall informiert worden war, weil die Klinik-Verantwortlichen keine Veranlassung dafür sahen, muss jetzt hunderttausende Euro zahlen“, berichtet Rechtsanwalt Dr. Thomas Juen, der Nadina im Auftrag der AK Tirol vertreten hat.

Schadenersatz

Erst jetzt, mehr als achteinhalb Jahre nach der Tragödie und nur mit Hilfe der AK Tirol, konnte der leidgeprüften Familie endgültig zu ihrem Recht verholfen werden: Nachdem im gegenständlichen Schadenersatzverfahren bereits im August 2014 in einem Teil- und Zwischenurteil die Haftung der Tirol Kliniken GmbH (früher Tilak GmbH) dem Grunde nach und darüber hinaus auch die Haftung für alle zukünftigen Schäden des Kindes festgestellt wurden, ging es in weiterer Folge „nur“ noch um die Höhe der bisher eingetretenen Schäden für welche die Tirol Kliniken GmbH zu haften hat.

Die Tirol Kliniken GmbH hielt die Bestreitung der Schadenshöhe leider weiterhin voll aufrecht und war – abgesehen von ihrer „Soforthilfe“ in Höhe von 70.000 Euro unmittelbar nach Klagseinbringung – lediglich zu einem Schadensakonto in der Höhe von 50.000 Euro bereit.

Nach einem weiteren 2-jährigen Beweisverfahren wurden Nadina nun am Landesgericht Innsbruck rechtskräftig nochmals 567.000 Euro zuzüglich Zinsen in Höhe von rund 79.000 Euro zugesprochen. Dieses Geld fließt zusätzlich zu den früheren Akonto-Zahlungen und wird dringend gebraucht, um den Alltag zu bestreiten.

Darüber hinaus muss die Tirol Kliniken GmbH übrigens Verfahrenskosten im Ausmaß von 88.000 Euro bezahlen (die Kosten der eigenen Rechtsvertretung der Tirol Kliniken sind hiebei noch gar nicht inkludiert).

Von wegen „schicksalhafter Verlauf“

Nadina wird im November neun Jahre alt. Durch den massiven Gehirnschaden kann sie weder gehen, noch frei sitzen oder zielgerichtet handeln. Sie kann nicht sprechen, nicht bildlich wahrnehmen, ihre Motorik ist schwer beeinträchtigt und sie leidet unter epileptischen Anfällen.

Umso bedrückender ist da die Gewissheit, dass die Eltern ohne die Hilfe der AK Tirol auf verlorenem Posten gestanden wären. Allein mit den offenen Fragen und der Angst vor einer ungewissen Zukunft, während sie sich aufopfernd um ihr schwer behindertes Kind kümmern, das rund um die Uhr Betreuung, Förderung und Hilfe braucht. Abgespeist mit der billigen Mär vom schicksalhaften Verlauf. Denn von einem Behandlungsfehler wollte niemand etwas wissen.

Doch mit der AK kam Bewegung in den Fall. Der Patientenentschädigungsfonds des Landes, von dem die Eltern 30.000 Euro erhielten, wollte ebenfalls Antworten. Und so wurde ein umfangreiches anästhesiologisches Gutachten bei Prof. Dr. Jochen M. Strauß, einem renommierten deutschen Kinderanästhesisten, in Auftrag gegeben.

Dieses Gutachten brachte im März 2011 die Wende. Und trotzdem mussten die weiteren Etappensiege hart erkämpft werden. Denn um eine rasche faire Lösung waren die Tirol Kliniken nicht bemüht. Im November 2011 – kurz nach Klagseinbringung - boten sie zwar einen Vergleich über 250.000 Euro an, allerdings sollten damit auch alle weiteren Ansprüche abgegolten sein. Auch die Frage der Haftung für künftige Schäden musste erst das Landesgericht Innsbruck – im August 2014 – entscheiden.

Der Kampf geht weiter

Auch wenn der Ausgang dieses Verfahrens für die Familie Nadinas ein positiver ist, so gibt es dennoch einen „Wermutstropfen“.

Die Tirol Kliniken verweigerten nämlich bis zuletzt ein Haftungsanerkenntnis hinsichtlich der Schadenersatzansprüche der Eltern Nadinas, sodass aufgrund der drohenden Verjährungsgefahr für die Eltern ebenfalls eine Schadenersatzklage gegen die Tirol Kliniken eingebracht werden musste. In diesem Verfahren bestreiten die Tirol Kliniken übrigens jene Behandlungsfehler, die im zwischenzeitlich abgeschlossenen Verfahren über Nadinas Ansprüche bereits rechtskräftig festgestellt wurden.

Aber auch die außergerichtlichen Vergleichsverhandlungen über weitere Schadenersatzpositionen, wie beispielsweise die Kosten für die Übersiedlung in eine behindertengerechte Wohnung, drohen zu scheitern.

Die AK Tirol wird der Familie weiter zur Seite stehen.

offen gesagt

 „Anfang 2010 wurden wir auf die Notlage der Familie Strobl aufmerksam und haben ihr Rechtsschutz gewährt“, berichtet AK Präsident Erwin Zangerl. „Damit konnte die AK den Eltern nicht nur die Last, sondern auch das finanzielle Risiko eines Zivilstreits gegen einen übermächtigen Gegner abnehmen.“

AK Präsident
Erwin Zangerl

hintergrund

Mit der AK kam Bewegung in den Fall. Der Entschädigungsfonds des Landes für Patienten, von dem die Eltern 30.000 Euro erhielten, wollte ebenfalls Antworten. Und so wurde ein umfangreiches anästhesiologisches Gutachten bei Prof. Dr. Jochen M. Strauß, einem renommierten deutschen Kinderanästhesisten, in Auftrag gegeben.Dieses Gutachten brachte im März 2011 die Wende.

chronologie und zitate

Chronologie

Nadina wird am 24. November 2007 geboren.

Bei einer Leistenbruchoperation am 4. Jänner 2008 in der Innsbrucker Kinderklinik kommt es zu schweren Komplikationen, ein massiver Gehirnschaden wird diagnostiziert.

Im Dezember 2008 schalten die Eltern mit der Patientenvertretung des Landes Tirol die Schiedsstelle der Ärztekammer ein. Ein offensichtlich lückenhaftes anästhesiologisches Gutachen folgt. Darin heißt es, dass kein ärztliches Fehlverhalten vorliege und dass es sich um einen schicksalhaften Verlauf handle. Die Schiedstelle gibt auf Basis dieses Gutachtens keine Empfehlung auf Schadenersatz für Nadina ab.

2009 leitet die Staatsanwaltschaft Innsbruck strafrechtliche Ermittlungen ein (das Strafverfahren endet mit einem Freispruch).

2010 erfährt die AK Tirol von der Tragödie. Sie gewährt Rechtsschutz und beauftragt RA Dr. Thomas Juen mit der Vertretung für Nadina.

Im März 2011 liegt das Strauß-Gutachten vor. Die wesentlichen Ergebnisse:

  • Nadina war vor der Operation gesund.
  • Bei der Narkose gab es erhebliche schadensursächliche Sorgfaltsmängel, die durchgehende Überwachung zwischen Operations-Ende und Aufwachraum fehlt.
  • Erhebliche Zweifel an der Richtigkeit des Anästhesieprotokolls
  • Infusionsfehler, mangelhafte Dokumentation zur Infusionsmenge
  • Notwendige Untersuchungen im Aufwachraum wurden unterlassen, die Verlegung auf die Intensivstation erfolgte verspätet.
  • Dürftige bzw. mangelhafte Dokumentation, teilweise fehlende bzw. verspätete Diagnostik in der Intensivstation.

Dennoch bleibt ein Haftungsanerkenntnis der Tirol Kliniken (damals Tilak) aus.

25.8.2011 RA Dr. Juen bringt beim Landesgericht Innsbruck eine zivilrechtliche Schadenersatzklage ein – samt Feststellungsbegehren für die Haftung für sämtliche künftigen Schäden.

29.8.2011 Die Tilak zahlt 70.000 Euro Schmerzengeld.

Mit Schreiben vom 18.11.2011 bietet die Tilak zwar einen Vergleich über pauschal 250.000 Euro an, allerdings sollten damit auch alle weiteren Ansprüche abgegolten sein

Am 20. August 2014 stellt das Landesgericht Innsbruck im Zivilverfahren mit Teil- und Zwischenurteil fest, dass das Klagebegehren über 368.280,27 Euro dem Grunde nach zu Recht besteht. Außerdem wird festgestellt, dass die Tilak für sämtliche zukünftige behandlungskausale Schäden Nadinas haftet. Dieses Urteil wird rechtskräftig, die Tilak bestreitet die Höhe der geltend gemachten Schadenersatzforderungen jedoch weiterhin.

28.11.2014 Die Tilak zahlt weitere 50.000 Euro (30.000 Euro Schmerzengeld, 20.000 Euro für Pflegeaufwand).

Am 15. Februar 2016 wird das Leistungsbegehren auf 724.506,33 Euro ausgedehnt. (400.000 Euro Schmerzengeld, 375.474,80 Euro Pflegeaufwand, 25.000 Euro Verunstaltungsentschädigung, Fahrtkosten etc. abzüglich der bereits geleisteten 120.000 Euro).

Mit 27. Juni spricht das Landesgericht Innsbruck 567.123,24 Euro zu. Darin enthalten sind u.a.
150.000,00    Euro Schmerzengeld
355.474,80    Euro für den Pflegeaufwand
  25.000,00    Euro Verunstaltungsentschädigung


Zusammen mit den insgesamt 100.000 Euro Schmerzengeld, die der Haftpflichtversicherer der Tirol Kliniken (neben den 20.000 Euro für Pflegeaufwand) bereits im Voraus bezahlt hat, ergibt sich einer der höchsten bislang in Österreich zugesprochene Schmerzengeldbeträge.

Nach Erhalt der vom Gericht zugesprochenen Entschädigung wurden die 30.000 Euro, die die Familie vom Patientenentschädigungsfonds erhalten hatte, wieder an diesen retourniert.

Zitate zum Fall Nadina Strobl

„Ein...Sauerstoffmangel während oder nach der Operation, der zu einer Hirnschädigung führen würde, konnte auch durch ein Gutachten der unabhängigen Schiedsstelle der Ärztekammer nicht festgestellt werden...Alles deutet aber derzeit darauf hin, dass eine angeborene Stoffwechselerkrankung vorliegt.“
Dr. Alexandra Kofler MSc., Ärztliche Direktorin LKH Innsbruck, TT, Leserbrief, 12.2.2010

„Unsere Haftpflichtversicherung wäre auch sofort informiert worden, wenn es einen Hinweis auf einen Fehler gegeben hätte.“
Dr. Alexandra Kofler MSc., TT 3.5.2010

„Nadina könnte gesund sein, wenn man richtig gehandelt hätte.“
RA Dr. Thomas Juen, 25.8.2011

„Wir haben unser sechs Wochen altes Baby im Jänner 2008 zu einer Leistenbruch-Operation in die Innsbrucker Klinik gebracht und schwerst behindert zurückbekommen.“
Mutter Indira Strobl, 25.8.2011

Zur kolportierten angeblich bereitstehenden Soforthilfe, von der niemand wusste:
„Tilak-Sprecher Johannes Schwamberger weist diese Vorwürfe (der AK, Anm.) zurück. ,Ich sehe keine Hinhaltetaktik.’ Man habe gerade im Fall Nadina kooperiert, und zwar mit der Patientenvertretung und den Betroffenen...Außerdem stehe seitens der Haftpflichtversicherung der Tilak seit Juli eine Soforthilfe bereit.“

TT, 26.8.2011

„,Von dieser angeblichen Soforthilfe haben wir überhaupt erst nach der Pressekonferenz (in der AK Tirol, Anm.) erfahren’“, teilte Juen...mit. Sowohl Tilak als auch...Versicherungs AG hätten ihm mittlerweile bestätigt, dass seine Kanzlei nicht über diese Soforthilfe informiert worden sei.“
TT, 26.8.2011

„Die AK Tirol nimmt zu unwahren Aussagen der Tilak Stellung...: In einem Telefonat mit Journalisten sei von Herrn Mag. Schwamberger...sinngemäß mitgeteilt worden, dass die...Versicherungs AG ...Rechtsanwalt Dr. Thomas Juen am 22.7.2011 für die Familie Strobl eine Soforthilfe von 70.000 Euro angeboten habe. Man hätte nur auf seine Antwort bzw. auf die Nennung einer entsprechenden Bankverbindung gewartet. Diese...Aussagen...sind schlicht unwahr!...Auch die...Versicherungs AG teilte nunmehr mit, dass die Tilak GmbH hier offensichtlich einem Irrtum unterliege und sie der Kanzlei RA Dr. Juen weder eine ,Soforthilfe’ in der Höhe von 70.000 Euro anbot noch um eine Bankverbindung ersuchte!“
Pressemitteilung der AK Tirol, 25.8.2011

„Wie bereits am 25. August telefonisch mitgeteilt, darf ich Sie auf Wunsch von Dr. Juen hiermit auch noch schriftlich informieren, dass Dr. Juen aufgrund eines Kommunikations-Missverständnisses zwischen Tilak und Haftpflichtversicherung weder von Seiten der Tilak, noch von Seiten der Haftpflichtversicherung der Tilak über den Umstand informiert worden ist, dass von Seiten der Haftpflichtversicherung eine Zahlung an die Familie Strobl freigegeben worden war. Meine Aussage, dass die Haftpflichtversicherung nur auf Kontaktaufnahme durch den Rechtsvertreter der Familie wartet’, ist damit irreführend und wird von mir zurückgezogen.“
Tilak-Presseinformation Mag. Johannes Schwamberger, 29.8.2011

„Das ist ein entwürdigendes Manöver, dass vom Kernproblem ablenken sollte – nämlich den kaputten Strukturen der Klinik!“ Dipl.-Ing. Gabriele Fischer vom Elternverein Kinderklinik, Krone, 31.8.2011

Aus dem Protokoll zur Gerichtsverhandlung am 15. Februar 2016
„Sie (Nadina, Anm.) hat Krampfanfälle und das kommt täglich vor und dann muss man sie festhalten und muss aufpassen, dass sie sich nicht verletzt. Das Problem ist, dass ihre Gesundheit eben so aktiv zerstört ist, dass sie 100 % geistig und körperlich behindert ist und damit müssen wir versuchen zu leben. Ein besonderes Problem und besonders schwer sind aber diese Krampfanfälle.“
Mutter Indira Strobl, Seite 6

„Auch hinsichtlich der Fahrtspesen wären...die Kindeseltern zur Schadenminderungsobliegenheit angehalten gewesen. Sie hätten entweder öffentliche Verkehrsmittel oder öffentliche Einrichtungen zu Fahrten verwenden bzw. in Anspruch nehmen können.“ Anwältin der Tirol Kliniken GmbH, Seite 42

„Es ist richtig, dass ich Nadina selbst mit dem Auto zu den Therapien fahre. Wenn ich gefragt werde, warum ich hier z. B. nicht öffentliche Einrichtungen in Anspruch nehme, so ist das meiner Meinung nach unmöglich.“ Indira Strobl, Seite 16

„Es ist meiner Meinung nach zu berücksichtigen, dass Nadina in keiner Phase ihres Lebens das Leben eines gesunden Menschen wird führen können und es wird sich ihr Zustand auch niemals verbessern.“ Prim. Univ.-Prof. Dr. Robert Birnbacher, Sachverständiger, Seite 31

zur Sehbehinderung: „Hier handelt es sich um eine Art Rindenblindheit, bei der sich die gesehenen Objekte nicht als Abbildungen in den Gehirnwindungen finden. Dies ist oft der Fall bei Sauerstoffunterversorgungen. Dies nennt man eine zentrale Sehstörung und es ist richtig, dass die Klägerin eigentlich kein Bild hat. Das ist de facto eine Blindheit.“ Prim. Univ.-Prof. Dr. Robert Birnbacher, Seite 33

Aus dem Urteil vom 27. Juni 2016
„Die Schädigung ereignete sich im Rahmen der Operation oder der postoperativen Phase der am 4.1.2008 durchgeführten Hernienoperation.“ Seite 13 (unter Hinweis auf die Gutachten von Prof. Dr. Birgit Ertl-Wagner, Prim. Univ.-Prof. Dr. Robert Birnbacher, Prof. Dr. Peter Marhofer)

„Dieser eingetretene Gehirnschaden und die damit verbundenen Beeinträchtigungen wären unterblieben, wenn die Mitarbeiter der beklagten Partei im Zuge der Operation und der postoperativen Versorgung die aus medizinischer Sicht angezeigten ärztlichen Handlungen, nämlich die im Teil- und Zwischenurteil angeführte Überwachung, präzise und rasche Diagnostik und Therapie, gesetzt hätten. Dieser Gehirnschaden und obige damit verbundenen Beeinträchtigungen sind nicht auf Vorschäden der Klägerin zurückzuführen. Bei der Klägerin lagen überhaupt keine Vorschäden oder Vorerkrankungen ... vor.“ Seite 14 (unter Hinweis auf die Gutachten von Prim. Univ.-Prof Dr. Birnbacher und Univ.-Prof. Dr. Peter Marhofer)

„Die Klägerin (Nadina) konnte in der Vergangenheit trotz exzellenter Förderung durch die Eltern und ausgezeichneter therapeutischer Förderung keine relevanten Defizite aufholen. Die Klägerin wird auch in der Zukunft in Folge der hypoxischen Hirnschädigung einen sehr hohen Förder- und Unterstützungsbedarf aufweisen und es wird sich an ihrer massiven Beeinträchtigung nichts ändern. Die umfassende Entwicklungsbeeinträchtigung wird in Zukunft noch stärker sichtbar werden. Sie wird immer pflegebedürftig sein. Die Klägerin wird auch in Zukunft auf Grund des erlittenen Gehirnschadens Schmerzen erleiden. Sie wird nie berufliche und soziale Integrationsmöglichkeiten haben und nie im Stande sein, ein eigenständiges Leben zu führen und einen Beruf nachzugehen und nie die Möglichkeit haben, im üblichen Maß an der Gesellschaft und im Leben auch in Form von sozialen Kontakten, teilhaben zu können.“ Seite 15 f (unter Hinweis auf das Gutachten von Prim. Univ.-Prof. Birnbacher)

Durch plötzliche Krampfanfälle kann es bei Nadina „zu Schluckstörungen und somit zu kurzfristig auftretenden Erstickungsanfällen...kommen....(Nadina) hat allein 10 bis 20 ,kleinere’ Krämpfe am Tag. Dazu kommen in regelmäßigen Abständen ,größere’ Krampfgeschehen (ca. zwei pro Woche).“ Seite 19

„Allein aus der Stundenzahl, die der Sachverständige in seinem Gutachten ermittelt hat, erschließt sich für das Gericht, dass die Eltern der Klägerin, die ihre Pflege übernommen haben, schier unmöglich Scheinendes leisten. In der mündlichen Erörterung hat der Sachverständige schließlich klargestellt, dass bei einem Pflegemehrbedarf von rund 370 Stunden im Monat – den die Klägerin in etwa in dieser Höhe schon ab 24.11.2010 hat – jedenfalls zwei Vollzeit-Pflegekräfte erforderlich sind, um den gesamten Bedarf abdecken zu können.“ Seite 36 f

„Dass die Klägerin nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Therapien, Untersuchungen udgl hätte gebracht werden können, erschließt sich jedermann beim Durchlesen der oben festgestellten Unfallfolgen und ist selbstverständlich.“ Seite 38