Teilnehmer des Josefitreffens in der AK © AK Tirol
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20.03.2019

AK Präsident Zangerl zum Landesfeiertag: Arbeitnehmer-Familien brauchen soziale Sicherheit!

„Menschenwürdige Arbeit, Wohnungen, die sich die Beschäftigten auch leisten können, und ein faires Einkommen von mindestens 1.700 Euro brutto pro Monat“, fordert AK Präsident Erwin Zangerl anlässlich des heurigen Josefstages, an dem der Landespatron und Schutzpatron der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gefeiert wird. Neben der AK Tirol haben auch ÖGB, Diözese Innsbruck, Land Tirol, Stadt Innsbruck, Gemeindeverband und das Tiroler Bündnis gegen Armut und Wohnungslosigkeit ihre Positionen eingebracht haben, wie sie sich für Verbesserungen einsetzen wollen.

Der heutige Josefitag ist für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – und damit auch für die AK Tirol - ein besonderer Tag: Schließlich wird am 19. März der Heilige Josef nicht nur als Landespatron gefeiert, sondern auch als Patron der Arbeit.

„Für die AK Tirol ist der Josefitag deshalb Anlass, darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, dass die Beschäftigten menschenwürdige Arbeitsbedingungen haben und die Familien mit dem hart erarbeiteten Einkommen auch leben können und Perspektiven vorfinden. In einer Zeit, in der eine türkis-blaue Bundesregierung offensichtlich nichts unversucht lässt, um die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schwächen, wird dies leider immer wichtiger“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. Bei der Josefsmesse, zu der AK Tirol und Diözese Innsbruck auch am heutigen Josefstag in die Innsbrucker Jesuitenkirche einladen, sind deshalb auch diese brennenden Schwerpunkte Thema.

Arbeit
Fakt ist: Statt mehr Wertschätzung für die Arbeitnehmer, die immerhin 80 % der Abgaben an den Staat leisten, erfolgte mit dem 12-Stunden-Tag ein erster massiver Rückschritt.
Einkommen. Gleichzeitig werden immer noch rund 70 Millionen Überstunden nicht entlohnt und Tiroler Beschäftigte verdienen für gleiche Arbeit immer noch um mehrere hundert Euro pro Monat weniger als jene in anderen Bundesländern.

So zeigt der aktuelle Arbeitsklimaindex, dass 30 Prozent der Tiroler Beschäftigten gerade über die Runden kommen, für 6 Prozent reicht das Einkommen nicht aus. Das bedeutet: Mehr als ein Drittel der Tiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kämpft sich Monat für Monat weiter, in der Hoffnung, keine unnötigen Ausgaben tätigen zu müssen. Gleichzeitig machen steigende Belastungen, psychischer Stress, Zeitstress, Isolation am Arbeitsplatz, physische Belastungen und Innovationsstress den Beschäftigten zu schaffen.

1.700 Euro brutto 
AK Präsident Zangerl: „Die Tirolerinnen und Tiroler sind es gewohnt, hart und fleißig zu arbeiten. Diese Arbeit hat Respekt verdient, und dieser Respekt muss sich auch in der Geldtasche bemerkbar machen. Denn man muss von seiner Arbeit auch leben können. Tirol aber ist ein Hochpreisland mit hohen Lebenshaltungs- und Wohnkosten, da halten die Einkommen nicht mit. 1.700 Euro brutto, 14 Mal im Jahr, entsprechen etwa 10 Euro netto pro Stunde. Das sollte die Arbeit der Beschäftigten mindestens wert sein.“
Wohnen. Zangerl: „Beim Thema Wohnen ist die Landesregierung am Zug: Es kann nicht sein, dass Tirols Beschäftigte mancherorts mehr als die Hälfte ihres Einkommens allein für das Wohnen hinblättern müssen. Die angekündigten Maßnahmen wie soziale Wohnbauoffensive, Bau eines Studenten-Campus und die Aktivierung von Bauland müssen endlich umgesetzt werden.“

offen gesagt

„Für die AK Tirol ist der Josefitag deshalb Anlass, darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, dass die Beschäftigten menschenwürdige Arbeitsbedingungen haben und die Familien mit dem hart erarbeiteten Einkommen auch leben können und Perspektiven vorfinden. In einer Zeit, in der eine türkis-blaue Bundesregierung offensichtlich nichts unversucht lässt, um die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schwächen, wird dies leider immer wichtiger.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident


Josefitreffen in der AK Tirol

Bereits am Nachmittag kamen die Vertreter zahlreicher Sozialeinrichtungen in die AK Tirol in Innsbruck zum Josefitreffen. Sie helfen das das ganze Jahr über verzweifelten Menschen, die nach Verlust der Arbeit oder Wohnung oder durch eine schwere Krankheit aus der Bahn geworfen werden. Sie erfahren täglich hautnah, wo die Not besonders groß ist und wo gegengesteuert werden muss. Durch die Vernetzung im Josefitreffen kann besonders gezielt geholfen werden.

7 Positionen für soziale Sicherheit und gegen Armut

„Für das heurige Treffen haben AK Tirol, ÖGB und Diözese Innsbruck, aber auch Land Tirol, Stadt Innsbruck, Gemeindeverband und das neue Bündnis ihre Positionen übermittelt, mit denen sie sich für Verbesserungen einsetzen“, berichtet Sozialethiker Dr. Lothar Müller, der das Josefitreffen initiiert hat.

AK Tirol: 
Es darf in unserem Land niemand allein gelassen werden. Die Menschen brauchen soziale Sicherheit und wirtschaftliche Perspektiven. Wir werden die Anliegen des Josefikreises in der Tiroler Sozialpartnerschaft deutlich einbringen. Arme und Armutsgefährdete gibt es in allen Berufen und in allen Bevölkerungsgruppen! Bei den mehr als 335.000 Beratungen, die wir pro Jahr für die AK Mitglieder durchführen, wird unser Augenmerk auch auf die Armutsprävention gelegt. Besonders bei der Beratung zu den Einkommen und in Folge davon bei den niedrigen Pensionen der Frauen. Als erste Initiative bietet die AK kostenlose Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Frauen nach Karenz oder Familienzeit an. Viel zu oft hängt noch immer der Schulerfolg der Kinder von der Brieftasche der Eltern ab. Auch hier werden wir mit direkter Beratung noch weiter ansetzen. Denn eine gute Berufsausbildung und die richtige Qualifikation sind die besten Rezepte für höhere Einkommen und eine klare Antwort auf den so oft beklagten Facharbeitermangel.

ÖGB: 
Der Debatte rund um die Höhe der Mindestsicherung begegnet der ÖGB Tirol mit der Forderung nach einem KV-Mindestlohn von mindestens 1.700 Euro brutto, da Löhne und Gehälter so hoch sein müssen, dass man davon leben kann. Derzeit ist es so, dass der Großteil der Mindestsicherungsbezieherinnen und -bezieher sogenannte „Aufstocker“ und Kinder sind. Der Verdienst bzw. die Pensionsleistung reicht in diesen Fällen nicht aus, um Grundbedürfnisse abdecken zu können. Doch auch der neu eingeführte Deckel bei den Wohnungskosten führt zu existenzbedrohenden Situationen. Die Mindestsicherung soll – schon vom Namen her – das Mindeste gewährleisten. Das letzte soziale Netz darf nicht zu einem Spielball der Politik werden!

Diözese Innsbruck:
„Werdet nicht müde, für eine gerechte und solidarische Welt zu arbeiten. Nicht die Kultur des Egoismus baut eine bewohnbarere Welt auf, sondern die Kultur der Solidarität.“ Diese Worte von Papst Franziskus sind eine Richtschnur für unser gemeinsames Handeln. Wenn wir im Kleinen beginnen, die Welt zum Besseren zu wenden, in unseren Familien, am Arbeitsplatz, in den Schulen und Institutionen, in Kirche und Gesellschaft, dann können wir auch im Großen etwas ändern. Unser Einsatz muss in besonderer Weise jenen gelten, die an den Rand gedrängt und in Not sind. Das ist der Auftrag Jesu, an dem wir unser Leben und Handeln ausrichten.

Land Tirol: 
Wir beziehen bei sozialpolitischen Themen die Erfahrungen und Kompetenz der Sozialarbeit mit ein. Wir bekennen uns uneingeschränkt zum sozialen Zusammenhalt und sehen ihn als wesentliche Säule für eine friedliche, sichere und erfolgreiche Zukunft an.

Stadt Innsbruck: 
Innsbruck ist eine soziale Stadt. Wir dürfen und werden die Augen vor Armut nicht verschließen. Deshalb unterstreicht die Stadt Innsbruck ihre soziale Verantwortung gegenüber den Schwächsten in unserer Gesellschaft und weitet laufend die Unterstützungen für Sozialprojekte aus. Hier wäre am falschen Platz gespart.  

Gemeindeverband: 
Der Koordinator des „Josefikreises“ hat den Tiroler Gemeindeverband vor Kurzem über die Aktivitäten und Vorhaben dieses Kreises und auch über das „Tiroler Bündnis gegen Armut und Wohnungslosigkeit“ informiert. Auch wenn Armut und aktuelle Hilfsbedürftigkeit sehr oft aus Scham verschwiegen werden – in der Gemeinde weiß man um die Herausforderung. Auf kommunaler Ebene können entsprechende Lösungen in der Regel individuell und anlassbezogen gefunden werden. Wir sind daher sehr interessiert an der Arbeit des „Josefikreises“.
Tiroler Bündnis gegen Armut und Wohnungslosigkeit: Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von mehr als 300 Einrichtungen und Institutionen aus den Bereichen Arbeit, Wohnen, Soziales, Gesundheit, Bildung, Religion, Kunst und Kultur. Wir verstehen uns als Interessensvertretung von Menschen in (drohenden) existenziellen Notlagen. Wer über kein ausreichendes Einkommen verfügt, um seine Grundbedürfnisse abzudecken, braucht solidarische Unterstützung. 

Tiroler Bündnis gegen Armut und Wohnungslosigkeit: 
Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von mehr als 300 Einrichtungen und Institutionen aus den Bereichen Arbeit, Wohnen, Soziales, Gesundheit, Bildung, Religion, Kunst und Kultur. Wir verstehen uns als Interessensvertretung von Menschen in (drohenden) existenziellen Notlagen. Wer über kein ausreichendes Einkommen verfügt, um seine Grundbedürfnisse abzudecken, braucht solidarische Unterstützung.

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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

E-Mail: presse@ak-tirol.com

Telefon: +43 800 22 55 22 1300
(Kostenlose Hotline )

Fax: +43 512 5340 1290

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„Für die AK Tirol ist der Josefitag deshalb Anlass, darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, dass die Beschäftigten menschenwürdige Arbeitsbedingungen haben und die Familien mit dem hart erarbeiteten Einkommen auch leben können und Perspektiven vorfinden. In einer Zeit, in der eine türkis-blaue Bundesregierung offensichtlich nichts unversucht lässt, um die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schwächen, wird dies leider immer wichtiger.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident