Verarztung eines Verbrennungsopfers © kirov1969/stock.adobe.com
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AK Erfolg nach 20 Jahren Kampf

Nach fast zwanzig Jahren und tausenden Seiten an Akten konnte

die AK Tirol einer heute 33-Jährigen zu ihrem Recht verhelfen. Sie wurde als junge Ferialarbeiterin Opfer eines Arbeitsunfalls, der vermeidbar gewesen wäre.

Sie leidet bereits seit 18 Jahren. Als Simone S.* im Sommer 2001 in einer Tiroler Wäscherei als Ferialarbeiterin begann, ahnte niemand, dass dieser Job ihr Leben verändern sollte. Damals war sie 15, als sie beim Versuch einen Wäschestau zu beheben mit ihrer rechten Hand in die Walzen einer Bügelmaschine geriet. Eine funktionierende Abschaltvorrichtung hatte die Maschine nicht, sodass Hand und Unterarm der Jugendlichen zwischen den Walzen eingeklemmt wurden. Verbrennungen dritten Grades waren die Folge. Haut, Muskulatur, Nerven, Gelenke: Der Arm der jungen Frau war schwer geschädigt und ist es bis heute. Trotz einer scheinbar klaren Sachlage begann 2002 am Landesgericht Innsbruck ein Sozialgerichtsverfahren, das bis Ende 2018 dauern sollte. Ein Verfahren, das ohne die Hilfe der Tiroler Arbeiterkammer für das geschädigte Mädchen aufgrund des enormen Kostenrisikos nicht möglich gewesen wäre.

* Name von der Red. geändert

gut zu wissen

Integritätsabgeltung
Gemäß § 213 a ASVG gebührt Versicherten, wenn ein Arbeitsunfall durch die grob fahrlässige Außerachtlassung von Arbeitnehmerschutzvorschriften verursacht wurde und der Versicherte dadurch eine erhebliche und dauernde Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität erlitten hat, seitens der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt eine sogenannte Integritätsabgeltung.

Alle gegen eine

Konkret ging es bei dem Verfahren um die Gewährung einer sogenannten Integritätsabgeltung aufgrund des Arbeitsunfalls und der daraus resultierenden lebenslangen Behinderung (siehe Infobox unten). Und es ging für Simone S. nicht nur gegen die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), sondern auch gegen den damaligen Dienstgeber, der sich dem Verfahren als Nebenintervenient angeschlossen hatte. Eine interessante Konstellation, vor allem, da das Verfahren haarsträubende Details des Vorfalls ans Tageslicht brachte.
So wurde klar, dass weder der Dienstgeber noch irgendeine andere Mitarbeiterin Simone S. über die Sicherheitseinrichtungen der Bügelmaschine oder die beim Bügeln einzuhaltenden Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen aufgeklärt hatte. Noch dazu wies die Maschine, an der es zum Unfall kam, eine Fehlfunkton auf, über die alle anderen Beschäfigten Bescheid wussten, ebenso der Arbeitgeber. Trotzdem begann ein jahrelanger zermürbender Rechtsstreit, bei dem der Frage nachgegangen wurde, ob der mittlerweile 33-Jährigen nun diese Entschädigungsleistung zusteht oder nicht.

AK setzt sich durch 

Doch die Sozialrechtsexperten der Tiroler Arbeiterkammer begleiteten Simone S. durch die Instanzen. Bis zum endgültigen Urteil.
Und in diesem wird ausgeführt, dass jeder Arbeitsunfall, der sich im Betrieb des Arbeitgebers ereignet, sowie jede Verletzung von Arbeitnehmerschutzvorschriften im weitesten Sinn der Sphäre des Arbeitgebers zuzurechnen sind. Der Anspruch auf eine Integritätsabgeltung begründet sich zudem nicht nur aufgrund von Übertretungen der Arbeitnehmerschutzvorschriften durch den Arbeitgeber bzw. ihm gleichgestellte Personen, sondern sie wird auch durch eine grob fahrlässige Übertretung durch Arbeitskollegen wirksam.
Schlussendlich wurde Simone S. höchstgerichtlich bestätigt, dass ihr eine entsprechende Geldleistung zusteht. Ohne Hilfe der AK wäre die Frau nicht zu ihrem Recht gekommen, zumal sich am Ende Kosten von mehr als 160.000 Euro angehäuft hatten. Obwohl das Urteil letztlich zu ihren Gunsten ausfiel: Simone S. wird trotzdem nie vergessen, was im Sommer 2001 geschehen ist…

Kontakt

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Telefon: +43 800 22 55 22 1300
(Kostenlose Hotline )

Fax: +43 512 5340 1290

gut zu wissen

Integritätsabgeltung
Gemäß § 213 a ASVG gebührt Versicherten, wenn ein Arbeitsunfall durch die grob fahrlässige Außerachtlassung von Arbeitnehmerschutzvorschriften verursacht wurde und der Versicherte dadurch eine erhebliche und dauernde Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität erlitten hat, seitens der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt eine sogenannte Integritätsabgeltung.