Junge Frau hilft älteren Herren aufstehen © Robert Kneschke/stock.adobe.com
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Ausreichende Deutschkenntnisse für Pflegepersonal unumgänglich

Weil Pflegeassistenten in Tirol mittlerweile unter die Mangelberufe fallen, wird auch laut angedacht, das derzeit geltende Deutschniveau von B2 auf B1 zu senken. Doch die AK Tirol warnt: Hier geht es um die Gesundheit und Sicherheit von Betreuten und Patienten und um die Verantwortung, die auf das diplomierte Pflegepersonal zurückfällt.

Seit Jänner 2019 befindet sich die Berufsgruppe der Pflegeassistenz in Tirol und Salzburg auf der sogenannten Mangelberufsliste. Und damit werden Stimmen laut, dass man das Deutschniveau, das für Pflegeassistenten derzeit mit B2 vorgegeben ist, auf B1 senken könnte. Denn so könnten mehr Kräfte aus Drittstaaten als Pflegeassistenten engagiert werden. Als weiteres Argument wird angeführt, dass das Sprachniveau B1 für eine einjährige Ausbildung ausreichend sei.

„Die AK Experten haben jedoch große Bedenken. Deshalb sprechen wir uns ganz klar gegen eine angedachte Herabsenkung der Deutschkenntnisse aus“, betont AK Präsident Erwin Zangerl.

Die Arbeiterkammer führt im Auftrag des Bundes die Registrierung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch, die in Pflegeberufen und in gehobenen medizinisch-technischen Diensten beschäftigt sind, und ist dabei auch in die Überprüfung der Sprachkenntnisse eingebunden.

Für die AK sprechen viele Argumente gegen die Absenkung der Deutschkenntnisse:

  • Pflegeassistenten dürfen nur auf Anordnung arbeiten. Diese Anordnung erfolgt entweder durch eine Diplompflegekraft oder durch einen Arzt. Gerade im Gesundheitsbereich, aber auch in der Langzeitpflege erfolgen Anordnungen sehr rasch und es fehlt die Zeit, diese sprachlich zu umschreiben. In der Regel wird bei den Anordnungen keine Standardsprache verwendet.
  • Mangelnde Sprachkenntnisse bedeuten auch eine Zunahme der Arbeitsbelastung für jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gut deutsch sprechen.
  • Auch die Sicherheit der Patienten und der Heimbewohner ist gefährdet, denn durch nicht verstandene Anordnungen kann eine unzureichende oder falsche Versorgung erfolgen. Hier gilt es Heimbewohner, Patienten und Beschäftigte zu schützen. Denn diplomierte Fachkräfte, die die Aufsichtspflicht haben, tragen auch die Verantwortung.

Hintergrund. Sprachniveau B1 bedeutet, dass lediglich Hauptpunkte verstanden werden, wenn eine klare Standardsprache verwendet wird. Betroffen sind vorwiegend Personen aus Drittstaaten, die ihre Ausbildung nostrifizieren lassen: Sie dürfen als Pflegeassistenten arbeiten, sobald der Bescheid einer österreichischen Behörde zugestellt und die Eintragung im Gesundheitsberuferegister erfolgt ist.
Im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz heißt es zum Thema Sprachkenntnisse, dass diese „ausreichend“ sein müssen. Die Guidelines des Ministeriums definieren dies näher und geben das Sprachniveau B2 vor, weil der zuständige Beirat zur Überzeugung kam, dass B1 in diesen verantwortungsvollen Berufen zu niedrig ist und auf B2 angehoben werden muss, um „ausreichend“ zu sein.

Die AK Tirol appelliert an die Zuständigen, das vorgegebene Sprachniveau B2 beizubehalten und besser Sprachkurse anzubieten, damit auch jene dies erreichen können, die B2 noch nicht erfüllen.

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