Volksentscheid über den 12-Stunden-Tag

„Das von der türkis-blauen Regierung im Eiltempo beschlossene Gesetz des 12-Stunden-Tages bzw. der 60-Stunden-Woche ist der größte sozialpolitische Rückschritt in der Zweiten Republik“, sagt AK Präsident Erwin Zangerl. „Statt eines Husch-Pfusch-Gesetzes sollte die Haltung der Bevölkerung im Rahmen eines Volksentscheids abgefragt werden. Denn die Leidtragenden sind die Arbeitnehmer und ihre Familien.“

Sonntagsarbeit kommt

Was hier beschlossen wurde, ist arbeitnehmerfeindlich und menschenverachtend. 12-Stunden-Tag, 60-Stunden-Woche, Arbeit an vier Sonntagen oder Feiertagen. Künftig können Firmen ihre Beschäftigten an mehr als 150 Tagen im Jahr jeweils 12 Stunden arbeiten lassen. Und das wird gegen den Willen der Bevölkerung von einer ehemaligen christlich-sozialen Partei und einer Partei, die bis vor wenigen Monaten noch der Vertreter des „kleinen Mannes“ sein wollte, exekutiert.

Volk soll entscheiden

Zangerl: „Jetzt zeigt die Regierung ihr wahres Gesicht. Wenn sie sich schon im Recht fühlt, dann sollte sie die Österreicherinnen und Österreicher zu diesem gesellschaftspolitischen Thema abstimmen lassen. Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden der 12-Stunden-Arbeitstag und die 60-Stunden-Woche zum Normalfall, und sie werden noch abhängiger von den Befehlen des Arbeitgebers. Das ist der Beginn der mutwilligen Zerstörung unserer Gesellschaft, vor allem unseres Familien-, Vereins- und Soziallebens.“

Frontalangriff

Der AK Präsident: „Das Gesetz ist ein Frontalangriff auf die Gesundheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Freizeit und die Einkommen der Arbeitnehmer-Familien in einem riesigen Ausmaß. Der vor 100 Jahren von den Gewerkschaften hart erkämpfte 8-Stunden-Tag wird über Bord geworfen. Der generelle 12-Stunden-Tag, die regelmäßige 60-Stunden-Woche, werden zum gesellschaftlichen Maßstab erhoben. Aus Sicht des Arbeitsmarktes verschärft der geplante 12-Stunden-Tag die bestehende Verteilungsschieflage bei der Arbeitszeit. Damit wird die Chance vergeben, die Arbeitslosigkeit durch eine gerechtere Verteilung des Arbeitsvolumens zu reduzieren und die durch die Digitalisierung entstandenen Produktivitätszuwächse durch eine Arbeitszeitverkürzung auch den Beschäftigten zukommen zu lassen.“

offen gesagt

„Das Gesetz ist ein Frontalangriff auf die Gesundheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Freizeit und die Einkommen der Arbeitnehmer-Familien in einem riesigen Ausmaß.“

AK Präsident
Erwin Zangerl

Arbeit auf Abruf

In keinem einzigen Punkt des 12-Stunden-Tag-Gesetzes gibt es eine Verbesserung für die Arbeitnehmer. Die kurze Woche (4-Tage-Woche) ist ein Märchen, die behauptete Freiwilligkeit ein Papiertiger. Der Arbeitgeber sitzt gegenüber einzelnen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern immer am längeren Ast. Das zeigt sich deutlich in der täglichen Beratung bei den AK Experten.

Massive Schieflage

Die Verteilung der Arbeitszeit in Österreich befindet sich bereits derzeit in einer massiven Schieflage. So haben die Vollzeitbeschäftigten in Österreich mit 41,3 Stunden die dritthöchste durchschnittliche Wochenarbeitszeit in der gesamten EU. 2017 wurden rund 250 Millionen Mehr- und Überstunden von den Arbeitnehmern geleistet. 45 Millionen davon wurden weder bezahlt noch gab es dafür Zeitausgleich! Gleichzeitig gibt es viele Menschen ohne Erwerbsarbeit, aber auch Teilzeitbeschäftigte, die (mehr) arbeiten wollen, dies aber unfreiwillig nicht realisieren können. Allein die 45 Millionen an unvergüteten Mehr- und Überstunden ergeben umgerechnet 26.000 Vollzeitarbeitsplätze!

Kinderbetreuung fehlt

Nur ein (!) Prozent der Kinderbetreuungseinrichtungen in Österreich (ohne Wien) hat länger als 12 Stunden geöffnet. Knapp die Hälfte (ohne Wien) schließt bereits um 15 Uhr. Und nur jedes vierte Kind unter drei Jahren hat einen Betreuungsplatz. Mit einem 12-Stunden-Tag werden Frauen noch stärker in Teilzeit-Jobs gedrängt, mit entsprechend niedrigem Einkommen, entsprechend geringen Pensionen und der drohenden Gefahr der Altersarmut. Ist es das, was Regierung und Wirtschaft wirklich wollen?