AK Präsident Erwin Zangerl © AK Tirol/Friedle
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AK Präsident Zangerl: „Politik sollte Gemeinsames über Trennendes stellen“

Die AK wird die Herausforderungen der Zukunft im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aktiv mitgestalten. AK Präsident Zangerl: „Die Beschäftigten verdienen für ihre Leistung höchsten Respekt.“ 

TAZ: Wie schätzen Sie die Entwicklung in den kommenden Monaten ein? 
Zangerl:
Die Beschäftigten haben höchsten Respekt und Anerkennung für ihre Leistungen verdient. Die Lohn- und Gehaltsverhandlungen in den einzelnen Branchen werden auch ein Indikator für diese Wertschätzung von Seiten der Unternehmer sein. Denn Leben und Wohnen sind überdurchschnittlich teuer geworden. Auch der Arbeitsdruck wird immer stärker. Die AK ist die Anwältin von fast vier Millionen arbeitenden Menschen, und dieses Mandat nehmen wir sehr ernst. Wir sind täglich in Kontakt mit unseren Mitgliedern und wissen, wie der Alltag der arbeitenden Menschen aussieht und mit welchen Problemen sie konfrontiert sind. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeiterkammer kämpfen täglich für eine gerechtere Arbeitswelt. Mit dem AK Zukunftsprogramm haben wir unsere Leistungen in den zentralen Bereichen Digitalisierung, Wohnen, Pflege und Bildung weiter ausgebaut. Die AK wird in den nächsten 5 Jahren ihre Mitglieder allein bei der Bewältigung der Digitalisierung in der Arbeitswelt mit 150 Millionen Euro unterstützen.

TAZ: Derzeit wird über die Bildung einer neuen Regierung verhandelt. Gibt es rote Linien, die eine künftige Regierung nicht mehr überschreiten sollte?
Zangerl:
Die AK als größte gesetzliche Interessenvertretung darf nicht in ihren wichtigen Aufgaben für unser Land und für die Arbeitnehmer-Familien beschnitten werden, etwa durch Kürzung der AK Umlage. Die enormen Leistungen, die die AK erbringt – und das für im Schnitt 7 Euro pro Monat – können durch nichts ersetzt werden. Allein die jährlichen Zuwendungen der AK an das Land Tirol belaufen sich auf fast 7 Millionen Euro. Ganz zu schweigen von den mehr als 335.000 Beratungen und den 51,4 Millionen Euro, die die AK für Tirols Beschäftigte jährlich erkämpft. Die Arbeiterkammer steht für gelebte Solidarität, für Gerechtigkeit und sozialen Ausgleich.

TAZ: Trotz dieser täglichen Erfolgsgeschichten wird vor allem der AK von politischer Seite ausgerichtet, sie sollte sparsamer und effizienter werden?
Zangerl:
Wir arbeiten sparsam und effizient und werden laufend von unterschiedlichsten Instanzen, auch vom Rechnungshof, daraufhin geprüft. Wir sind die wohl bestkontrollierte Einrichtung. Dank der Beiträge unserer Mitglieder sind wir unabhängig und keiner Partei, sondern nur den Anliegen der Arbeitnehmerschaft verpflichtet. Es ist ja schon bezeichnend, dass die Forderung nach mehr Sparsamkeit gerade aus parteipolitischen Kreisen kommt, die jährlich mit zig Steuermillionen unterstützt werden. Über die teilweise fragwürdige Verwendung dieser Mittel ist ja in den letzten Monaten einiges ans Tageslicht gekommen.

TAZ: Sie gelten als Verfechter von Dialog und Zusammenarbeit. Dies in Zeiten, in denen alles auf Konflikte hin zugespitzt wird. Ist das noch zeitgemäß?
Zangerl:
Aus der Geschichte sollten wir gelernt haben, dass Ausgrenzen und Nicht-Miteinander-Reden eine immense Gefahr für unsere Gesellschaft darstellen. Wer den Dialog verweigert, verlagert die Konflikte auf die Straße. Gesetzliche Einrichtungen wie die Kammern, eine selbstverwaltete Sozialversicherung, freie und unabhängige Medien, Rechnungshof, Nationalbank, NGOs und zivilgesellschaftliche Organisationen sind zentrale Elemente unserer Gesellschaft. Richtig verstandene Regierungspolitik bedeutet, den Dialog mit all diesen demokratischen Einrichtungen zu suchen. Das heißt, sich mit den Meinungen anderer Organisationen und dem Expertenwissen auseinanderzusetzen. Nur so findet man vernünftige und nachhaltige Lösungen. Die Wirtschafts- und Sozialpartnerschaft hat immer gemeinsam mit der Regierung wichtige Maßnahmen umgesetzt, damit es den Menschen in unserem Land besser geht. Dieser Weg sollte wieder eingeschlagen werden. Österreich ist wohlhabend geworden, weil trotz aller Unterschiede stets zusammengearbeitet wurde, statt nur die eigene Macht zu stärken.

offen gesagt

„Gute Regierungspolitik bedeutet, in Dialog mit
 allen demokratischen
Einrichtungen zu treten, damit Konflikte nicht auf der Straße landen!“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

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