12.12.2017
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Neue Regierung plant 12-Stunden-Arbeitstag

Planlos. Verschlechterungen bei der Arbeitszeit dürfen keine Einbahnstraße sein, kritisiert AK Präsident Zangerl die angekündigten Regierungspläne zur Ausweitung der Arbeitszeiten.

Eine Erweiterung der Arbeitszeiten soll fixer Bestandteil des Koalitionsabkommens werden. „Aber solche Vorhaben dürfen nicht als Einbahnstraße ausgestaltet werden“, sagt AK Präsident Erwin Zangerl in Richtung der künftig Regierenden. Eine weitere Ausweitung dürfe nicht zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehen. 

Wo bleibt Vereinbarkeit Beruf und Familie?

Die Ankündigung, die Ausweitung der Arbeitszeit bei Fehlen eines Betriebsrates zum Gegenstand direkter Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern machen zu wollen, lässt bei Zangerl die Alarmglocken schrillen. „Den Beschäftigten bläst auf dem Arbeitsmarkt bereits jetzt ein kalter Wind entgegen, der Druck auf die Einzelne oder den Einzelnen könnte sich dadurch noch massiv erhöhen. Darüber hinaus weichen die Koalitionsverhandler mit diesem Vorhaben auch von ihren propagierten Programmen ab“, kritisiert der AK Präsident. So betonen beide Parteien in ihren Programmen die Notwendigkeit einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Wie dieses Versprechen mit einem 12-Stunden-Arbeitstag zusammenpasst, ist mir ein Rätsel, und das müssen mir die künftig Regierenden einmal erklären. Die Beschäftigten wollen und brauchen gerechte Entlohnung auch von Mehr- und Überstundenarbeit, Planbarkeit und Zeitsouveränität, eine Arbeit, die nicht auf Kosten der Gesundheit geht, und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

Die Gewerkschaften haben in den Kollektivverträgen ausgezeichnete Branchenlösungen verhandelt. Daher werde schon jetzt in Österreich sehr flexibel gearbeitet. Einen nicht unbeträchtlichen Teil tragen dazu auch die vielen unvergüteten Mehr- und Überstunden bei, die geleistet werden und die ausschließlich den Arbeitgebern zugutekommen. Bereits derzeit sind von den rund über 254 Millionen Überstunden, die pro Jahr erarbeitet werden, rund 52 Millionen nicht bezahlt. Ausgehend davon, dass die überwiegende Zahl der Überstunden innerhalb des gesetzlichen Rahmens geleistet wird, bedeutet die Ausweitung der Arbeitszeit, dass derzeit geleistete Überstundenzuschläge entfallen.

Es geht um viel Geld

Damit stehen bis zu 1,5 Milliarden Euro für die Arbeitnehmer auf dem Spiel: „Bei der Arbeitszeit geht es nicht nur um die Wünsche der Wirtschaft. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben ein Recht auf Familienleben und Freizeit. Wir wollen Fortschritt, keinen Rückschritt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Gesundheit der Beschäftigten sind wichtige Parameter, wenn man über eine Ausweitung der Arbeitszeiten spricht“, sagt Zangerl. „Ganz zu schweigen von den Problemen für Alleinerziehende sowie für die vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen.“

Aus arbeitsmedizinischer und arbeitswissenschaftlicher Sicht sind Arbeitszeiten von täglich mehr als acht Stunden – über einen längeren Zeitraum betrachtet – abzulehnen, weil durch die lange Arbeitsdauer körperliche, psychische und gesundheitliche Belastungen entstehen, die die Gesundheit der Beschäftigten enorm gefährden. Bei längeren Arbeitszeiten steigt die Ermüdung, was mittelfristig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Auch die Produktivität sinkt, je länger man arbeitet.

 

Arbeiten bis zum Umfallen

Leuchtturmprojekte hat die künftige Regierung angekündigt, gepaart mit Schlagworten wie: Modernität, Leistungsbereitschaft, Individualität, Flexibilität oder Entbürokratisierung.

Was sich hinter diesem Politsprech für die Beschäftigten verbirgt, zeigt sich bei der angekündigten neuen Arbeitszeit-Regelung. Die gesetzlich und kollektivvertraglich geregelte Normalarbeitszeit soll bleiben, aber die Höchstarbeitszeit könnte auf generell 60 Stunden pro Woche und 12 Stunden am Tag erhöht werden. Es würde möglich, Kollektivverträge zukünftig durch mehr Vereinbarungen auf Betriebsebene und individuelle Übereinkünfte zu umgehen.

Was könnte das heißen? Beispielsweise anhand der angedachten neuen Ruhezeitregeln im Tourismus- und Gastronomiebereich: Regelmäßig nur mehr 8 Stunden Ruhezeit, meist ohne Dienstpläne, stellen eine massive Verschlechterung für die Betroffenen dar. Man weiß aus der Arbeitsmedizin, dass lange Arbeitszeiten, gemischt mit kurzen Ruhephasen, Gift für die Gesundheit der Arbeitnehmer sind. Die Belastung sowie die Unfall- und Fehlerhäufigkeit steigen deutlich. Die wenigsten wollen unter solchen Bedingungen arbeiten. So findet die Branche gewiss nicht das dringend benötigte Personal. Dabei gibt es bereits jetzt großzügige Ausnahmeregelungen. 12-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen etwa sind bereichsweise schon jetzt möglich. Genügt das noch nicht? Müssen die Menschen noch stärker belastet werden? Die Beschäftigten wollen und brauchen gerechte Entlohnung auch von Mehr- und Überstundenarbeit, Planbarkeit und Zeitsouveränität, Arbeit, die nicht auf Kosten der Gesundheit geht, und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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