15.5.2018
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Nein zu 12-Stunden-Arbeit!

Ungeheuerlich. Die Regierung will den Arbeitnehmern den 12-Stunden-Arbeitstag gesetzlich verordnen. Das bedeutet einen unsozialen Eingriff in das Privatleben der Familien. 

Immer mehr Frauen mit Kindern unter 15 Jahren gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Der Zuwachs findet allerdings vor allem in Teilzeitarbeitsplätzen statt.

 

Arbeit aufteilen 

Dabei würden sich Eltern die Erwerbsarbeitszeit gerne ausgewogener aufteilen. Das zeigt eine FORBA-Studie im Auftrag der AK. Während sich Teilzeit beschäftigte Frauen eine höhere Arbeitszeit wünschen, möchten vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer ihre Arbeitszeit gerne verringern. Könnten diese Wünsche umgesetzt werden, wäre die Arbeitszeit von Paaren deutlich gleichmäßiger aufgeteilt, als das derzeit der Fall ist. Höhere Arbeitszeiten von Männern hingegen schränken die Berufstätigkeit von Frauen ein, wodurch für sie eine eigenständige Existenzsicherung kaum möglich ist. 

AK Präsident Erwin Zangerl: „Um die Erwerbstätigkeit der Eltern zu unterstützen, braucht es ganztägige Angebote bei der Kinderbetreuung bis zum Ende der Pflichtschule und eine Ausweitung des Rechts auf Elternteilzeit. Dabei müssen auch die Wünsche der Frauen und Männer nach ausgewogeneren Arbeitszeiten berücksichtigt werden. Die Politik muss Eltern dabei unterstützen, sich die Erwerbsarbeit gerechter aufzuteilen. Das bedeutet, auch Männer in ihrer Rolle als Väter zu stärken. Auch in diesem Bereich würde ein genereller 12-Stunden-Arbeitstag die Schere bei der Arbeitszeit noch weiter aufgehen lassen. Es braucht eine Entwicklung Richtung gesunder Vollzeit-Beschäftigung mit verkürzten Arbeitszeiten. Das würde eine ausgewogene partnerschaftliche Aufteilung der Arbeitszeit erleichtern.“ 

Überstunden Ende nie

Wie viel tatsächlich geleistet werden muss, zeigt die tägliche Arbeit der AK Juristen: Wird ein Dienstverhältnis beendet, dann fordern viele Beschäftigte endlich auch die längst fällige Bezahlung geleisteter Überstunden ein.

Zangerl: „Oft zeigt sich dann erst, welche haarsträubenden Überstundenmarathons die Menschen teils mitmachen. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass Beschäftigte zu den AK Juristen kommen, die mit 80 Überstunden in einem Monat praktisch zwei zusätzliche Wochen gearbeitet haben, aber nicht bezahlt erhielten. Ein Fünftel aller Rechtsschutzfälle betrifft Nachforderungen von Überstundenentgelten.“  

45 Millionen Überstunden sind nicht bezahlt! 

Die Zahlen der Statistik Austria belegen, wie stark die Arbeitnehmer beansprucht werden, wie flexibel sie sind – oft unbezahlt! Im Jahr 2017 wurden 250 Mio. Überstunden von den Beschäftigten geleistet. 45 Mio. davon, also etwa jede Fünfte, werden weder bezahlt noch gibt es dafür Zeitausgleich! Allein diese 45 Mio. Stunden ergeben 26.000 Vollzeitarbeitsplätze! Der Wirtschaftsaufschwung und die knappen Personalressourcen legen nahe, dass der Druck auf die Arbeitnehmer steigen wird. Damit die Belastung der Beschäftigten eingedämmt und die Arbeit besser verteilt wird, fordert die AK umgehend wesentliche Verbesserungen (siehe unten).   

8-Stunden-Tag ist in Gefahr

Acht Stunden Arbeit, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit – was wie ein Slogan aus dem 21. Jahrhundert klingt, ist in Wirklichkeit die Forderung des walisischen Unternehmers und Sozialreformers Robert Owen (1771 – 1858). Owen setzte sich damit bereits in den 1830er Jahren für die Arbeiterbewegung ein. 

Österreich

In Österreich wurde erstmals 1889 im Bergbau Seegraben ein Acht-Stunden-Tag vereinbart. Unter dem Sozialpolitiker Ferdinand Hanusch (1866 – 1923) wurde er 1918 als Provisorium für Fabriken eingeführt und 1918 gesetzlich verankert. Seither wurde die Arbeitszeit weiter reduziert. Schon der Ministerialentwurf für ein neues Arbeitszeitgesetz von 1958 (unter der ÖVP-Regierung von Julius Raab) sah im Rahmen einer etappenweisen Verkürzung der Arbeitszeit für 1. Jänner 1963 eine 40-Stunden-Woche vor. Seit dem Generalkollektivvertrag vom 1. Februar 1958 galt die 45-Stunden-Woche. Ab 1969 wurde die 40-Stunden-Woche schrittweise eingeführt: 1970 wurde die Normalarbeitszeit auf 43, 1972 auf 42 Stunden pro Woche gesenkt. 1975 wurde schließlich die 40-Stunden-Woche als Normalarbeitszeit erreicht. Seit 1985 gelten zudem für manche Branchen 38,5 Wochenstunden.

Nach den Plänen der türkis-blauen Regierung soll nun der Rückschritt erfolgen: Der 12-Stunden-Arbeitstag bzw. die 60-Stunden-Arbeitswoche sollen gesetzlich verordnet werden.

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