7.3.2016
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Frauen haben das Nachsehen: Gleichbehandlung beginnt bei Gleichbezahlung

Tiroler Frauen liegen bei den Einkommen um rund 36 % hinter den Tiroler Männern zurück. 2014 verdienten Frauen im Schnitt monatlich netto fast 600 Euro weniger als Männer. Die Ursachen: Viele arbeiten in Teilzeit sowie in niedrig entlohnten Branchen bzw. Berufen. AK Präsident Erwin Zangerl: „Gleichbehandlung von Mann und Frau beginnt auch bei der Gleichbe-zahlung. Es gibt noch viel zu tun!“

Im Jahr 2014 lag das monatliche Nettoeinkommen einer Tirolerin im Schnitt bei 1.045 Euro – und damit um 36 Prozent hinter jenem der Tiroler Männer (1.642 Euro).

Der fast 600 Euro teure Unterschied pro Monat beruht vor allem auf zwei Ursachen: Erstens arbeiten Frauen viel häufiger in Teilzeit und zweitens oft in Berufen mit niedrigerem Einkommensniveau.

Während zwei Drittel der Tiroler Männer ganzjährig vollzeitbeschäftigt sind, trifft das nur auf 32 Prozent der Frauen zu. Die Gründe sind vielfältig, Betreuungspflichten spielen jedoch eine wesentliche Rolle.

Handel und Tourismus: Frauen sind zudem häufiger im Dienstleistungsbereich tätig. Je ein Fünftel von ihnen arbeitet im Handel bzw. Tourismus – also in Branchen, die auf das ganze Jahr gesehen ein selbst für Frauen unterdurchschnittliches Einkommensniveau aufweisen. Im Handel liegt es um 7,2 Prozent unter dem Tiroler Durchschnittsverdienst von Frauen, im Tourismus sogar um 35,6 Prozent darunter.

Aber auch bei ganzjähriger Vollzeitarbeit in gleichen Branchen hinken die Fraueneinkommen hinterher: In Industrie und Gewerbe verdienen Männer rund 25 Prozent mehr. Die direkte Lohnbenachteiligung gegenüber Männern in gleichen Berufen spielt zwar eine gewisse, statistisch jedoch schwer zu erfassende Rolle. Laut Studien gehen rund 8 Prozent der Lohnunterschiede darauf zurück.

Einstufung: Fakt ist aber, dass Frauen und Männer oft verschiedene Betätigungsfelder innerhalb einer Branche besetzen. Während etwa in der Sachgüterproduktion Männer in gut entlohnten technischen Berufen zu finden sind, arbeiten Frauen in der meist geringer eingestuften Administration. Trotzdem fallen sie alle, statistisch gesehen, in die Branche „Sachgüterproduktion“.

Berufswahl entscheidend: Dennoch ist vielen noch immer nicht bewusst, wie entscheidend die Berufswahl für Einkommen und Lohnunterschiede ist: Zu den Top-Lehrberufen der Mädchen zählen Ausbildungen im Einzelhandel und im Gastgewerbe sowie Friseurin – also Berufsbilder mit meist niedrigem Verdienst. Deshalb wäre eine noch breitere Berufswahl ein wichtiger Schritt hin zur Angleichung der Einkommen.

Warum die Einkommen so niedrig sind: Am Beispiel Landeck

Ein Grund liegt in der kleinteiligen Betriebsstruktur: Kleinere Betriebe zahlen – tendenziell – niedrigere Einkommen. Weiters ist der hohe Dienstleistungsanteil zu berücksichtigen, denn mehr als die Hälfte der Frauen in Landeck arbeitet im Tourismus und Handel. Auch Bereiche außerhalb des Tourismus machen saisonale Schwankungen in den Tourismusorten mit. Hinzu kommt der geringe Anteil einkommensstärkerer Branchen an der Frauenbeschäftigung: Industrie und Gewerbe beschäftigen in Landeck nur etwa 4 % der weiblichen Beschäftigten, während im Österreich-Schnitt in diesen Branchen 9 % beschäftigt sind.

Auch der öffentlichkeitsnahe Sektor (öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen) spielt für die Einkommenssituation von Frauen in den Regionen eine tragende Rolle. In der Regel ist dies der Bereich, in dem die höchsten Fraueneinkommen erzielt werden. In Landeck ist der öffentlichkeitsnahe Sektor zwar mit einem Anteil von 24 % an weiblichen Beschäftigten die zweitwichtigste Branche nach dem Tourismus, aber im Österreich-Schnitt sind 30 % der Frauen in diesem Sektor beschäftigt.

Und letztlich ist auch eine niedrige Infrastrukturdichte Grund für niedrige Einkommen: In den ländlichen Regionen sind wichtige Infrastrukturen wie Kinderbetreuungseinrichtungen, die medizinische Versorgung, Verwaltungseinrichtungen usw. weiträumiger verteilt. Fahrten zum Arzt, „aufs Amt“ etc. nehmen daher mehr Zeit in Anspruch und sind aufwendiger, als dies etwa in der Stadt der Fall ist. Das begünstigt die Entscheidung zur Teilzeitarbeit bei Frauen, die einen Großteil der Betreuungspflichten übernehmen.

Österreichs Schlusslichter

  • 6 der 10 Bezirke Österreichs mit den niedrigsten Fraueneinkommen liegen in Tirol: 1. Landeck, 2. Zell am See, 3. St. Johann im Pongau, 4. Spittal an der Drau, 5. Lienz, 6. Imst, 7. Tamsweg, 8. Kitzbühel, 9. Schwaz, 10. Reutte
  • In Landeck, dem Bezirk mit den niedrigsten Einkommen ganz Österreichs, lagen die Jahresnettoeinkommen der Frauen um fast 29 % unter dem österreichischen Frauen-Durchschnittseinkommen.
  • Im Schnitt verdienten die Frauen in Landeck € 869 netto im Monat, der österreichische Durchschnitt lag bei € 1.180 netto im Monat (Berechnung: Jahresnettoeinkommen lt. Lohnsteuerstatistik 2014 dividiert durch 14).
  • Ein wesentlicher Grund ist, dass der Tourismus für die Frauenbeschäftigung in Landeck eminent wichtig ist. Während in Österreich im Durchschnitt nur etwa jede zehnte Frau im Tourismus arbeitet, ist es in Landeck mehr als jede dritte (Anteil: 38 %).
  • Die Einkommen im Tourismus liegen um fast 36 % unter dem Tiroler Durchschnittseinkommen von Frauen. Eine im Tourismus beschäftigte Frau im Bezirk Landeck erzielte im Schnitt ein monatliches Nettoeinkommen von € 640. Eventuelle Zuverdienste in der Zwischensaison sind in diesem Einkommen bereits berücksichtigt.
  • Saison- und Teilzeitarbeit sind wesentliche Faktoren zur Erklärung des niedrigen Einkommensniveaus, aber das schlechte Abschneiden Landecks beschränkt sich nicht nur auf den Tourismus. Denn selbst bei ganzjähriger Vollzeitarbeit – was den Großteil der weiblichen Beschäftigten im Tourismus ausschließt – liegen die Einkommen der Landecker Frauen im Schnitt um 8 % unter dem Tiroler Durchschnitt und um 15 % unter dem Österreich-Durchschnitt der Fraueneinkommen.
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