Faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für die Helden der Arbeit!

Gerechtigkeit statt Denkmäler! Ob in den Gesundheitsberufen, der Kinder- und 24-Stunden-Betreuung, im Handel, in der Reinigung, im Transportwesen oder bei Lieferdiensten: Rund 1 Million Beschäftigte in den sogenannten „systemrelevanten Berufen“ haben auch in der Corona-Krise weiter ihre Arbeit verrichtet. Und es zeigte sich, wie unverzichtbar diese ist. Doch der Arbeitsklima-Index der AK macht deutlich: In vielen Bereichen sind die Arbeitsbedingungen schlecht und das Lohnniveau niedrig.

Man könnte fast meinen, manche wollen den Heldinnen und Helden der Krise noch rasch ein Denkmal setzen – und das war es dann“, sagt AK Präsident Erwin Zangerl. „Dabei brauchen sie kein Denkmal und keinen Applaus, sondern vor allem gute Arbeitsbedingungen und faire Einkommen.“

Aber wer sind die Menschen, die in den Corona-Ausnahme- Wochen mit ihren unverzichtbaren Leistungen das Land am Laufen hielten? Und die dies ja auch schon vorher – vielfach unbeachtet – getan haben?

Das beleuchtet eine Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima-Index durch das SORA-Institut im Auftrag der Arbeiterkammer zu insgesamt elf sogenannten „systemrelevanten“ Berufsgruppen, die da wären: Kinderbildung, Kassakräfte und Regalbetreuung, Reinigungskräfte, Pflege und medizinische Betreuung, medizinische Assistenz, Alten- und Behindertenbetreuung, Lehrer, Ärzte und Apotheker, Bankangestellte, Polizei und Feuerwehr, Fahrer und Lieferdienste.

1 Million Systemerhalter

Diese Auswertung zeigt: Österreichweit arbeiten rund eine Million Beschäftigte in sogenannten „systemrelevanten“ Berufen, mehr als die Hälfte davon allein in Einzelhandel, Reinigung und als Lehrerin bzw. Lehrer.

Frauen

In acht von elf Berufen arbeiten überwiegend Frauen. Viele mit Migrationshintergrund: So haben laut Statistik Austria (2018) 56 % aller Reinigungskräfte sowie 22 % aller Kassakräfte und Regalbetreuer Migrationshintergrund.

Atypisch beschäftigt

Beschäftigte in der Reinigungsbranche sind am stärksten von potenziell prekären Arbeitsverträgen betroffen, 14 % sind geringfügig beschäftigt und 8 % in Leiharbeit. Aber auch in der Altenpflege und Behindertenbetreuung sowie im Einzelhandel sind solche Arbeitsverhältnisse häufiger zu beobachten.

Niedrige Einkommen

Von den elf als „systemrelevant“ eingestuften Berufsgruppen haben ausgerechnet jene fünf mit dem höchsten Frauenanteil Einkommen unter dem österreichischen Durchschnitt. Am unteren Ende: Reinigungskräfte und Einzelhandelsangestellte, sie verdienen im Schnitt weniger als 1.300 Euro netto pro Monat. Vor allem Reinigungskräfte (76 %) sowie Kassakräfte und Regalbetreuer (70 %) kommen mit ihren Einkommen nur knapp oder nicht aus. Hier ist der Frauen- und Migranten-Anteil besonders hoch. Die geringeren Arbeitsstunden erklären die geringeren Einkommen nur zum Teil.

Arbeitszeiten & Überstunden

Für die meisten Handelsangestellten gehört der Samstag zur Arbeitswoche. Pflegebedienstete, Ärzte und Beschäftigte der öffentlichen Sicherheit müssen mehrheitlich auch sonntags oder nachts ihren Dienst verrichten. Die Überschreitung der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit gehört für viele zum Alltag. 8 von 10 Beschäftigten in der öffentlichen Sicherheit und in Lieferdiensten müssen zumindest gelegentlich Überstunden machen, in der Gesundheit und Pflege betrifft dies 7 von 10 und fast ebenso viele Handelsangestellte.

Arbeiten & Familie

Rund ein Drittel der Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen lebt mit mindestens einem Kind unter 14 Jahren im Haushalt. Für sie sind diese Arbeitszeiten besonders schwierig. 39 % aller berufstätigen Eltern in der Altenpflege und Behindertenbetreuung und rund ein Drittel der Berufsfahrer sowie Handelsbeschäftigten sagen, dass sich ihr Beruf mit der Kinderbetreuung nur mittel bis schlecht vereinbaren lässt. Dementsprechend groß ist der Wunsch nach planbareren Arbeitszeiten und weniger Überstunden.

Hohe Arbeitsbelastung

Zeitdruck und psychische Belastungen betreffen viele Beschäftigte in den systemrelevanten Berufen. Mehr als 6 von 10 der über 45-Jährigen in der Pflege, der medizinischen Betreuung und der Reinigung und sogar 7 von 10 in der Altenpflege und Behindertenbetreuung halten es für unwahrscheinlich, bis zur Pension durcharbeiten zu können. Die ganze Studie gibts zum Nachlesen (rechts).

AK FORDERUNGEN

ENTLOHNUNG

  • Große Vermögen und Konzerne müssen gerechte Beiträge leisten. Nur so sind angemessene Gehälter möglich.
  • 1.700 Euro Brutto-Mindestlohn in den Kollektivverträgen
  • 50 % Mehrarbeitszuschlag ab der ersten Stunde

ARBEITSBEDINGUNGEN

  • Die Erfahrungen mit Kurzarbeit müssen genutzt werden mit dem Ziel einer 35 Stunden-Woche.
  • leichtere Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche
  • Anspruch auf eine Woche bezahlte Weiterbildung für alle pro Jahr
  • ausreichend Personal bei Arbeits-, Landwirtschaftsinspektion und Finanzpolizei, um die Einhaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen kontrollieren zu können

GESUNDHEITSWESEN

  • Personaleinsatz pro Dienst erhöhen und Mindeststandards für dessen Berechnung
  • verlässliche Dienstpläne

ARBEITSKLIMA-INDEX

Für den Österreichischen Arbeitsklima-Index werden vom SORA-Institut im Auftrag der AK pro Quartal österreichweit rund 1.000 Beschäftigte ab 15 Jahren zu Arbeitssituation und Arbeitszufriedenheit befragt. Für die Sonderauswertung zu den „Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in systemrelevanten Berufen in Österreich“ wurden die Daten von 2015 bis 2019 – rund 20.000 Interviews – kumuliert und elf Berufsgruppen als „systemrelevant“ definiert (ca. 6.200 Fälle).

Kontakt

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  • 1.700 Euro Brutto-Mindestlohn in den Kollektivverträgen
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ARBEITSBEDINGUNGEN

  • Die Erfahrungen mit Kurzarbeit müssen genutzt werden mit dem Ziel einer 35 Stunden-Woche.
  • leichtere Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche
  • Anspruch auf eine Woche bezahlte Weiterbildung für alle pro Jahr
  • ausreichend Personal bei Arbeits-, Landwirtschaftsinspektion und Finanzpolizei, um die Einhaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen kontrollieren zu können

GESUNDHEITSWESEN

  • Personaleinsatz pro Dienst erhöhen und Mindeststandards für dessen Berechnung
  • verlässliche Dienstpläne

ARBEITSKLIMA-INDEX

Für den Österreichischen Arbeitsklima-Index werden vom SORA-Institut im Auftrag der AK pro Quartal österreichweit rund 1.000 Beschäftigte ab 15 Jahren zu Arbeitssituation und Arbeitszufriedenheit befragt. Für die Sonderauswertung zu den „Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in systemrelevanten Berufen in Österreich“ wurden die Daten von 2015 bis 2019 – rund 20.000 Interviews – kumuliert und elf Berufsgruppen als „systemrelevant“ definiert (ca. 6.200 Fälle).