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11.6.2019

AK: Stabiler Partner auch in Krisenzeiten

Sechzig Stunden Arbeitszeit pro Woche, Null Tage Urlaub, keine Interessenvertretung:  Die Situation der Arbeitnehmer ist mehr als trist, als Karl Renner und der Metallergewerkschafter Franz Domes in den Wirren des Ersten Weltkriegs den ersten Entwurf eines Arbeiterkammergesetzes einbringen. Das war 1917. Drei Jahre später, im Februar 1920, werden die Arbeiterkammern gegründet. Sie gehen einer unsicheren Zukunft entgegen, ebenso wie Millionen von Menschen, die ein maschineller Vernichtungskrieg entwurzelt hat.

Der Schock über das Erlittene sitzt tief und so werden  die Arbeiterkammern auch als „Schutzschild“ für soziale Errungenschaften gesehen. Und die Arbeit der Arbeiterkammern wird rasch konkret. Die Arbeitszeit wird auf 48 Stunden wöchentlich gesenkt, die Arbeitnehmer erhalten eine Woche Urlaub, eine allgemeine Kranken- und Unfallversicherung wird eingeführt, ebenso eine Arbeitslosenversicherung und eine finanzielle „Entschädigung“ für Lehrlinge: Viele wichtige Neuerungen dieser Zeit tragen die Handschrift der AK. 

offen gesagt

„Ohne Dialog, ohne Zusammenarbeit und ohne gemeinsame Werte wird aber alles in Frage gestellt, was die Generationen vor uns hart erarbeitet und erkämpft haben. Wir müssen die Solidarität wieder aus der Krise führen, in die sie, ohne jede Not, gedrängt wurde.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

Anfang vom Ende 

Auf der Asche des Ersten Weltkrieges wird jedoch schon der nächste vorbereitet. Weltwirtschaftskrise, Ständestaat, Aufstieg des Nationalsozialismus: Bereits 1933 werden die Arbeiterkammern mit Hilfe von „Notverordnungen“ ausgeschaltet, 1938 werden sie aufgelöst. Erst 1945, nach Ende des nationalsozialistischen Terrorregimes, treten die Arbeiterkammern wieder auf den Plan. Und sie setzen dort fort, wo 1933 ihre freie Arbeit gewaltsam beendet wurde. In den folgenden Jahrzehnten veränderte ihr Einsatz das Arbeits- und Gesellschaftsleben grundlegend. 

Gemeinsam in die Zukunft

Kooperation statt Konfrontation heißt die Zauberformel: 1946 kommt es zur Zusammenarbeit aller Interessensgruppen – die Sozialpartnerschaft ist geboren. Sie wird zu einem Meilenstein, der uns bis heute Frieden und Wohlstand gebracht hat. 1947 werden das Sozialversicherungs-, Kollektivvertrags-, Betriebsräte- und Arbeitsinspektionsgesetz verabschiedet, die Pensionsversicherung für alle wird eingeführt, in den 1950er Jahren kommen das Mutterschutzgesetz und die 45-Stunden-Woche für alle, in den 1960ern die Verlängerung des Mindesturlaubs auf drei Wochen, in den 1970ern die 40-Stunden-Woche und das Gleichbehandlungsgesetz, in den 1980ern werden fünf Wochen Mindesturlaub für alle eingeführt. Die 1990er bringen die Väterkarenz und die Lehrlingsfreifahrt, die 2000er Jahre u. a. die Erhöhung der Bemessungsgrundlage für Zeiten der Kindererziehung: Aus keinem Lebensbereich ist die AK wegzudenken. Im Zuge der Sozialpartnerschaft gestaltete sie Österreich nach solidarischen Grundsätzen neu und verhalf dem Land zu Aufschwung und Wohlstand. Obwohl diese Leistungen nicht angezweifelt werden, wird ständig versucht, die Interessenvertretung der Arbeitnehmer zu schwächen.   

Solidarität in der Krise 

„Was wir derzeit erleben ist eine Krise der Solidarität. Einzel- und Parteiinteressen werden über das Wohl der Bevölkerung gestellt“, urteilt AK Präsident Erwin Zangerl. Es gehe nur mehr darum, einen Keil in die Gesellschaft zu treiben. „Ohne Dialog, ohne Zusammenarbeit und ohne gemeinsame Werte wird aber alles in Frage gestellt, was die Generationen vor uns hart erarbeitet und erkämpft haben. Wenn die Sozialpartner auseinanderdividiert und die Arbeiterkammern und Gewerkschaften zurückgedrängt werden, wird ein wichtiges Stück Solidarität verloren gehen. Und damit, das dürfen wir nicht vergessen, auch die Sicherheit: auf einen ordentlichen Arbeitsplatz, auf ansprechende Gesundheitsversorgung, auf Ausbildung und auf Hilfe, wenn das Tempo zu hoch geworden ist. Wir müssen die Solidarität wieder aus der Krise führen, in die sie, ohne jede Not, gedrängt wurde“, so der AK Präsident.    

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offen gesagt

„Ohne Dialog, ohne Zusammenarbeit und ohne gemeinsame Werte wird aber alles in Frage gestellt, was die Generationen vor uns hart erarbeitet und erkämpft haben. Wir müssen die Solidarität wieder aus der Krise führen, in die sie, ohne jede Not, gedrängt wurde.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident