AK Präsident Zangerl: „Wir lassen uns kein X für ein U vormachen!“

„Wir lassen uns kein X für ein U vormachen, wer die echten Leistungsträger sind“, sagt AK Präsident Zangerl. „Mit ihren Steuern und Beiträgen halten die Beschäftigten das Land am Laufen, finanzieren die Pensionen und die so wichtige Gesundheitsversorgung.“

TAZ: Herr Präsident, warum halten Ihrer Meinung nach die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unser Land am Laufen?

Zangerl: Das ist relativ leicht zu verstehen und darauf sollten wir alle stolz sein: Wir Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leisten 80 Prozent aller Steuern. Damit halten wir unser Land am Laufen. Es sind nicht Industrie oder Wirtschaft, die unseren Sozialstaat finanzieren, sondern wir leisten das, mit unseren Steuern und Abgaben, und das in einem überwältigenden Ausmaß. Die Menschen sollten sich von Seiten der Wirtschaft und den von ihr finanzierten Denkfabriken kein X für ein U vormachen lassen. Die Wirtschaftsseite, die von der Politik so wohlwollend behandelt wird, ist deswegen nicht automatisch im Recht, nur weil sie am lautesten schreit. Damit sollen wohl nur Tatsachen vernebelt werden.

TAZ: Können Sie das anhand von Beispielen konkretisieren?
Zangerl:
Das Thema Pensionen ist ein Paradebeispiel. Seit Jahren wird unser Pensionssystem schlechtgemacht. Es werden die Beschäftigten verunsichert, dass ihre Pensionen nicht mehr finanzierbar seien. Dabei wird unterstellt, nur der Staat allein finanziere die Pensionen der Arbeitnehmer. Mitnichten! Wichtig zu wissen ist: Die Arbeitnehmer zahlen sich ihre Pensionen fast zur Gänze selbst. Für die Pension eines Arbeitnehmers beträgt der Nettoaufwand des Staates pro Monat lächerliche 22 Euro. Eine Bauernpension muss hingegen mit monatlich rund 666 Euro vom Steuerzahler gesponsert werden und bei den ansonsten so dem Leistungsprinzip huldigenden Unternehmern wird jede Pension vom Steuerzahler monatlich mit 600 Euro bezuschusst. Wenn also irgendwo ein Reformbedarf besteht, dann wohl nicht beim Pensionssystem der Arbeitnehmer!

TAZ: Wie sehen Sie die Situation am Tiroler Arbeitsmarkt?
Zangerl:
Wir stellen zwei Problembereiche fest. Zum einen behauptet die Wirtschaft, händeringend nach Fachkräften zu suchen. Wenn man dann näher hinschaut,  dann betrifft dies vor allem den Sektor Tourismus, wo im Hotel- und Gaststättenbereich Koch- und Servicepersonal gesucht wird. Und auch diese Beschäftigten werden wiederum meist saisonal benötigt, also nicht einmal ganzjährig angestellt. Wie attraktiv diese Beschäftigungsform ist, wo zwar relativ gut verdient wird, aber in kurzer Zeit Maximales geleistet werden muss, soll dahingestellt bleiben. Bezeichnend für diese Situation ist, dass vor allem immer weniger Einheimische bereit sind, diese Arbeit anzunehmen. Hier sollte die Branche umdenken: ordentliche Bezahlung, korrekte Abrechnung, fixe Dienste, planbare Arbeitszeiten, 40-Stunden-Woche und ganzjährige Beschäftigung. Was in jeder anderen Branche selbstverständlich ist, sollte auch im Tourismus Arbeitsrealität werden. Dann wären auch sicher wieder mehr Einheimische bereit, in dieser Branche zu arbeiten.

„Was in jeder anderen Branche selbstverständlich ist, sollte auch im Tourismus Arbeitsrealität werden. Dann wären auch sicher wieder mehr Einheimische bereit, in dieser Branche zu arbeiten.“

TAZ: Sie gelten als starker Verfechter des Erhalts von regionalen Strukturen. Wie beurteilen Sie die derzeitigen Entwicklungen?
Zangerl:
Wir stellen fest, dass immer mehr öffentliche und halböffentlichen Betriebe aus den Regionen verschwinden. Das geht schleichend und wird dadurch vielfach kaum wahrgenommen.
Bemerkt wird diese Tendenz erst dann, wenn es zu spät ist und wieder gute und hochqualifizierte Arbeitsplätze aus der Region verschwunden sind. Egal, ob bei Post, Telekom, ÖBB, Finanz oder aktuell bei den Bezirksgerichten. Durch Zusammenlegungen haben die Regionen noch nie gewonnen, sondern immer nur die Zentralisten in Wien. So kommt es, dass in Tirol laufend gut bezahlte Arbeitsplätze verschwinden und sich diese in Wien wiederfinden. Diese Stellen gibt es dann dort meist in doppelter und dreifacher Ausführung.

TAZ: Sehen Sie hier Änderungsbedarf?
Zangerl:
Absolut. Es ist nicht einzusehen, dass sich alle wichtigen Ämter und Behörden in der Bundeshauptstadt befinden müssen. Wir lassen daher beim Institut für Föderalismus erheben, wie diese Tendenzen gestoppt werden können.

offen gesagt

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Erwin Zangerl,
AK Präsident


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Erwin Zangerl,
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