AK Präsident Erwin Zangerl © AK Tirol/Friedle
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AK Präsident Zangerl: „Mit Egoismus kommt man nicht aus dieser Krise!“

TAZ: Herr Präsident, Ihre Forderung nach einem österreichweiten Urlaubsbonus (siehe auch unten) wurde allseits positiv aufgenommen. Sind Sie überrascht?
Zangerl: Nein, auch wenn einige Wirtschaftler diesen Vorschlag mit gewisser Verwunderung aufgenommen haben. Hier herrscht scheinbar immer noch die Meinung, wir würden dem Tourismus negativ gegenüberstehen. Dem ist aber nicht so. Jedem ist bewusst, dass es sich hier um eine für das Land wichtige Branche handelt, an der viele Arbeitsplätze hängen, auch in Bezug auf tourismusnahe Betriebe. Und diese Arbeitsplätze gilt es zu sichern, dafür soll die Bundesregierung auch Geld in die Hand nehmen, um den Österreicherinnen und Österreichern einen „Urlaub daheim“ zu ermöglichen. Das wäre weit sinnvoller als eine klassische Förderung, denn was nützt ein geheiztes Hotel, wenn keine Gäste da sind? Das Geld wäre, im wahrsten Sinn des Wortes, verbrannt.
 
TAZ: Woher kommt das Bild, die AK wäre gegen den Tourismus?

Zangerl: Vermutlich von jenen, die aufgrund arbeitsrechtlich bedenklicher Behandlung ihrer Mitarbeiter mit uns Probleme bekommen haben. Es ist jedoch unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Beschäftigte zu ihrem Recht kommen. Wir reden hier auch nicht von massenhaften Verstößen, sondern von jenen schwarzen Schafen, die immer noch nicht erkannt haben, dass letztendlich ordentliche Arbeitsverhältnisse sowie geregelte Arbeitszeiten der beste Garant für eine nachhaltige Personal-decke sind. Und das war auch immer unser Ansatz: Es geht uns um ein Miteinander und um gerechte Behandlung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Mit Egoismus kommt man nicht weiter und schon gar nicht aus einer Krise wie dieser.

TAZ: Die von Ihnen angesprochene Krise betrifft aber nicht nur die Tourismusbranche, siehe Swarovski…
Zangerl: …wo von einem Miteinander nicht mehr die Rede sein kann. Natürlich kommt es vor, dass ein Unternehmen Fehler macht und dann seine Struktur ändern muss. Und natürlich leiden viele Unternehmen unter der Corona-Situation, nur Swarovski hat seine Kündigungen bereits Monate vor der Pandemie angekündigt. Dabei konnte sich das Unternehmen seit Jahrzehnten bei jeder Krise auf das Land Tirol und die Steuerzahler verlassen, und es hat auch in der Krise großzügig die Mittel des Bundes in Anspruch genommen und damit wiederum das Geld der Steuerzahler. Doch an der Art, wie gekündigt wird, sieht man ja, wie der Konzern jetzt funktioniert. Kündigungen gruppenweise via Videokonferenz sind Ausdruck einer verloren gegangenen Betriebsphilosophie. Uns liegen auch Schreiben vor, wo Mitarbeiter via Nachricht auf einem Post-it zur Kündigung bestellt wurden, was soll man noch mehr dazu sagen?
Hinzukommt, dass ich die Rolle des Arbeiterbetriebsrat in diesem Unternehmen derzeit nicht verstehe. Kann man einfach hinnehmen, dass mit Jahresende 1.000 Mitarbeiter weg sein werden? Und trotzdem nur lobende Worte für die Vorgehensweise des Konzerns finden? Man darf nicht vergessen, dass dadurch alle Bestrebungen Arbeitsplätze zu erhalten, zunichte gemacht werden. Das konterkariert natürlich unseren Einsatz ebenso wie jenen der Zentralbetriebsratsvorsitzenden Selina Stärz. Hier hätte ich mir erwartet, dass man im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an einem Strang zieht. Denn eines ist klar: jeder verlorene Arbeitsplatz ist einer zuviel. 

TAZ: Durch die Krise steigen die Arbeitslosenzahlen, die Situation bei prekären Beschäftigungsverhältnissen verschärft sich. Wäre es nicht an der Zeit Mindestlohn oder Arbeitslosengeld endlich zu erhöhen?   
Zangerl: Die Erhöhung von Mindestlohn und Arbeitslosengeld ist ja ohnehin eine Forderung der Arbeiterkammer und nach wie vor absolut notwendig, vor allem in einem Hochpreisland wie Tirol. An unserer Haltung diesbezüglich wird sich deshalb nichts ändern und steter Tropfen hat noch jeden Stein gehöhlt.



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