Zickzack-Kurve über mehreren Münststapeln © m.mphoto/stock.adobe.com
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24.09.2019

Studie zur privaten Pensionsvorsorge: Vielfach hohe Kosten, geringe Renditechancen und mangelnde Transparenz

VKI-Studie im Auftrag der AK Tirol zeigt auf: Bei vielen aktuell angebotenen Produkten führen hohe Kosten und geringe Renditechancen in der Veranlagung dazu, dass Konsumenten kaum eine Chance haben, den Inflationsverlust auszugleichen. Es fehlt oft auch an der erforderlichen Transparenz, da ein Dschungel an Tarifen, Kostenbestandteilen und Berechnungsmodalitäten einen Vergleich fast unmöglich macht. Ein für jeden passendes Vorsorgepaket gibt es nicht. Es muss vor allem die individuelle Lebenssituation berücksichtigt werden. Erforderlich sind fundierte Beratung, maßgeschneiderte Produkt-Anlage-Kombinationen, Kostenminimierung und Kostentransparenz sowie nachvollziehbare Berechnungsparameter.

Praktisch jeder Verbraucher ist im Laufe seines Lebens mit dem hochkomplexen Bereich der Thematik Pensionsvorsorge konfrontiert. Das Geldvermögen der Österreicher beträgt rund 660 Milliarden Euro. Davon sind 250 Milliarden in kaum oder nicht verzinsten Einlagen und in Bargeld geparkt. Weitere 150 Milliarden liegen auf verzinsten Wertpapieren, Investmentzertifikaten und Lebensversicherungen, die sich ebenfalls im Niedrigzinsumfeld bewegen. Damit sind in etwa zwei Drittel des heimischen Finanzvermögens so veranlagt, dass damit die Inflation kaum ausgeglichen werden kann.

AK Präsident Erwin Zangerl: „Das Krankreden des staatlichen Pensionssystems sorgt einerseits für Verunsicherung, bringt aber andererseits auch einen Vertrauensverlust für die 2. und vor allem die 3. Säule mit sich. Die Orientierung am privaten Vorsorgemarkt ist ohnehin schon schwierig genug. Profitieren sollen die Konsumenten, nicht die Anbieter.“

Ziel der Studie

Um mehr Licht ins Dunkel des vielfach für den Verbraucher unüberschaubaren Marktes an Produktangeboten zur privaten Pensionsvorsorge zu bringen, wurde im Auftrag der Arbeiterkammer Tirol im Rahmen einer vom VKI durchgeführten Studie erhoben, welche Produkte aktuell von den Versicherungen und Banken angeboten werden. Dabei wurden diese Produkte einer eingehenden Analyse unterzogen.

Das Ergebnis kurzgefasst: Vielfach hohe Kosten und geringe Renditechancen in der Veranlagung sowie mangelnde Transparenz. Ein für jeden gleichermaßen passendes Vorsorgepaket gibt es nicht! Es muss vor allem die individuelle Lebenssituation berücksichtigt werden.   

Wesentliche Studienergebnisse

Die Tariflandschaft ist bei vielen Anbietern so gestaltet, dass sowohl „gute“ als auch „weniger gute“ Tarife im Portfolio zu finden sind. Es besteht jedoch (immer noch) die Gefahr, dass zu einem großen Teil jene Tarife mit höheren Kosten beziehungsweise Provisionen, mit nicht zielführenden Zusatzbausteinen und somit die „schlechteren“ Tarife verkauft werden.

Der Pensionsvorsorge-Markt ist in den letzten Jahren in Bewegung geraten. Immer mehr Anbieter setzen auf Verbesserungen hinsichtlich der Kostengestaltung aber auch im Bereich Veranlagung und Flexibilität. Die aktuelle Erhebung zeigt allerdings, dass nicht immer die geeignetsten, besten Produkte angeboten werden. Ein gut performender Fonds in einer unattraktiven Produkthülle oder eine kostengünstige Produkthülle mit einem teuren Fonds, der schon in der Vergangenheit nicht vom Fleck kam, bringen mit Sicherheit kein befriedigendes Gesamtergebnis.

Ein Vergleich der aktuellen Angebote (Tarife), egal ob in der klassischen, in der fondsgebundenen Lebensversicherung oder in anderen Formen der Altersvorsorge, wie etwa Fondssparplänen, ist für Verbraucher unmöglich. Die Produktanbieter konstruieren mit viel Kreativität bei der Kostengestaltung, der Gewinnbeteiligung aber auch in der Veranlagung Produkte, die selbst bei identischen Ausgangsbedingungen kaum mit einem anderen Angebot vergleichbar sind.

AK Forderungen

Die Orientierung am privaten Vorsorgemarkt ist ohnehin schon schwierig genug. Daher fordert die Arbeiterkammer:

  • Eine faire, transparente und für Konsumentinnen und Konsumenten nachvollziehbare Darstellung der Vor- und Nachteile der angebotenen Produkt-Anlage-Kombinationen.
  • Anbieter müssen die Kosten minimieren und die Renditechancen durch optimale Fondsauswahl maximieren.
  • Möglichst hohe Transparenz, Flexibilität und einfach verständliche Produkte sind für Verbraucher wichtig. Denn das für jede bzw. jeden gleichermaßen passende Vorsorgepaket gibt es nicht.
  • Dem gegenseitigen Ausspielen der drei Pensionssäulen muss ein Ende gesetzt werden. Das Schlechtreden des staatlichen Pensionssystems sorgt einerseits für Verunsicherung, bringt aber andererseits auch einen Vertrauensverlust für die 2. und vor allem die 3. Säule mit sich.
  • Die 3. Säule ist zudem nur im Zusammenspiel mit den beiden anderen sinnvoll zu behandeln. Und sie muss auf die aktuellen wie auch auf die zukünftigen Lebensumstände abgestimmt werden.

Alternativen zur Lebensversicherung & Co.

Die gesetzliche Pension als Basis der Vorsorge kann noch mit der sogenannten freiwilligen Höherversicherung kombiniert und somit erweitert werden. Die Renditen liegen aktuell oftmals über jenen der privaten Vorsorgemodelle. Das ist wenig verwunderlich. In der aktuellen Erhebung wurden von österreichischen Versicherungsunternehmen und Banken 19 Produkt-Anlage-Kombinationen angeboten. Fast die Hälfte der angebotenen Produkte sind dem Thema „klassische Lebensversicherung – Veranlagung im Deckungsstock“ zuzuordnen. Hohe Kosten und geringe Renditechancen in der Veranlagung, auch deshalb, weil immer noch durchwegs hauseigene Fonds angeboten werden, führen dazu, dass Konsumenten kaum eine Chance haben, den Inflationsverlust auszugleichen. Oberstes Gebot der Anbieter muss sein: an der Kostenschraube drehen und diese minimieren und die Renditechancen durch optimale Fondsauswahl maximieren.

offen gesagt

„Das Krankreden des staatlichen Pensionssystems sorgt einerseits für Verunsicherung, bringt aber andererseits auch einen Vertrauensverlust für die 2. und vor allem die 3. Säule mit sich. Die Orientierung am privaten Vorsorgemarkt ist ohnehin schon schwierig genug. Profitieren sollen die Konsumenten, nicht die Anbieter.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

Die Analysen im Detail zum Download


Klassische Lebensversicherungen

1. Allianz
   

2. Ergo
   

3. Generali
    

4. Tiroler Versicherung
   

5. Tiroler Versicherung
   

6. Uniqa
   

7. Wiener Städtische

Hybridprodukte

8. Bank Austria
 

9. BTV
   

10. Ergo
   

11. Generali
   

12. Tiroler Sparkasse
   

13. Wiener Städtische
   

14. Wüstenrot
   

Fondsgebundene Lebensversicherungen

15. Raiffeisen Versicherung
   

16. Uniqa
   

17. Uniqa
   

Wertpapier-Depot

18. Hypo Tirol Bank
   

Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge

19. Wiener Städtische
   


Kontakt

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E-Mail: konsument@ak-tirol.com 

Bitte beachten Sie, dass wir Ihnen per E-Mail nur eine erste Orientierung anbieten können.

offen gesagt

„Das Krankreden des staatlichen Pensionssystems sorgt einerseits für Verunsicherung, bringt aber andererseits auch einen Vertrauensverlust für die 2. und vor allem die 3. Säule mit sich. Die Orientierung am privaten Vorsorgemarkt ist ohnehin schon schwierig genug. Profitieren sollen die Konsumenten, nicht die Anbieter.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident