23.10.2017
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Noch immer sind einzelne Drogerieartikel in Innsbruck eklatant teurer als in München. Die AK Tirol fordert die EU-Kommission zum Handeln auf!

Preisunterschiede bis zu 254 Prozent (!): Das ist das alarmierende Ergebnis des Preisvergleichs von Drogerieartikeln in Innsbruck und München, den die AK Konsumentenschützer zum fünften Mal durchführten. Die Unterschiede sind nicht nur eklatant, sondern auch nicht nachvollziehbar. Doch die AK Tirol lässt nicht locker und kämpft auch direkt vor Ort in Brüssel, um die Ungleichbehandlung zu bekämpfen. Denn die  Konsumenten in Tirol dürfen nicht länger die Draufzahler sein, derartige Praktiken zum Nachteil der Tiroler Konsumenten müssen schleunigst unterbunden werden.

Die Produkte sind ein und dieselben, die Mehrwertsteuersätze unterscheiden sich kaum. Und trotzdem müssen Konsumenten in Tirol für viele Artikel des täglichen Bedarfs oft ein Vielfaches dessen bezahlen, was die Waren nur wenige Kilometer entfernt über der Grenze in Bayern kosten. Und die Preisunterschiede sind teilweise gravierend: der größte wurde bei Nivea Haarspray mit 254,81 % festgestellt. War der Nivea Haarspray in München um  € 1,35 zu haben, musste in Innsbruck dafür bis zu   € 4,79 bezahlt werden. Durchschnittlich kostete der Warenkorb in Innsbruck  € 52,51 und in München  € 35,59. Die Differenz beträgt daher satte 47,54 %.

EU-Kommission


Für AK Präsident Erwin Zangerl ein klarer Auftrag, um den Kampf gegen die Ungerechtigkeit fortzusetzen, auch direkt vor Ort in Brüssel. „Bereits seit Jahren deckt die AK Tirol bei grenzüberschreitenden Preisvergleichen eklatante, für niemanden nachvollziehbare Preisunterschiede bei identen Lebensmitteln und Drogerieprodukten auf. Es wird aber nicht nur aufgedeckt, sondern auch mit Nachdruck versucht, eine Verbesserung zu erzielen“, sagt Zangerl. So hat das Engagement der AK Tirol mittlerweile auch die EU-Kommission in Brüssel auf den Plan gerufen. Die ersten Gespräche mit Vertretern der AK haben bereits stattgefunden, ebenso hat die AK Tirol das Problem bei einer öffentlichen Konsultation eingebracht. „Die EU-Kommission muss das Thema jetzt rasch angehen und detaillierte Untersuchungen einleiten, um den nicht nachvollziehbaren Preisunterschieden bei identen Produkten auf den Grund zu gehen. Dann muss endlich gehandelt werden“, fordert AK Präsident Zangerl.

Der Test


Im aktuellen Test hat die AK Tirol wie schon in den Vorjahren Preise für idente Drogerieartikel in Supermärkten bzw. Drogeriemärkten in Innsbruck und München erhoben. Alle Produkte des Warenkorbes waren sowohl in Innsbruck als auch in München erhältlich. Die Erhebung erfolgte auf Basis ein und derselben Produkte. Der Warenkorb umfasste 18 Artikel, von Hautcreme über Zahncreme bis Klarspüler. Alle Preise wurden ohne Berücksichtigung von Mitglieds- und Kundenkarten erhoben, auch Mengenrabatte wurden nicht miteinbezogen. Es wurde der Preis zugrunde gelegt, den ein Konsument ohne Mitgliedskarte für ein Produkt an diesem Tag zahlen hätte müssen, Aktionspreise wurden berücksichtigt.

Der Warenkorb


Innsbruck:
Der günstigste Warenkorb kostete in Innsbruck € 44,20 (Müller), der teuerste € 67,32 (Merkur).
München: In München betrug der Preis für den günstigsten Warenkorb € 33,63 (Rossmann), für den teuersten Warenkorb waren in München € 38,90 (Edeka) zu bezahlen.

Durchschnittlich kostete der Warenkorb in Innsbruck € 52,51 und in München € 35,59. Die Differenz beträgt daher 47,54 %.

Vergleicht man den günstigsten Warenkorb in München (€ 33,63 bei Rossmann) mit dem teuersten Warenkorb in Innsbruck (€ 67,32 bei Merkur) kommt man auf  eine  Differenz von 100,18 %.

Einzelne Beispiele eklatanter Preisunterschiede

  • Der eklatanteste Preisunterschied zeigte sich beim Nivea Haarspray mit 254,81 %. Am teuersten war der Haarspray in Innsbruck bei Merkur und Billa, wo er € 4,79 kostete, wohingegen er in München in mehreren Geschäften bereits ab € 1,35 erhältlich war.
  • Der nächste wesentliche Preisunterschied ergab sich bei Schwarzkopf Taft Haarspray mit einer Differenz von 212,17 %. Dieser kostete maximal in Innsbruck € 3,59, in München ist dieses Produkt jedoch bereits ab € 1,15 zu haben.
  • Eklatant war auch der Preisunterschied bei der Nivea Creme Soft Seife mit einer Differenz von 198 %. In Innsbruck kostete das Produkt bis zu € 1,49, in München war es bereits um € 0,50 zu haben.
  • Beim Nivea Deodorant Deo Spray 48 h ergab sich ebenfalls eine Differenz von 167,79 % zwischen dem höchsten Preis in Innsbruck und dem kleinsten Preis in München.

Gleicher Anbieter – unterschiedlicher Preis?

Auffällig war auch, dass bei den gleichen Anbietern in München und in Innsbruck (dm und Müller) die Preise für  die Warenkörbe mit den identen Produkten höchst unterschiedlich waren. So bezahlte man in München für den Warenkorb bei dm € 34,55 und bei Müller € 34,35, in Innsbruck kostete er bei dm hingegen € 45,75 und bei Müller € 44,20. Das bedeutet für dm ein Plus von 32,42 % und für Müller ein Plus von 28,68 %.

Damit bleibt der „Österreichaufschlag“ bittere Realität, eine nachvollziehbare Begründung dafür fehlt. Auch die Umsatzsteuer (Österreich 20 %, Deutschland
19 %) liefert keine ausreichende Erklärung für die teilweisen exorbitant hohen Preisunterschiede. 

Ergebnisse im Überblick

Während in Innsbruck die Preise für den kompletten „Warenkorb“ zwischen € 44,20 und € 67,32 lagen, bewegten sie sich in München zwischen € 33,63 und € 38,90. Somit war der günstigste Warenkorb in Innsbruck noch immer erheblich teurer als der teuerste Warenkorb in München. Die Spanne in Innsbruck zwischen dem billigsten Warenkorb und dem teuersten beträgt 52,31 %. In München betrug die Spanne lediglich 15,67 %.

Im Schnitt kostete der „Warenkorb“ in München € 35,59, in Innsbruck hingegen € 52,51, was einem Unterschied von mehr als 47,53 % entspricht.

Spitzenreiter bei den Preisdifferenzen war mit 254,81 % diesmal der Nivea Haarspray. Während er in München bereits ab € 1,35 erhältlich war, kostete er in Tirol bis zu € 4,79.

Preisunterschiede von mehr als 100 % wurden außerdem festgestellt bei:

  • CD Rollon Deo mit 163,20 %
  • Colgate Total Original mit 157,42 %
  • Loreal Haarspray mit 156,63 %
  • Axe Bodywash mit 138,06 %
  • Somat Klarspüler 124,08 %
  • Dove Bodylotion Hydro Hydrante mit 114,72 %
  • Nivea Allzweck Creme 75 ml mit 106,90 %

Lediglich der Frosch Essigreiniger war in Innsbruck günstiger zu haben. Der geringste Preis in Innsbruck betrug € 1,45 (Müller), der geringste Preis in München betrug € 1,69 (Rewe).

Wer sich in Innsbruck die Mühe macht und immer das billigste Produkt im jeweiligen Geschäft besorgt, muss für den Warenkorb „nur“ € 43,17 bezahlen. Wer in München denselben Aufwand betreibt, hat mit Kosten von € 33,11 zu rechnen. Dies entspricht noch immer einer Preisdifferenz von 30,38 %!

Alle Details zur Erhebung siehe rechts.



Getränkepreise 2017 in Tiroler Gasthäusern

Zum zweiten Mal erhob die AK Tirol Preise in Gasthäusern. Die größte Preisspanne wurde mit 158 % bei Apfelsaft mit Leitungswasser festgestellt.

Leichter Anstieg bei den Spritpreisen

In Tirol stieg der Preis für Eurosuper gegenüber März 2017 im Schnitt pro Liter um 2 Cent auf 1,21 Euro, für Diesel um 1 Cent auf 1,12 Euro.

Lebensmittel in Tirol um bis zu 170 % teurer

Teils enorme Preisunterschiede ergaben sich bei der dritten AK Erhebung in Innsbruck und München. Das beobachtet auch die Bundeswettbewerbsbehörde.

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