14.12.2016
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Tausende kostenlose Loipen-Kilometer und gute Infrastruktur, doch mancherorts sind Tiroler gegenüber Gästen arg benachteiligt

Die jährliche Loipen-Erhebung der AK Tirol zeigt weiter Erfolge: Nur noch sieben Anbieter machten heuer missverständliche Strecken-Angaben. Andererseits werden Tiroler in einigen Regionen noch immer diskriminiert und abkassiert. So verteuerten sich die Tageskarten am Seefelder Plateau ohne Gästekarte auf 10 Euro, während Urlauber für einen Tag nur 5 Euro zahlen bzw. 15 Euro für ihren gesamten Aufenthalt. Direkt an der Loipe kostet das Tagesticket dann für alle 15 Euro! Die AK Tirol fordert Maßnahmen von der Landesregierung. AK Präsident Erwin Zangerl: „Die Ungleichbehandlung der Tiroler durch die Tourismusverbände muss endlich ein Ende haben!“

Endlich wieder durch tiefverschneite Landschaften gleiten vor dem einzigartigen Panorama der Tiroler Bergwelt, und dabei auch noch etwas für Geist und Körper tun: Viele Tiroler können es kaum erwarten, bis sie endlich wieder auf Langlaufskiern ihre Runden ziehen können. Und die aktuelle AK Loipenerhebung für den Winter 2016/17 zeigt: Tirols Loipenangebot überzeugt mit rund 3.000 Kilometern, einem umfangreichen Loipennetz und guter Infrastruktur. Noch dazu, weil von insgesamt 498 erhobenen Loipen 426, also mehr als 85,5 Prozent, kostenlos genutzt werden können. (Zum Teil ist das Benützen der Bahn entgeltlich, vor allem bei den Höhenloipen.)

Preise

Bei den 72 kostenpflichtigen Loipen kostet eine Tageskarte zwischen 5 und 15 Euro.

Abzocke in Seefeld – im Vorverkauf und an der Loipe 

Besonders unerfreulich ist die Entwicklung in der Olympiaregion Seefeld, die von der AK Tirol schon in den letzten Jahren kritisch aufgezeigt wurde.
Heuer ist sie die tirolweit einzige Region, in der bei den Tageskarten Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr festgestellt wurden. Plateau-Bewohner konnten bis Ende November im Vorverkauf eine Spezial-Saisonkarte kaufen, alle anderen Tiroler werden erneut kräftig zur Kasse gebeten.

20 Millionen Steuergeld für Nordische WM 2019

„Andererseits fließen am Plateau gerade 20 Millionen Euro in Bauarbeiten für die Nordische Ski-WM 2019. Steuergeld wohlgemerkt, das überwiegend die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufbringen. Aber fürs Benützen der Loipen sollen sie dann noch einmal draufzahlen“, ärgert sich AK Präsident Erwin Zangerl über die besonders diskriminierende Preispolitik.

Tageskarte: Urlauber zahlen 5, Tiroler 10 Euro

Gäste, die in der Olympiaregion Seefeld übernachten und damit eine Gästekarte bekommen, zahlen im Vorverkauf nur 5 Euro pro Tag oder nur 15 Euro für die gesamte Dauer ihres Aufenthalts.
Alle anderen ohne Gästekarte, also Tiroler, Tagesausflügler etc., müssen hingegen tief ins Börsl greifen: Eine Tageskarte im Vorverkauf (bei ausgewählten Stellen wie Skischulen oder Geschäften) kostet sie mit 10 Euro das Doppelte – und um 1 Euro mehr als noch im letzten Winter.

Erstmals 15 Euro an der Loipe für alle

 Noch teurer wirds heuer erstmals für jene, die sich ihre Tageskarte direkt an der Loipe kaufen möchten oder müssen: Dort kostet sie für alle 15 Euro pro Tag. Allerdings ist davon auszugehen, dass Gäste mit Gästekarte von dieser Möglichkeit wohl eher selten Gebrauch machen werden, während Tirolern oft gar nichts anderes übrig bleibt.
Vergleicht man dann als Einheimischer diesen Preis mit den 9 Euro, die die Tageskarte 2015/16 kostete, so ergibt sich eine Preissteigerung von 6 Euro. Das entspricht Mehrkosten von fast 67 %, wenn die Tageskarte an der Loipe gekauft wird! 

Saisonkarte: Für Einheimische oder für Tiroler?

Sonst bleibt Langläufern nur, sich eine Saisonkarte zu kaufen.

  • Im Vorverkauf kostet die Saisonkarte für den Winter 2015/16 heuer 100 Euro, um 10 Euro mehr als in der letzten Saison.
  • Außerdem gibts erstmals den vergünstigten Tarif für Personen mit Hauptwohnsitz in der Olymparegion Seefeld – und damit eine Unterscheidung zwischen ihnen und „anderen“ Tirolern: Laut Homepage des TVB konnten Personen mit Hauptwohnsitz in der Olympiaregion Seefeld das Jahresticket im Vorverkauf bis zum 30. November 2016 „im Rahmen einer Sportförderung“ für 80 Euro beziehen. Hier stellt sich die Frage, warum diese Möglichkeit nicht allen Tirolern eingeräumt wird.
  • Ab dem 1. Dezember 2016 kostet die Saisonkarte dann 150 Euro für alle, ohne Ermäßigung.

Kostenpflichtig sind außerdem einige Loipen in Osttirol, in Pertisau (hier ist die Loipenbenutzung mit Gästekarte ebenfalls kostenlos, das Langlaufen ohne Gästekarte kostet 5 Euro pro Tag), außerdem im Pillerseetal und eine Loipe der Silberregion Karwendel.

AK Tirol fordert Maßnahmen

„Das ist ungeheurerlich, wenn man bedenkt, dass die Beschäftigten mit ihren Steuern die Infrastruktur finanzieren, von der die Touristiker profitieren. Dafür werden wir noch einmal zur Kasse gebeten!“, kritisiert AK Präsident Erwin Zangerl.  Die AK Tirol fordert Landesregierung und Landtag auf, Maßnahmen gegen die diskriminierende Haltung der Tourismusverbände gegenüber der einheimischen Bevölkerung zu setzen: Die TVB müssen dazu verpflichtet werden, dass sie ihre Maßnahmen und Aktivitäten auch in den Dienst der einheimischen Bevölkerung stellen.

Insgesamt wurden bei der bereits 5.Loipenerhebung der AK Tirol wieder rund 3.000 Loipen-Kilometer erfasst. Die längsten zusammenhängenden Loipen sind in der Tiroler Zugspitz Arena (Tiroler Zugspitz Arena Loipe) mit rund 42 Loipen-Kilometern, in Neustift im Stubaital (Talloipe Fulpmes) mit 40 km, in Forchach-Steeg (Lechtal-Loipe) mit rund 40 km, in Lienz (Dolomitenloipe Lienz - Amlach - Tristach - Lavant) mit 35 km und in Tannheim (Rundloipe Ski-Trail) mit rund 31 km.

Das umfangreichste Loipennetz bietet – zumindest laut Angaben der Tourismusverbände – die Olympiaregion Seefeld mit 271 km vor dem Lechtal und den Kitzbühler Alpen St. Johann mit je 250 km, gefolgt von der Region Achensee mit 217 km. Der Tourismusverband Osttirol bietet insgesamt sogar 306 km.

Ärger um km x 2

Just in diesem Punkt schieden sich schon in den letzten Jahren die Geister. Zeigten die AK Konsumentenschützer doch auf, dass die Kilometer-Angaben mancher Tourismusverbände bestenfalls als Orientierungshilfe zu verstehen waren: Dadurch, dass viele Loipen sowohl mit klassischer, als auch mit Skating-Technik befahren werden können, nutzten dies einige Anbieter für eine Doppelzählung – obwohl klassische und Skating-Strecke großteils parallel präpariert werden. Und obwohl eine Loipe nicht länger wird, nur weil sie auf zwei Arten befahren werden kann.

„Wir haben diese irreführenden Praktiken heftig kritisiert und klare Informationen für die Konsumenten gefordert, ganz offensichtlich mit Erfolg“, berichtet AK Präsident Zangerl. Denn immer mehr TVB nehmen sich diese Forderung zu Herzen. So gaben in der aktuellen Erhebung nur noch sieben TVB addierte Loipen-Kilometer an. Die weit überwiegende Mehrheit achtete auf korrekte Angaben.

Gute Infrastruktur

Der Großteil der Loipen ist sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln, als auch mit dem Pkw gut erreichbar. Ausreichend Parkmöglichkeiten gibt es bei fast jeder Loipe, zum Teil sind die Parkplätze kostenpflichtig oder nur begrenzt verfügbar. Werden Parkgebühren verlangt, dann zum Teil stundenweise, zum Teil tageweise.
Das nötige Langlaufequipment kann zumeist in den Sportgeschäften oder Skischulen in den umliegenden Ortschaften ausgeliehen werden.


Zur Erhebung

Die AK Loipenerhebung wurde zum bereits fünften Mal durchgeführt. Fast alle Tourismusverbände, die mittels Fragebogen kontaktiert wurden, haben daran teilgenommen. Nur dem Tourismusverband Wildschönau war eine Teilnahme aus organisatorischen Gründen nicht möglich.

Gefragt wurde nach

  • Anzahl der Loipen,
  • Loipenlängen und -arten (klassisch oder Skating-Strecken),
  • den Kosten für die Loipenbenutzung (mit und ohne Gästekarte) und Vergünstigungen, außerdem nach
  • der Infrastruktur (Parkmöglichkeiten, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Ausrüstungsverleih).

Fazit

Tirol bietet insgesamt ein beeindruckendes und umfangreiches Loipennetz sowie sehr gute Infrastruktur für Langlaufbegeisterte. Und Langlaufen ist – bis auf einige Ausreißer – eine überwiegend kostengünstige Sportart in der Natur.

Dennoch fordert die AK Tirol, dass einzelne Tourismusverbände ihre Preispolitik und missverständliche Loipenkilometer-Angaben überdenken. Denn Langlaufen muss auch weiterhin ein leistbarer Sport für die Familien bleiben.

Skitest: Satte Unterschiede bei Verleih & Service

Der aktuelle AK Test zeigt: Bei Skiverleih und Skiservice zählen Preis und Leistung. Die Unterschiede bei den Anbietern sind jedoch groß.

Drogerieartikel sind in Tirol oft teurer

Während ein Nivea Deospray im Oktober in München ab 1,29 Euro zu haben war, kostete er in Innsbruck bis zu 3,99 Euro. Alle Details finden Sie hier.

Beim Maroni-Test war kaum ein Wurm drin

Gute Nachrichten für Fans von Edelkastanien: Nach eher durchwachsenen Ergebnissen der letzten Jahre waren heuer alle Proben von bester Qualität.

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