29.6.2018
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Was sich bei Reisebuchungen ab 1. Juli ändert

Mit der EU-Pauschalreise-Richtlinie wird den Entwicklungen am Reisemarkt vor allem im Online-Bereich Rechnung getragen. Damit werden die bisherigen Bestimmungen, die seit den 1990er Jahren gelten, angepasst. In Österreich erfolgt die Umsetzung der Richtlinie hauptsächlich im neuen Pauschalreisegesetz, das für alle Reisebuchungen ab dem 1. Juli 2018 anzuwenden ist. Für Buchungen vor diesem Stichtag gelten weiterhin die bisherigen Bestimmungen. Ergänzende Bestimmungen zur Insolvenzabsicherung finden sich in der Gewerbeordnung und der österreichischen Pauschalreise-Verordnung. Die Bestimmungen gelten gleichermaßen für Buchungen im Reisebüro als auch online.

Die wichtigsten Neuerungen im Detail

Pauschalreisen
Am besten ist man – wie nach der bisherigen Rechtslage – abgesichert, wenn man eine Pauschalreise bucht. Die dabei inkludierten Vorteile reichen von umfangreichen Informationspflichten des Reiseunternehmens über einen umfassenden Insolvenzschutz, das Recht zur Übertragung der Reise an eine andere Person bis hin zu Schadenersatzansprüchen für entgangene Urlaubsfreude.

Eine Pauschalreise entsteht durch Buchung einer Kombination von mindestens zwei unterschiedlichen Reiseleistungen aus den Kategorien Personenbeförderung, Unterbringung, Kfz-Vermietung und anderer touristischer Leistung. Durch die neuen Regelungen wird der Anwendungsbereich insofern erweitert, als nun auch die Fahrzeugmiete als eigenständige Reiseleistung gilt. Geringfügig geändert wurden die Ausnahmen vom Anwendungsbereich, nämlich für Reisen unter 24 Stunden ohne Übernachtung, gelegentliche Angebote an einen beschränkten Personenkreis ohne Gewinnabsicht und bestimmte Geschäftsreiseverträge.

Einseitige Änderungen der gebuchten Reise
Nach wie vor sind einseitige Änderungen des Preises oder von Reiseleistungen durch den Veranstalter nur innerhalb von engen gesetzlich festgelegten Grenzen möglich. Die Details hierzu wurden neu formuliert. Erhebliche Änderungen müssen nicht akzeptiert werden, der Reiseveranstalter hat eine Frist einzuräumen, binnen der Reisende die Änderungen akzeptieren oder ablehnen können. Neu ist, dass Schweigen binnen der Erklärungsfrist als Zustimmung zur Änderung ausgelegt wird. Hier müssen Reisende also aufpassen, wenn sie über Änderungen informiert werden.

Verbundene Reiseleistungen
Neu eingeführt wurde die Kategorie der verbundenen Reiseleistungen. Dies ist ebenfalls eine Kombination von mindestens zwei verschiedenen Arten von Reiseleistungen für den Zweck derselben Reise. Der Unterschied zur Pauschalreisebuchung besteht darin, dass über Vermittlung eines Unternehmers anlässlich eines einzigen Besuches bzw. Kontakts mit einer Vertriebsstelle (Reisebüro oder online) separate Verträge mit verschiedenen Leistungserbringern und getrennter Zahlung abgeschlossen werden.

Reisende, die eine verbundene Reiseleistung buchen, haben das Recht auf besondere Informationen und Insolvenzschutz, aber keine darüber hinausgehenden Ansprüche, die nur Pauschalreisende in Anspruch nehmen können.

Bei Online-Buchungen besonders zu beachten
Eine „verbundene Online-Buchung“ bzw. auch „Click-through-Buchung“ genannt, begründet eine Pauschalreise: Das Unternehmen, mit dem der erste Vertrag geschlossen wurde, leitet den Namen des Reisenden, Zahlungsdaten und seine E-Mail-Adresse an ein anderes Unternehmen weiter und der Reisende schließt dort binnen 24 Stunden ab Erhalt der Bestätigung der ersten Reiseleistung einen weiteren Vertrag zum Zweck der selben Reise ab.

Wird im Rahmen eines Online-Buchungsverfahrens binnen 24 Stunden nach Buchung einer Reiseleistung eine weitere, gezielt vermittelte Reiseleistung eines anderen Anbieters gebucht, ohne dass die Daten des Reisenden weitergeleitet wurden, dann liegt eine verbundene Reiseleistung vor.

In der Praxis wird sich zeigen, wie die mitunter schwer nachvollziehbare Grenzziehung zwischen der Buchung von Pauschalreisen und verbundenen Reiseleistungen gelingt. Weiters sind diese von individuellen Reiseleistungen zu unterscheiden, die unter keine der beiden anderen Kategorien fallen, und die von den neuen Regelungen nicht erfasst sind.

Bisher haben insbesondere internationale Online-Buchungsportale häufig zu Beschwerden geführt, in vielen Fällen wegen unklarer Informationen über Buchungsdetails. Die AK Tirol steht für Beratungen zu allfälligen Fragen gerne zur Verfügung.

Tipps
Es sind nun sehr umfangreiche Informationspflichten des Veranstalters oder Vermittlers bei der Buchung von Pauschalreisen und verbundenen Reiseleistungen vorgesehen. Dazu gehören auch Standard-Informationsblätter mit einer Zusammenfassung wichtiger Rechte. Achten Sie bei der Buchung genau auf Bezeichnungen und Informationen zu den angebotenen Leistungen und fragen Sie im Zweifel immer beim betreffenden Unternehmen nach. Welche Art von Reiseleistung Sie buchen, ist entscheidend für die daraus abzuleitenden Rechtsfolgen, Ihre Ansprüche und Durchsetzungsmöglichkeiten.

Beachten Sie, dass Ihre Zahlungen nur bei Pauschalreisen und verbundenen Reiseleistungen gegen Insolvenz abgesichert sein müssen, nicht aber etwa bei individuellen Nur-Flug-Buchungen. Die AK Tirol fordert mit Nachdruck eine Insolvenzabsicherung für Nur-Flug-Buchungen, um Schadensfälle wie etwa im Zusammenhang mit der Air Berlin/Fly Niki-Pleite zu verhindern. Vor allem bei teureren Langstreckentickets sind viele Konsumenten auf ihren Kosten sitzen geblieben. Leider hat die Wirtschaftslobby eine strengere Regelung bisher verhindert.

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