Ein Paar sitzt verärgert mit dem Koffer im Wohnzimmer © contrastwerkstatt/stock.adobe.com
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20.10.2020

opodo lässt Kunden im Regen stehen: AK Tirol klagt in zwei Musterfällen

Von Pauschalreisen über Flüge bis hin zu Hotelzimmern: Die Konsumentenschützerinnen und Konsumentenschützer der AK Tirol waren in den letzten Monaten mit hunderten Reiserechtsanfragen konfrontiert. Dabei zeigte sich, dass es in Zusammenhang mit ausländischen Online-Buchungsplattformen gehäuft zu Beschwerden gekommen ist. Jetzt klagt die AK Tirol exemplarisch in zwei Fällen die Plattform opodo: Hier warten Tiroler bislang vergeblich auf ihre Kosten von 1.063,91 bzw. 575,38 Euro.

Die Buchungsplattform opodo bietet auf ihrer Webseite neben Einzelleistungen (Flug, Hotel) auch „Kombinationspakete“ an. Diese werden – entsprechend der Auswahl des Reisenden – vor Abschluss eines einzigen Vertrages über sämtliche Leistungen zusammengestellt und zu einem Gesamtpreis verrechnet.

Pauschalreise

Rechtlich gesehen handelt es sich bei solchen Reisen daher nicht um vermittelte Einzelleistungen, sondern um Pauschalreisen. Dennoch zeigt sich in der Beratung durch die AK Expertinnen und Experten, dass sich opodo bei Problemen regelmäßig auf den Standpunkt stellt, „nur“ als Reisevermittler tätig geworden zu sein, und seine Kunden mit Ihren Ansprüchen an die – ebenfalls meist ausländischen – Erbringer der jeweiligen Einzelleistungen (Hotel, Fluglinie) verweist. Auf Beschwerden reagiert opodo häufig gar nicht, nur sehr schleppend oder auch ablehnend.

Broschüre

So nahm opodo die Verantwortung als Pauschalreiseveranstalter auch in jenen zwei Musterfällen nicht wahr, in denen die AK Tirol jetzt für die betroffenen Mitglieder freiwilligen Rechtsschutz gewährt hat.

Fall 1

Der Kunde hatte für April 2020 eine Pauschalreise (Flug und Hotel) zum Preis von 1.509,79 Euro gebucht. Als die Flüge aufgrund von Corona von der ausführenden Airline annulliert wurden, teilte der Konsument opodo per eMail mit, die Reise kostenlos stornieren zu wollen, und ersuchte gleichzeitig um vollständige Erstattung des bezahlten Reisepreises. opodo refundierte aber nur die Hotelkosten und verwies für die übrigen Ansprüche direkt an die Airlinie.
Weil es sich dabei jedoch eindeutig um eine Pauschalreise handelt, hat der Kunde einen Erstattungsanspruch direkt gegenüber Opodo. Deshalb klagte die AK Tirol jetzt den noch offenen Betrag von 1.063,91 ein.

Fall 2

Aufgrund der Entwicklung rund um Corona und der Reisewarnungen stornierte eine Tirolerin am 13. März eine bei opodo gebuchte Pauschalreise – einen Tag vor dem geplanten Antritt. Auf Basis der Pauschalreise-Richtlinie bzw. deren Umsetzung im Pauschalreisegesetzes hat sie das Recht zur kostenlosen Stornierung. Dennoch lehnte jedes der beteiligten Unternehmen, bei denen die Konsumentin bisher angefragt hat – Veranstalter, Versicherung, Zahlungsdienstleister – eine Erstattung ab oder antwortete erst gar nicht. Auch die AK Tirol intervenierte mehrfach bei opodo, Antworten blieben bislang aus.
Deshalb gewährte die AK Tirol auch in diesem Fall freiwilligen Rechtsschutz und klagte den Preis der Pauschalreise in Höhe von 575,38 Euro zuzüglich 4% p.a. Zinsen ein.

Das gilt bei Pauschalreisen

Bei Pauschalreisen genießt der Kunde in der europäischen Union einen besonderen Schutz: Es gibt einen Ansprechpartner (nämlich den Veranstalter), an den alle rechtlichen Ansprüche gerichtet werden können, und bei nicht durchführbaren Reisen muss sich der Veranstalter um die Rückerstattung des Gesamtreisepreises (etwa Gesamtkosten von Flug und Hotel) an den Reisenden kümmern bzw. die Erstattung selbst vornehmen.
Damit können bei Pauschalreisen einzelne Betroffene vielfach einfacher und rascher ihre Ansprüche durchsetzen als bei Einzelbuchungen, da die Ansprüche nur bei einem einzigen Vertragspartner – dem Veranstalter – und nicht bei unterschiedlichen, meist im Ausland sitzenden Vertragspartnern, geltend gemacht werden müssen.

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