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15.12.2020

Nepp im Web: Corona und die Abzocke im Netz

Pandemie, Lockdowns und die Vorsicht vor Covid-19-Viren sorgen dafür, dass wir uns alle noch viel mehr als bisher im Internet bewegen. Doch auch dort lauern Viren, die gefährlich sind. Dies zeigen auch zahlreiche Beschwerden von Betroffenen, die sich an die Experten der AK gewandt haben. Deshalb: Vorsicht!

Webshop mit Abzock-Garantie

Fakeshops wollen Vorauskasse
Gerade jetzt wird online so viel bestellt wie noch nie. Betrüger nützen diesen Hype für ihre Zwecke. Täglich werden neue Webshops gelauncht. Vor allem – aber nicht nur – im Technikbereich gibt es viele Seiten, die mit bunten Bildern und attraktiven Preisen um Käufer werben. Manche aber haben außer schönen Bildern nichts zu bieten – wollen sie auch gar nicht. Es handelt sich dabei um sogenannte „Fakeshops“, also Shops, die nur vorgeben, sie würden etwas zum Verkauf anbieten. Den Betreibern im Hintergrund geht es aber einzig und alleine darum, an das Geld gutgläubiger Konsumenten zu kommen. Daher bestehen sie in der Regel ausschließlich auf Vorauszahlung entweder per Überweisung, Kreditkarte oder durch Zahlungsdienstleister wie z. B. sofortüberweisung.de. Haben sie das Geld ihrer Opfer, dann ist der Shop nicht mehr kontaktierbar und Lieferung erfolgt keine. Das Geld ist oftmals nicht mehr rückholbar. Was bleibt, ist eine Anzeige bei der Polizei.

Die Konsumentenschützer der AK Tirol raten daher vor jedem Einkauf in einem neuen Shop, der nicht als seriös und vertrauenswürdig bekannt ist, folgende Checkliste durchzugehen:

  1. Ist der Shop in der „Watchlist Internet“ des österreichischen Internet-Ombudsmanns gelistet? Dazu den Seitennamen und „watchlist“ googeln. Ja? Dann hat es bereits vielfach Probleme gegeben und/oder der Shop geht in betrügerischer Weise vor. Finger weg!
  2. Weist der Shop das gesetzlich verpflichtende Impressum mit Unternehmensnamen, Postanschrift, Telefonnummer und weiteren Kontaktdaten, allenfalls Firmenbuchnummer aus? Nein? Dann lieber nichts dort bestellen.
  3. Ergibt die Google-Abfrage mit dem Seitennamen + „Erfahrungen“ ein insgesamt positives Stimmungsbild der bisherigen Kunden? Nein? Dann lieber Finger weg!
  4. Bietet der Shop viele verschiedene Zahlungsmöglichkeiten, z. B. auch Zahlung nach Erhalt und Prüfung der Ware an und weist er die Preise und Versandkosten klar und transparent aus? Nein? Dann ist es ein Risiko dort zu bestellen!
  5. Besteht der Kundenservice den Test: Wird schnell, klar und freundlich auf gezielte Anfragen per eMail geantwortet? Nein? Dann wird’s meist auch im Falle eines Problems nicht besser und niemand ist erreichbar, wenn z. B. gar keine Lieferung erfolgt.


Vorsicht vor falschen Investments

Voll für die Fisch
In Zeiten von Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit wird nach Einkommensquellen gesucht. Per eMail und in kurzen Spots vor Youtube-Videos wird immer wieder für angeblich fantastische Investmentstrategien geworben, mit denen dann angeblich unglaubliche Gewinne erzielbar wären.

Die Wirklichkeit sieht freilich anders aus. Mit zunächst kleineren Geldeinsätzen wird geködert. Dann werden in kürzester Zeit Erfolgsmeldungen verschickt, wie viel aus dem eingesetzten Kapital bereits geworden sei. Auf Wunsch werden kleinere Beträge sogar rücküberwiesen. Auf diese Weise wird Vertrauen aufgebaut und in der Folge zu immer größeren Investments verleitet. Haben die Täter dann erstmal größere Beträge ergaunert, herrscht Funkstille. Telefon und eMail sind tot. Niemand mehr erreichbar und das Geld ist weg. Was bleibt, ist eine Anzeige bei der Polizei und die verschwindend kleine Hoffnung, dass die Täter, irgendwo auf der Welt, irgendwann gefunden werden. Auf diese pervide Art und Weise haben in der aktuellen Lockdownzeit bereits etliche Tirolerinnen und Tiroler viel, sehr viel Geld verloren. Einem Tiroler sind so z. B. 170.000 Euro abhanden gekommen.

Für erfolgreiches Investment z. B. durch Beteiligungen oder an der Börse sind umfangreiches Wissen und Spezialkenntnisse erforderlich und selbst den größten Profis passieren auch mit seriösen Veranlagungen immer wieder herbe Verluste. Also Finger weg von betrügerischen Lockangeboten!

Wer fischt denn da?

Password + fishing ist Phishing
Die kriminelle Form des Passwortdiebstahls gibt es, seit es Internet und Passwörter gibt. Die Methoden allerdings, wie sich Täter illegalen Zugang zu fremden Onlineaccounts verschaffen, haben mit der Zeit viele neue Varianten erfahren. Per Telefon, eMail über gefakte Internetseiten, die echten und seriösen Seiten perfekt nachgebaut sind, oder auch durch gezieltes Platzieren von Schadsoftware am eigenen PC, Tablet oder Handy, welche dann z. B. alle gespeicherten und über die Tastatur eingegebenen Daten ausliest und an einen anderen Ort überträgt, kann der Diebstahl zunächst meist mehr oder weniger unbemerkt passieren. Schützen kann man sich u. a. durch die Beachtung folgender Regeln:

  • Niemals – egal mit welcher Ausrede ans Werk gegangen wird – Login-Daten und Passwörter auf telefonische Anfrage oder per eMail übermitteln. Das gilt übrigens auch für Ausweiskopien.
  • Auf dem Endgerät stets ein laufend aktualisiertes Virenschutzprogramm installieren.
  • Login-Seiten immer durch händische Eingabe der Internetadresse in den Browser aufrufen.
  • Keine Logins über fremde WLAN-Verbindungen durchführen.
  • Bei jeder Unregelmäßigkeit vor oder während der Eingabe Internetverbindung sofort trennen und Seitenbetreiber informieren.

Moderne Heiratsschwindler

Einsames Herz und Soldat mit Geldproblemen
Love- bzw. Romance-Scamming – so die Fachbezeichnung für eine Form des modernen Heiratsschwindels – ist eine besonders perfide Abzockmethode, wie ein aktueller Fall beweist. Wieder einmal war es ein UN-Soldat, der auf „Eroberungs-Tour“ war, diesmal in Tirol. Zunächst wurden Nachrichten mit der vermeintlichen Tiroler Geliebten ausgetauscht, Vertrauen aufgebaut. Nach einigen Woche tauchte – wie immer in solchen Fällen – ein Problem auf. Der angebliche Traummann, stationiert im Nahen Osten, brauchte Geld für eine lebenswichtige Operation. Geld hatte er natürlich keines, es lag auf einem Konto in den USA, auf das er nicht zugreifen konnte. Daher die Bitte,  es ihm doch zu leihen, mit dem Versprechen, es sofort nach Rückkehr zurückzuzahlen. Auch ein baldiger Besuch – Hochzeit nicht ausgeschlossen – wurde geplant. Die Tirolerin hob ihr ganzes Erspartes vom Konto ab und sandte es per Bargeldtransfer an eine angegebene Adresse im Ausland – mehr als 50.000 Euro verschwanden auf diese Weise. Der Lover in UN-Uniform war nicht mehr kontaktierbar. Dabei gab es einen Soldaten mit dem verwendeten Namen und Rang wirklich – der Täter hatte allerdings dessen Identität im Internet geklaut…

Mein Date ist künstlich

Heiße Flirts aus der Konserve
Winterzeit und noch dazu Lockdown. Alle Bars, Restaurants und Clubs geschlossen oder nur eingeschränkt geöffnet. Das Internet aber hat immer geöffnet, sieben Tage die Woche und rund um die Uhr, und gegen einen Chat mit einer interessanten Partnerin oder einem Partner ist ja nichts einzuwenden. Genau das wissen gerissene Ganoven und locken auf diverse Chatplattformen. Mit Tricks und mit Chat-Partnern, die real gar nicht existieren. Ein Computer, ausgestattet mit viel künstlicher Intelligenz, scheint auf alles eine attraktive und interessante Antwort zu wissen und die Kommentare wirken auch nur allzu menschlich. So wird der einsame Chatteilnehmer bei der Stange gehalten. Natürlich ist das nicht gratis.

Ein Trick dabei: Das Opfer wird immer wieder dazu überredet neues Guthaben für weitere Chats zu erwerben, die Beträge summieren sich und über die Zeit können Summen von mehreren Hundert bis einigen Tausend Euro zusammenkommen, die dann über die Kreditkarte verrechnet werden.

Bei Fragen und Problemen helfen die Konsumentenschützer der AK Tirol unter Tel. 0800/22 55 22 - 1818.

Kontakt

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Mo - Fr von 8 bis 12 Uhr
Mo von 14 bis 16 Uhr und
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Telefonische Hilfe 

0800/22 55 22 - 1818

Mo - Do von 8 bis 12 Uhr und
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Freitag von 8 bis 12 Uhr 

E-Mail: konsument@ak-tirol.com 

Bitte beachten Sie, dass wir Ihnen per E-Mail nur eine erste Orientierung anbieten können.