27.4.2016
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AK Präsident Erwin Zangerl: "Nein zu flächendeckenden Bankomatgebühren"

Den gerade in letzter Zeit immer öfter und von immer mehr österreichischen Banken angestellten Überlegungen, flächendeckend bei allen Kunden Bankomatgebühren bei Bankomatbehebungen zu verlangen, erteilt AK Präsident Erwin Zangerl eine klare Absage. Zangerl: „Bankkunden wurden in den letzten Jahren regelmäßig vom Schalter zu den Automaten verwiesen, um Kosten zu sparen, und dann kassiert man die Kunden auch dort wieder ab“.

Einige Banken verlangen bei bestimmten Kontoarten bereits seit längerem Gebühren bzw. Spesen für Bargeldbehebungen am Bankomaten. Vielfach kann man diese Gebühren derzeit noch durch die Wahl bestimmter Kontopakete verhindern bzw. reduzieren oder einen Anbieter finden, bei dem noch keine derartigen Gebühren verrechnet werden. Gerade die Diskussionen bzw. Ankündigungen einiger Banken in den letzten Monaten zeigen jedoch, dass die Banken offenbar planen, flächendeckend und für alle Nutzer Gebühren für Bankomatbehebungen einzuführen.

„Diesem Ansinnen muss klar entgegengetreten werden“, fordert der AK Präsident. „Gefordert sind in diesem Zusammenhang die Bankmanager und jeweiligen Entscheidungsträger der einzelnen Kreditinstitute, die allein für die Spesen- und Gebührengestaltung verantwortlich sind und nicht die einzelnen Bankmitarbeiter, die sich täglich nach Kräften bemühen, in einem für sie teilweise rauen Umfeld ihre Kunden bestmöglich zu beraten, zu versorgen und zu bedienen. Gerade Banken waren es nämlich auch, die in letzter Zeit immer mehr Mitarbeiter abgebaut haben, was auch bedeutet, dass die verbliebenen Mitarbeiter weitere Aufgaben zusätzlich übernehmen mussten.“

Laut Nationalbank konnten im letzten Jahr die heimischen Banken wieder einen Jahresüberschuss von mehr als 3,7 Milliarden Euro erzielen. Dieser liegt im Schnitt der Rekordergebnisse der „goldenen Zeiten“ von 2004 bis 2007. Die Personalentwicklung zeigt dagegen ein ganz anderes Bild: Vom Höchstwert vor der Krise im Jahr 2008 mit 80.293 Beschäftigten ist man 2015 weit entfernt: Zum Jahresende 2015 sind es nur mehr 75.034 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, es wurden also 5.259 Bankenjobs gestrichen!

Zangerl: „Der Bankkunde bezahlt regelmäßig Kontoführungsgebühren sowie diverse Spesen und Gebühren für unterschiedlichste Dienstleistungen und bekommt für Guthaben auf seinem Konto derzeit gar keine oder nur sehr mickrige Zinsen. Bei einer Überziehung seines Kontos hingegen werden sehr hohe Sollzinsen verlangt. Nun soll er auch noch für die von ihm selbst durchzuführende Auszahlung seines Geldes am Bankomaten flächendeckend immer etwas bezahlen müssen? Diese Extragebühren sind umso weniger verständlich, da bekanntermaßen aufgrund von laufenden Personaleinsparungen auch der Service der Banken weniger wird und immer mehr Arbeiten auf die Kunden selbst übertragen werden. Die Bank spart sich daher eigene Personalkosten und der Bankkunde hat bei einem erhöhten Aufwand weitere Kosten zu tragen. Es stellt sich die Frage, ob sich die Arbeitnehmer ihr Gehalt nicht lieber wie früher bar auszahlen lassen sollen.“

Jüngst hat beispielsweise die österreichweit tätige BAWAG P.S.K. ihren Kunden mitgeteilt, dass Bargeldbehebungen mit der Kontokarte auch bei bereits bestehenden Verträgen künftig nur noch an Geldautomaten der BAWAG P.S.K. beziehungsweise Geldautomaten, mit deren Betreiber die BAWAG P.S.K. einen diesbezüglichen Vertrag abgeschlossen hat, kostenfrei möglich sein sollen. Bei allen anderen Bankomaten, die nicht der BAWAG P.S.K. gehören, beziehungsweise mit denen es keinen diesbezüglichen Vertrag gibt, kann bei Bargeldbehebungen eine zusätzliche Gebühr fällig werden. Im Auftrag der Arbeiterkammer Tirol ist dazu derzeit ein Verbandsklageverfahren gegen die Bank anhängig um rechtlich zu klären, ob diese von der Bank gewählte Vorgangsweise bei bereits bestehenden Verträgen zulässig ist.


Die AK Tirol verlangt:

  • Keine generellen Bankomatgebühren bei Bargeldbehebungen am Bankomaten. Es muss bei allen Instituten Möglichkeiten geben, ohne zusätzliche Kosten zu seinem (eigenen) Geld zu kommen.
  • Eine Beschränkung/Deckelung der Überziehungszinsen bzw. ein angemessenes Verhältnis zwischen Soll- und Habenzinsen bei Verbrauchergirokonten.
  • Keine Einführung oder Erhöhung von Spesen und Gebühren bei Dienstleistungen, die der Bankkunde selbst erledigen muss.

AK Tirol Tipps:

  • Wer bei seiner Bank bereits jetzt Bankomatgebühren zahlen muss, sollte Bankomatbehebungen - soweit möglich - auf ein Minimum reduzieren und dies auch zum Anlass nehmen, Angebote von anderen Banken zu vergleichen. Generell sollten die von der eigenen Bank verlangten Kosten und Gebühren immer wieder überprüft werden. Vor einem möglichen Paket- oder Kontowechsel empfehlen die AK Konsumentenschützer, sich das eigene Kontonutzungsverhalten anzusehen und dann auf dieser Basis verschiedene Angebote (Einzelverrechnung; Pauschalverrechnung) zu vergleichen – nach dem Motto „Was brauche ich wirklich, worauf kann ich verzichten?“ Eine erste Entscheidungshilfe bietet dabei der AK Bankenrechner (siehe Infobox).
  • Auch bei den von den Banken oft beworbenen Kontopaketen, in denen Leistungen für pauschale, meist quartalsweise zu zahlende Beträge inkludiert sind, ist Vorsicht geboten. Teilweise werden auch dann noch bestimmte Leistungen extra verrechnet.
  • Grundsätzlich ist eine regelmäßige Kontrolle der Kontoauszüge – mindestens einmal pro Monat – zu empfehlen. Bei unerklärlichen Buchungen sofort schriftlich Einspruch erheben bzw. eine Rückbuchung verlangen!
  • Wer sein Konto dauerhaft überzieht, zahlt derzeit extrem hohe Sollzinsen. Ist der zusätzliche Geldbedarf längerfristig, sollte ein Privatkredit ins Auge gefasst werden, der in vielen Fällen günstiger kommen kann. Wenn das Konto nicht gedeckt ist und Dauer- bzw. Einzugsaufträge oder Überweisungen nicht durchgeführt werden können, fallen regelmäßig erhebliche Zusatzspesen an.
  • Barein- oder Barauszahlungen am Bankschalter vermeiden, eine Überweisung vom Konto kommt grundsätzlich günstiger.

Jeder Verbraucher, der über Entgelterhöhungen verpflichtend mindestens zwei Monate im Vorhinein informiert werden muss, kann bis zum Änderungszeitpunkt schriftlich widersprechen und hat ein kosten- und fristloses Kündigungsrecht. Wer sein Girokonto aber behalten will, sollte bedenken, dass im Falle eines Widerspruchs gegen die Erhöhung auch die Bank den Kontovertrag, und zwar gemäß den Vereinbarungen im Kontovertrag, kündigen könnte. Generell sollten angekündigte Erhöhungen der Kontogebühren aber stets ein Anlass sein, um den eigenen Girokontovertrag genauer anzuschauen, insbesondere, wenn man ihn bereits vor Jahren abgeschlossen hat.

Erhöhung von Kontogebühren

Welche Regeln bei der Er­höhung von Zei­len­ge­büh­ren, Ban­ko­mat­s­pe­sen und anderen Dau­erent­gel­ten gelten.

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